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"Gera muss seine Sprungkraft entwickeln"

Wie hoch springt Gera? - Diese Frage macht neugierig. Und die erste Antwort darauf: Gera muss seine Sprungkraft entwickeln! So das Fazit eines Besuches von Prof. Dr. Dieter Hassenpflug, Soziologe und Lehrstuhlinhaber an der Bauhaus-Universität Weimar in Gera. Eine Eintages-Visite auf Einladung des Vereins "Ja - Für Gera", mit Besuchsterminen und Gesprächen mit herausragenden Partnern prallgefüllt: Oberbürgermeister Ralf Rauch, Stadtplanungsamt, BUGA-Geschäftsführung. Vor-Ort-Besichtigung zahlreicher interessanter Stellen der Stadt, die - so Prof. Hassenpflug - sich durch ein eigenes Profil auszeichnet, gekennzeichnet durch die drei Schwergewichte Bieblach-Ost, das historische gründerzeitliche Zentrum und Lusan. Gerade durch diese unüblichen urbanen Strukturen stehe Gera vor der Aufgabe, die Balance zwischen diesen drei Schwerpunkten zu organisieren, damit die Menschen dazu gebracht werden, wieder in die Stadt zu kommen. Schließlich sei es, so der Urbanistik-Professor, für Gera ein Geschenk, in dieser schönen Landschaft zu liegen. Diese Einschätzung bekommt noch mehr Gewicht, wenn man weiß, dass Prof. Hassenpflug nach dem Studium in Berlin bereits in Kassel, im Ruhrgebiet und in Frankfurt/Main als anerkannter Experte gearbeitet hat. Jetzt komme es in Gera darauf an, das Zentrum attraktiv zu gestalten, ohne die erwähnten drei Schwergewichte auseinander zu koppeln. In dem nur kurzen Gespräch mit Vertretern der Presse - die Vereinsberatungen in Bad Köstritz fanden leider hinter verschlossenen Türen statt - konnte Prof. Hassenpflug naturgemäß viele Themen nur kurzanreißen, was aber eine Reihe von Anregungen gab, denen sich "Ja - für Gera" weiter widmen wird. So ist dem Gast aus Weimar ebenfalls vieles aufgefallen, was in unserer Stadt schon intensiv diskutiert wurde, auch kontrovers, und anderes, an das vielleicht aus einer Art Stadtblindheitheraus bisher nur wenige gedacht haben. An vorderste Stelle die liebenswerte Gründerzeit-Architektur, die Hassenpflug sogar als "imposant" bezeichnete, auf der anderen Seite sogar Dorfmilieu, wenn vielleicht auch ein liebenswertes. Beispiel dafür seien die Greizer Straße und Umgebung, wo das ansonsten durchaus wünschenswerte Stadtgrün durch seine Dominanz architektonisch gelungene Lösungen quasi verstecke. Und natürlich das Stadtzentrum, das sich durch die gegenwärtigen Baumaßnahmen etwa karg gibt, aber für den geschulten Blick des Städtebauers und Urbanisten trotzdem aussagekräftig ist. So sieht Prof. Hassenpflug großen Diskussionsbedarf für die Neugestaltung der Ostseite der Breitscheidstraße. Ein Hotel in unmittelbarer Nähe gehöre fast zwingend dazu. Schließlichseien "Kongresstouristen" für die Stadt unerlässlich. Plattenbauten in der gegenwärtigen Prägung hätten hier keine Zukunft, auch wennbegrenzende Giebelwände architektonisch daraus wünschenswert seien. Dafür könne man durchaus geeignetere Lösungen finden. Kritische Hinweise hatte man sich von Prof. Hassenpflug ausdrücklich erbeten. Was der Oberbürgermeister auf den Nenner brachte: "Wir wollen die gescheitesten Lösungen machen." Allerdings - und das spricht für unsere Stadt - braucht sich Gera auch nicht zu verstecken. So war Prof. Hassenpflug von der Gestaltung des Reuß-Parkes als "phantastischer Siedlung" sehr angetan, weil man hier ästhetische Fragen bei der Gestaltung ganz bewusst einbezogen habe. Eine Lanze brach der Besucher fast leidenschaftlich für ein Umdenken in der Siedlungspolitik. Obwohl in den neuen Bundesländern kurz nach derpolitischen Wende bereits etwa 400.000 Wohnungen leer gestanden hätten, wären noch 750.000 Wohnungen gebaut worden. Die Auswirkungen waren durchaus gesamtgesellschaftlicher Natur und teilweise verheerend. So wäre der Eigenheimbau außerhalb der Städtesubventioniert worden und über Entfernungspauschale und ähnliches wäre dann eine zweite Subvention erfolgt, damit die Menschen in die Städte zur Arbeit fahren könnten. Jetzt denke man endlich wieder darüber nach, wie man vor allem die jungen Leute wieder in die Stadt holt. Die Zusammenarbeit der Stadt mit der Bauhaus-Universität und anderen Hochschulen ist zwar durchaus kein Novum, aber jetzt soll nach Möglichkeiten gesucht werden, wie man z. B. gemeinsame Forschungsaufträge und -arbeiten entwickelt. Und das unter der persönlichen Leitung von Professoren. "Ja - Für Gera" will das mitseinen Kräften unterstützen. Davon kann Gera nur profitieren!

( Reinhard Schubert, 01.08.2003 )

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