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Auf dem Wege zum modernen Dienstleister?

Zunächst: Gratulation auch von Neues Gera zum Chefposten. Bei Ihnen scheint das Sprichwort zuzutreffen: "Was lange währt, wird gut." Oder?
Ich freue mich schon darüber, daß ich in der Agentur für Arbeit Chefin wurde, in der ich seit 1990 tätig bin. So konnte ich mein Amt quasi von der Pike auf lernen. Ich bin stolz auf die vielen Jahre gemeinsamer Arbeit mit den vielen langjährig tätigen Mitarbeitern, auf die man sich verlassen kann. Von den bundesweit 180 Arbeitsämtern befinden sich sieben Agenturen in Thüringen. Fünf davon werden von Frauen geleitet. Mit der Umstrukturierung der Arbeitsämter nach der Wende brauchten Personalentscheidungen ihre Zeit. Aber nun fiel eben in der Nürnberger Zentrale die Wahl auf mich. Dieser Herausforderung stelle ich mich mit dem Versprechen, mein Bestes zu geben.
Naja, Sie haben sich da schon was aufgeladen. In einer breiten Umfrage von Unternehmensberatung McKinsey, ZDF, AOL und "Stern" hielten 84 Prozent der Befragten die Arbeit der Arbeits-agenturen für dringend verbesserungsbedürftig. Ziehen Sie sich für Geras Agentur die Jacke an?
Zur Geraer Agentur gehören die Hauptagentur Gera und die Geschäftsstellen in Greiz, Schleiz, Zeulenroda und Lobenstein. Im Einzugsbereich leben rund 300.000 Einwohner. Im gesamten Agenturbereich betreuen wir rund 33.000 Arbeitssuchende und zudem 35.000 Jugendliche, die eine Lehrstelle suchen. Zu unseren Aufgaben gehört des weiteren die Zahlung des Kindergeldes für 31.000 Kinder.
Für rund 12.000 Arbeitgeber in der Region sind wir Ansprechpartner zu solchen Problemen wie Stellenbesetzung, Förderleistungen, Altersteilzeit, Kurzarbeit und Ausbildung. Seit längerem schon war die Zeit reif geworden, um die Arbeitsagenturen zu modernen Dienstleistungsbetrieben umzugestalten. Dieser Aufgabe stellen auch wir uns. Unser größtes Problem besteht darin, daß wir nicht genügend Jobs vermitteln können, weil einfach keine Arbeitsplätze da sind. Eine Agentur für Arbeit schafft keine Arbeitsplätze. Doch die 450 Mitarbeiter der Geraer Gesamtagentur (von der Größe her ein mittleres Amt) wollen alles tun, um den Dienstleistungscharakter der Behörde stärker auszuprägen.

Fast die Hälfte meiner Mitarbeiter, nämlich 190, sind im direkten Vermittlungsprozeß tätig. Das ist ein schon recht beachtliches Ergebnis, denn wie die Regierung meint, sind bundesweit von 80.000 Mitarbeitern erst knapp 10.000 mit der Vermittlung von Arbeitslosen beschäftigt. Um unsere Arbeit weiter zu verbessern, wollen wir bis voraussichtlich Ende 2005 ein Kundencenter einrichten. Der Sinn besteht darin, die Kundenbetreuung effektiver zu gestalten und dabei auch die Wartezeiten zu verkürzen. Schon jetzt haben wir mit wöchentlich 35 Stunden durchaus bürgerfreundliche Öffnungszeiten. Generell wollen wir die telefonische Erreichbarkeit mit Hilfe eines Servicecenters verbessern, das mit fachlich kompetenten Mitarbeitern besetzt sein wird.
In Gera und der Region ist seit Jahren die Zahl der Arbeitslosen beängstigend hoch. Wie ist die aktuelle Lage?
Im Bereich der Hauptagentur Gera sind derzeit 14.310 Menschen arbeitslos. Das ist eine Quote von 17,6 Prozent (Durchschnitt in Ostthüringen 16,7 Prozent). Im Mai ist die Zahl der Arbeitslosen jetzt saisonbedingt leicht gesunken. Sorgen macht uns die Zahl der derzeit 5.870 Langzeitarbeitslosen, wäh-rend die Zahl der jugendlichen Arbeitslosen unter 25 Jahren auf derzeit 1.680 leicht gesunken ist. Viel zu gering ist mit 390 die Zahl der Stellenangebote (36 Prozent weniger als im Vorjahr). Es gibt also insgesamt noch keine Signale für eine deutliche Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt.
Geht es nach der Regierung, werden ab 1. Januar Arbeits- und Sozialhilfe zusammengelegt. Ex-perten prophezeien ein organisatorisches Chaos. Wie sehen Sie das?
In unserem Agenturbereich sind bis zu 18.500 Bürger von der geplanten Regelung betroffen. Die Schwierigkeit besteht darin, daß eine Reihe Fragen der Gesetzgeber noch nicht geregelt hat. Das betrifft u.a. das Optionsmodell, das die Zusammenarbeit von Kommunen und Arbeitsverwaltung klären soll.
Die Kommunen befürchten beispielsweise, daß höhere Kosten mit der Betreuung der Langzeitarbeitslosen auf sie zukommen. Jüngste Informationen besagen, daß der Bund die Mehrkosten möglicherweise übernehmen will. Aber die Zeit rennt uns davon. Denn allein die Programmierung der Software ist eine riesige Aufgabe. Wir werden mit einer Unmenge Daten konfrontiert.
Im vergangenen Jahr verfügten wir über einen Etat von rund 306 Millionen Euro. Größter Posten war das Arbeitslosengeld mit etwa 134 Millionen Euro. Für die Arbeitslosenhilfe gaben wir rund 104 Millionen Euro aus.
Wie ist der Stand bei Ich-AGs?
Wir sehen die Ich-AGs durchaus als eine Chance an, die hohe Zahl der Arbeitslosen zu vermindern, wobei zugegebenermaßen bis zu zehn Prozent der Kleinstunternehmer wieder das Handtuch werfen, meist wegen der zu dünnen Eigenkapitaldecke. Bis Mai registrierten wir in diesem Jahr weitere 210 neue Ich-AGs, vor allem im Bereich Dienstleistungen, Einzelhandel, Gastgewerbe und Baugewerbe. Darüber hinaus gab es 360 anderweitige Firmengründungen. Gemeinsam mit der IHK unterstützen wir über Existenzgründerseminare und mit Existenzgründerpässen (seit Januar: 190) den Sprung in die Selbständigkeit.

( Harald Baumann, 25.06.2004 )

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