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Ein Japaner aus Deutschland

Japananer, sagt man, tragen die Gelassenheit fernöstlicher Weisheit in sich, sind stets zuvorkommend und höflich, freundlich, mit sparsamen Gesten. So könnte man auch Yoshihisa Sankawa charakterisieren. Alles trifft auf diesen Künstler zu bis auf Letzteres. Mit sehr viel Handsprache, die man sonst nur Italienern nachsagt, begleitete er seine Worte, als er vor der Eröffnung seiner Ausstellung in der Kunstsammlung Gera über seine Entwicklung und seine Kunst sprach. Die Leidenschaft, die er da offenbart, mag wohl daran liegen, dass er ein Grenzgänger invielerlei Hinsicht ist: in seinem Leben wie in seiner künstlerischen Laufbahn. Geboren ist er 1941 in Tokio, aber seit 30 Jahren lebt er in Deutschland. "Ich liebe Deutschland und bin fasziniert, hier zu sein", schwärmt der Professor und die erste richtige große Museumsausstellunghier in Gera sei für ihn ebenfalls großartig und phantastisch. Der Mann, der so begeistert spricht, hat zunächst eine ganz nüchterne Wissenschaft studiert, nämlich Jura- und Staatswissenschaft und danach absolvierte er erst ein Kunststudium in seiner Heimatstadt. Doch schon damals zog ihn die europäische Kunst an und er lernte die westeuropäische Moderne lieben, war und ist bis heute von deutschen Tonschöpfern Mozart, Beethoven und Bach angetan. "So ein kompliziertes Instrument wie ein Klavier kommt aus Deutschland", schildert er enthusiastisch.1971 geht Yoshihisa Sankawa nach Europa, wo er an der Düsseldorfer Kunstakademie durch seinen Lehrer Gerhard Hoehme entscheidende Anstöße erhält. Mit seiner Frau Kazuo Okano lässt er sich 1973 in Vanikum, einemkleinen Dorf bei Rommerskirchen, nieder. "Ein gottverlassenes Dorf", lächelt der Künstler, "aber wir leben gern hier, wir lieben das flache Land, die Natur". Das Werk des Japaners Yoshihisa Sankawa ist eine Herausforderung. Man könnte ihn als einen Magier an der Demarkationslinie zwischen Malerei und Skulptur bezeichnen. Aber so richtig einig sind sich die Kunsthistoriker auch nicht. Dr. Christoph Zuschlag vom KunsthistorischenInstitut der Universität plädiert im Katalog zu Wortneuschöpfungen wie Wandobjekte, Malereiskulptur oder Wand-Bild-Plastik. Dr. Ulrike Lorenz, Direktorin der Kunstsammlung Gera, schreibt im Vorwort: "Angesiedelt im Spannungsfeld von Malerei und Skulptur, Abstraktem und Konkretem, auf dem Grat zwischen Gewächs und Konstruktion, Poesie und Gesetz". Betrachtet man nun die Arbeiten, so scheint es, als wuchern fremde Wesenüber die Wände, lautlos und wie selbstverständlich sind sie plötzlich da. Die Gebilde stülpen sich nach außen und schließen sich gegen den Raum ab. Sie erinnern an viele Dinge aus der Natur: Tropfen, Felsen, Samenkörner, Steine. Als Material verwendet der Künstler Holz, das ereinem langwierigen Arbeitsprozess unterzieht. Er zerspannt, zerschneidet, spachtelt und klebt es, setzt es Stück für Stück wieder zusammen, trägt unterschiedliche Farben auf. Das dauert mitunter Monate. Die Ausstellung, die in der Geraer Orangerie bis zum 30. März zu sehen ist, entstand in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Villa WesselIserlohn, mit dem es eine mehrjährige Verbindung gibt. So stellt der Kunstverein im Gegenzug Werke von Volkmar Kühn aus.

( Helga Schubert, 21.02.2003 )

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