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Wohlklang zwischen musischem Bildungsziel und der Wiedergeburt eines 100-jährigen Hauses

Heinrich Posthumus hat anno 1608 tief in die Schatulle greifen müssen, um das Rutheneum schaffen zu lassen. Knappe 400 Jahre später teilten sich drei "Bauherren" in die Rechnung für die Rekonstruktion des 1887 erbauten und damit in die Jahre gekommenen Gebäudes am Johannisplatz: 300.000 Euro Projektförderung des Thüringer Kultusministeriums, 330.000 aus der Investitionspauschale Schulen und 130.000 Euro Eigenmittel des Geraer Eigenbetriebes Zentrale Grundstücks- und Gebäudeverwaltung. Die Techniker haben es akurat aufgelistet: Brandschutzmaßnahmen mit Einbau von Brandschutztüren in Fluren und Treppenhäusern, Brandschutzdecken, Sicherheitsbeleuchtung, Hausalarmanlage, Rauchabzugsanlage, Erneuerung der gesamten Beleuchtungsanlage. Schließlich Aufarbeitung der Fenster sowie der Türen im bauzeitlichen Stil, Anstriche in historischen Farben, farbrestauratorische Maler- und Lackierarbeiten im Eingangsbereich und Säulenvestibül mit Haupttreppenhaus und Fluren. Das Geraer Architekturbüro und Ingenieurbüro Sternal und Dölitzschbegleitete die gesamte Bauvorbereitung und -durchführung seit Juli 2002. Welch eine Aufgabe! Aber einschlägige Erfahrungen lagen in reichem Maße vor, so hat das Büro bereits die Rekonstruktion der Villa Hirsch gestalterisch verantwortet. Und schließlich war es für Frank Dölitzschauch so etwas wie ein später Dank; er war selbst Schüler des Gymnasiums. Was an einem Normalbau mit der Bauzeichnung oder dem alten Plan beginnt, war an dem Schulbau nicht möglich, weder im Bauarchiv Greiz noch instädtischen Archiven fanden sich Unterlagen. So blieb nur ein Weg: Gemeinsam mit Hubert Volkland aus Bad Klosterlausnitz wurden die Farbschichten untersucht - mit Skalpell, Lupe und Spektralanalyse, bisman die ursprünglichen Pigmente entdeckt hatte. Ein Schock für die Denkmalpfleger war es auch, dass Klinker- und Natursteinflächen einfach überstrichen worden waren. Dann gingen die Maler ans Werk, Manchmal - so Klaus Sternal - musste vier- bis fünfmal nachgemischt werden, bis man den richtigen Farbton gefunden hatte. Aber das Ende war gut, Klaus Sternal spricht von einem "Wohlklang", der mit den warmen, wohltuenden Farben erreicht werden konnte. Die grünen Türen und ölsockel der vergangenen Jahrzehnte haben der historischen Variante wieder Platz machen müssen, und darin sieht Sternal einenzweiten "Wohlklang", der Übereinstimmung mit der Zielstellung des musisch orientierten Gymnasiums und der Gestaltung seines Haupthauses. Die öffentliche Aufmerksamkeit war bei der feierlichen übergabe des 1. Bauabschnittes - unser Foto zeigt die Feier in der Aula - entsprechend groß. Unisono hatte man auch Verständnis dafür, dass Dachgeschoss, Fassade und Unterschoss des Hauses noch auf eine verjüngende Kur warten müssen, ebenso wie die Gestaltung des Johannisplatzes vor dem Gebäude. Aber Posthumus hat das Haus auch nicht an einem Tag gebaut und wohlöfter in die Tasche greifen müssen. In fünf Jahren feiert das Gymnasiums sein 400-jähriges Jubiläum. Ein Ereignis, das zumindestgenauso spektakulär nicht nur für Gera ist wie die ein Jahr vorher zu erwartende Bundesgartenschau. Vielleicht findet sich noch jemand mit Spendierhosen, so wie einst Posthumus und heute die drei edlen Geldgeber!

( Reinhard Schubert, 21.02.2003 )

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