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Licht-Blicke von Montevideo nach Gera

Erstmals hat ein Dix-Preisträger den Stadtraum besetzt. Wer in den nächsten Tagen und Wochen den historischen Museumshöhler besucht, findet eine Kette von 100 bunt bemalten Glaslampen vor, die einmal mehr, ein mal weniger aufleuchten. Das hängt mit den Lichtverhältnissen zusammen, die just in dem Augenblick in den uruguaischen Hauptstadt Montevideo herrschen. Die Wetterdaten werden via Internet im Minutentakt abgerufen und steuern über Dimmer die Leuchtkraft der Glühbirnen. Wenn sich am Vormittag um 10 Uhr die Türen des Geraer Museums in der Tiefe öffnen, beginnt es in Montevideo zu dämmern. Am Abend, wenn in der fernen Stadt die pralle Mittagssonne scheint, erreicht die Installation in Gera ihre größte Lichtintensität. Sobald sich jedoch ein Wölkchen vor die Sonne schiebt, nimmt das unterirdische Leuchten im Höhler ab. "Montevideo" nannte der diesjährige Otto-Dix-Preisträger Tobias Rehberger seine Lichtinstallation. "Monte" für Berg und "video" für sehen, das sei für ihn ein Anknüpfungspunkt gewesen, weniger die Computertechnik, von der er nicht viel Ahnung habe, bekannte der 35jährige, der zur Zeit als hoffnungsvolles Talent der Kunst-szene gefeiert wird. Der Licht-Blick, den der Künstler gewährt, ist ein faszinierender Ausdruck der globalen Vernetzung.

Das nächste seiner Projektideen stammt aus einem Auftrag des Bundestages. Für die Caféteria soll er Tische und Stühle entwerfen. "Ich habe einfach aus dem Gedächtnis die Möbelstücke mit dem Bleistift auf Papier gezeichnet, klassische, moderne, Boys-Stühle. Das habe ich in alle Welt zum Nachbauen verschickt. Mich interessiert nun, wie werden die Kommunikationslücken ausgefüllt", erzählt er.
Erstmalig wurde, an den Dix-Preis angegliedert, der IBM-Kunstpreis verliehen. Ihn erhielt Beate Gütschow, Fotokünstlerin aus Hamburg. In einem mehrfach gebrochenen Arbeitsprozess rekonstruiert sie Landschaftsgemälde bekannter Meister des 17. bis 19. Jahrhunderts. Ihr Ausgangsmaterial sind eigene Landschaftsfotografien, die sie am Computer mit den Vor-Bildern frei kombiniert.
In der Ausstellung in der Orangerie sind neben diesen Arbeiten auch Werke der Anwärter für den Dix-Preis und den IBM-Kunstpreis Neue Medien zu sehen. Dazu gehören ein Leuchtobjekt von Martin Eder, neun Gemälde von Mario Palm, neun Wollskulpturen und zehn Objekte von Annette Streyl sowie für den Bereich neue Medien digitals-prints von Martin Damman, ein digitaler Film von Pietro Sanguineti, Objekt-Tätowierung von Bernhard Schipper und Dia-Projekt sowie Super-8-Filmschleife von Wolfgang Plöger. Diese Gruppe zeigt besonders, wie sich die Medialisierung der Gesellschaft auch in der Kunst niederschlägt.
Für den Dix-Preis kann man sich nicht bewerben, sondern er ist ein reiner Jurypreis. 1992 wurde er anlässlich des 100. Geburtstages von Otto Dix ins Leben gerufen und zählt heute zu den renommierten Preisen für junge Gegenwartskunst. Langjähriger Mäzen ist IBM - in diesem Jahr mit einem eigenen Preis - und die Galerie Stuttgart. In Zukunft soll es mit dem Dix-Preis eine Ehrung und eine Förderung geben, stellte die Direktorin der Kunstsammlung Dr. Ulrike Lorenz in Aussicht.

( Helga Schubert, 30.06.2001 )

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