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Ein außergewöhnlicher Fund nach fast 60 Jahren

Ein nicht alltäglicher Fund forderte den Historiker regelrecht auf, die "Erste Auswertung ... " anzufertigen.
Mit diesen Worten beginnt eine sehr umfangreiche und mit einem immensen Zeit- und Kraftaufwand verbundene Dokumentation des Altenburger Historikers Dr. Günter Hauthal. Seiner geschichtlich außerordentlich wertvollen Arbeit zugrunde liegt ein im Frühjahr 2003 entdeckter "Schatz". Nein, es war kein Gold oder Tafelsilber was zu Beginn des vergangenen Jahres die Nachkommen des bekannten Liebschwitzer Heimatlehrers Rudolf Behr in dessen ehemaligem Wohnhaus in der Liebschwitzer Salzstraße fanden, sondern ein großer Stapel Briefe - ganz besondere Briefe.
Um das Geheimnis um diesen Fund zu lüften sollen hier einige Zeilen aus dem Vorwort dieser Dokumentation zitiert werden:
,,Im April 1945, kurz vor Kriegsende im Gebiet um Gera, vergruben die Ehefrau und die älteste Tochter von Rudolf Behr, der in französische Kriegsgefangenschaft geraten war, im Nebengebäude ihres Anwesens eine Truhe mit wertvollen Gegenständen und schriftlichen Materialien der Familie.
Nach Kriegsende, im Juli 1945, öffneten die Tochter und der Verfasser der Dokumentation im Auftrag der erkrankten Ehefrau die Grube. Ein Behälter mit 1383 Briefen und Karten von 465 Absendern (zumeist von Frontsoldaten - der Verf.) verblieb aus zwei Gründen im Versteck: Ersten konnte über dessen Inhalt nur Rudolf Behr nnach seiner Rückkehr verfügen. Die Briefe und Karten waren in der Folge der von ihm verfassten ,"Heimatbriefe" an ihn, den Gesangverein "Harmonie" und die Nazi- Ortsgruppe gerichtet. Zweitens wollten die beauftragten jungen Leute diese Briefe und Karten vor dem Zugriff linksradikaler Kräfte im Ort sichern, um deren z. T. willkürliches Wirken nicht fahrlässig zu fördern.
Nach Rückkehr von Rudolf Behr aus der Gefangenschaft (Sommer 1947) standen familiäre und berufliche Sorgen über mehrere Jahre im Vordergrund und der vergrabene Behälter geriet in Vergessenheit. Erst im Frühjahr 2003, nach fast 60 Jahren, wurde er von Nachkommen bei Umbauarbeiten entdeckt.
Dieser außergewöhnliche Fund wurde nunmehr von dem in Altenburg lebenden Schwiegersohn Rudolf Behrs, Herrn Dr. Günter Hauthal, aufgearbeitet und in mühevoller akribischer Kleinarbeit aufbereitet. Die ca. 100 Seiten umfassende, historisch wertvolle Dokumentation wird mehreren Archiven, u.a. dem Stadtarchiv Gera und der Heimatstube Liebschwitz zur Verfügung gestellt.
Über das Zustandekommen des umfangreichen Briefsammlung noch einiges zur Erklärung; auch hier sollen zum Verständnis einige Passagen aus dem Vorwort des Verfassers der Dokumentation zitiert werden:
,,Was bewegte Rudolf Behr, den Soldaten des Schulbezirkes von Liebschwitz/Elster nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges monatlich einen "Heimatbrief" zu schreiben?
Rudolf Behr war gebürtiger Liebschwitzer, einer Lehrerfamilie entstammend, und nach seinen ersten Dienstjahren in Gablenz bei Crimmitschau Lehrer in Liebschwitz. Seinen Schülern und vielen Bürgern des Schulbezirkes vermittelte er umfassende heimatkundliche Kenntnisse. Seine Mitmenschen zur Heimatliebe zu erziehen, war ihm ein wesentlicherLebensinhalt. Vom Januar 1929 an berichtete er, parteiungebunden, in der GeraerLokalpresse mit unzähligen, kurzen und sachlich gehaltenen Beiträgen aus dem Geschehen der Schulorte. Als sich im September 1939 Heimatfreunde und ehemalige Schüler von Rudolf Behr zum Kriegsdienst verabschiedeten, versprach er, ihrem Wunsch nachzukommen, ihnen weiterhin Nachrichten aus der Heimat zu übermitteln. Nachweinigen Tagen war der erste ‘Heimatbrief’ konzipiert und von den örtlichen Organen anerkannt."
Von der lokalen Nazi-Organisation wurde das Vorhaben genehmigt und unterstützt, jedoch nur unter der Bedingung, den Berichten aus der Heimat ideologische Passagen voranzustellen. Auch wenn dies nicht im Sinne des Verfassers war, so konnten doch seine Nachrichten aus dem Heimatgebiet bis 1943 an die Soldaten weiter versandt werden. Die scharfe Zensur schränkte die Berichterstattung aber mehr und mehr ein, so dass z. B. ab 1942 nicht einmal mehr über Gefallene berichtet werden durfte. Im September 1943 wurde Rudolf Behr - 44-jährig - selbst zum Wehrdienst eingezogen. Es fand sich kein Nachfolger für diese aufwändige Arbeit. Die Antwortschreiben, die zum Teil sehr emotional über die Kriegserlebnisse berichten und auch viel Persönliches beinhalten, bewahrte Rudolf Behr sorgsam auf. Dieser "Schatz" konnte nun nach der Wiederentdeckung durch den Historiker Dr. Günter Hauthal ausgewertet werden und liegt als sehr umfangreiche und zeitgeschichtlich außerordentlich wertvolle Dokumentation vor.
Die Sammlung zum Leben und Wirken des Liebschwitzer Lehrers, engagierten Heimatkundlers und Chronisten Rudolf Behr wird damit in beträchtlichem Maße ergänzt wofür hiermit Herrn Dr. Günter Hauthal auch im Namen des Ortschaftsrates Liebschwitz herzlich gedankt wird!

( Stefan Bauch, 25.06.2004 )

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