Partner

gebr_frank.jpg
verlag_dr_frank_gmbh.jpg
onicom.de.jpg
gera.jpg
RPG_Logo_1.jpg


Hinweise

acrobat_reader.jpg

Button_E_paper.png

Schlagzeilen der Woche

zurück

Einblicke in die Kinderstube der Fledermäuse

Fledermausnacht in Hundhaupten macht auf
Quartiernot des Großen Mausohres aufmerksam
Sie gelten als Kobolde der Nacht, sind als blutsaugende Vampire verschrien und werden mit zahlreichen Gruselgeschichten in Verbindung gebracht: die Fledermäuse. Dabei müssen sie eher Angst vor dem Menschen haben, der durch die Zerstörung der Umwelt ihre Existenz gefährdet. Von den 19 in Thüringen vorkommenden Arten sind die meisten vom Aussterben bedroht.
Wer sich intensiver mit den nachtaktiven Säugetieren befasst, die übrigens keine fliegenden Mäuse sind, sondern eine eigenständige Ordnung haben, wird feststellen, dass sie eine faszinierende Tiergruppe sind. Die Fledermäuse bewohnen schon sei etwa 60 Millionen Jahren unseren Planeten, und wenn man so will, sind sie mit uns verwandt. Nun bedürfen die geheimnisvollen Flattertiere unseren Schutz, denn immer mehr ihrer Quartiere gehen durch Sanierungsmaßnahmen verloren. "Von Quartiernot besonders betroffen ist das Große Mausohr", weiß Uta Bergner vom Tiefbau- und Umweltamt, die, seitdem sie beruflicherseits mit den Tieren konfrontiert wurde, ihre große Liebe für sie entdeckt hat, wie sie zugab.
Es sei sehr schwer, einen Überblick über den Bestand zu erhalten, da die Fledermäuse am Tag versteckt leben. Eines ihrer Lieblingsorte ist der Turm der Kirche in Hundhaupten. Seit Jahren wird hier eine Wochenstube, das ist eine Siedlungsgemeinschaft der Weibchen zur Jungenaufzucht, beobachtet. Im vergangen Jahr lebten dort etwa 400 Fledermausmütter, die 270 Junge aufzogen, registrierte Uta Bergner. Auch in diesem Jahr hat das Große Mausohr wieder Asyl im Hundhauptener Kirchturm gefunden. Damit viele Menschen für die Existenzprobleme der kleinen Nachtflieger sensibilisiert werden, veranstalten die Stadtverwaltung Gera, das Landratsamt Greiz, die Koordinationsstelle für Fledermausschutz in Thüringen in Erfurt und die Interessengemeinschaft für Fledermausschutz und -forschung in Thüringen am Freitag, 11. Juni, in Hundhaupten die zweite Fledermausnacht.
Die erste fand 2001 statt und stieß auf eine große Resonanz. Das hofft Uta Bergner diesmal auch. Es wurden eine Menge Vorbereitungen getroffen. Das Programm beginnt bereits 17.30 Uhr mit allerlei Kurzweil vor dem Gemeindehaus, wo auch für das leibliche Wohl gesorgt ist. Ab 19.30 Uhr beginnen interessante Dia-Vorträge zum Leben und zum Schutz der Fledermäuse. Außerdem werden Bürger und Institutionen mit der Plakette "Fledermausfreundlich" ausgezeichnet. Auf ein besonderes Ereignis macht Uta Bergner aufmerksam.
Es besteht die Möglichkeit, über Infrarotkameras das aufregende Treiben in der Hundhauptener Wochenstube auf einer Leinwand mitzuerleben. Außerdem können die Großen Mausohren bei Einbruch der Dunkelheit bei ihrem Jagdausflug aus dem Kirchturm beobachtet werden. "Das ist ein faszinierenden Anblick, wenn Hunderte von Fledermäusen fast lautlos in die Nacht hinausfliegen", schwärmt sie.
Fledermäuse vertilgen ganze Kolonien von schädlichen Insekten. Bis zu einem Drittel ihres Körpergewichtes können sie pro Nacht aufnehmen. Ein guter Grund, um den Tieren ein Heim zu geben. Mit geringem Aufwand könnten bei Neubau oder Sanierung von Gebäuden Unterkunftsmöglichkeiten für die vom Aussterben bedrohten Tiere geschaffen werden, erklärt Uta Bergner. Die Wohungsbaugesellschaften und -genossenschaften gingen hier mit gutem Beispiel voran.

( Helga Schubert, 28.05.2004 )

zurück