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Auf den Spuren der Familie Ferber

Was erinnert die Geraer an eine ihrer berühmtesten Fabrikantenfamilien, die Ferbers? Richtig, natürlich der Ferberturm, von dem aus man einen großartigen Blick auf die Stadt werfen kann. Na, und dann das Ferbersche Haus, Sitz des Museums für Angewandte Kunst (MAK) und des Kulturbundes. Vielleicht noch der Färberbrunnen auf dem Platz hinterm Rathaus? Aber der schreibt sich mit "ä" und soll an die einst geachtete Färberzunft erinnern. Und hat doch wiederum mit den Ferbers zu tun. Waren sie doch Teilhaber der weit über Gera hinaus bekannten Firma Morand & Co., die durch ihre edlen Stoffe für Damen- und Herrenkleidung rund 100 Jahre an der ehedem stolzen Industriegeschichte Geras mitgeschrieben hat. Wer sich auf die Spuren der Familie Ferber begeben möchte, ist in einer gleichnamigen Ausstellung im Brecht-Klub des Kulturbundes an der richtigen Stelle. Die einzigartige Exposition ist schon die vierte bemerkenswerte Schau in diesem Jahr, konnte die ehrenamtlich tätige Geschäftsführerin des Kulturbundes e.V. Christiane Rogeler bei der musikalisch umrahmten Eröffnung mitteilen.
Auf zwölf Tafeln vermittelt Ronald Knoll (den Lesern des "Neuen Gera" als Autor ein Begriff) bekannte und unbekannte Einsichten in Leben und Wirken der Familie Ferber, und ihr unternehmerisches Engagement. In ihrer Laudatio würdigte Ute Heckmann die akribische, zeitaufwendige Arbeit Knolls, der schon an der vielbeachteten Ausstellung zur Industriegeschichte Geras mitwirkte, und sie lobte die fruchtbringende Zusammenarbeit zwischen Stadtmuseum und Kulturbund, besonders zur agilen Fachgruppe Heimatgeschichte.
Auf den Tafeln wird der Besucher, der dienstags, mittwochs und donnerstags (jeweils von 10 bis 12 Uhr) und auch nach Vereinbarung (Tel.: 2 63 95) willkommen ist, auf interessante Eckdaten der Ferber-Story stoßen. So wurde 1833 auf dem Morand-Gelände die erste Dampfmaschine in Gera installiert - noch heute zu bestaunen in der Amthor-Passage. 1839 ging die erste Dampffärberei in Betrieb. 1865 gab es die ersten Shed-Indu-striebauten nach englischem Vorbild. Den Höhepunkt ihrer Erfolgsgeschichte mit Exporten in alle Welt erlebte die Firma mit fast 1000 Beschäftigten vor dem 1. Weltkrieg, bis sie Anfang der 30er Jahre zugrunde ging.
Ronald Knoll wollte ursprünglich nur Material für eine Ausstellung zum Ferberturm zusammenstellen. Aber je mehr er recherchierte, desto deutlicher wurde: Die Ferbers, die natürlich waschechte Kapitalisten waren, haben einen Ehrenplatz in Geras Chronik verdient. Das Erinnerungswerte will auch ein anderer wachhalten, der zeitgleich zur Ferberausstellung mit Federzeichnungen zum Thema "Altgeraer Motive" im Kulturbund vertreten ist: Peter Große, wohl eher unter seinem "Künstlernamen" Pit Eremit bekannt. Das Schönste und Interessante an Gera habe er in 50 Jahren zeichnerischer Tätigkeit stets festhalten wollen, bekundet er. Unzählige Male hat er in der Tagespresse Proben seines Könnens abgeliefert. Und so hat er auch Gebäude gezeichnet, die es heute nicht mehr gibt, wie Häuser der Böttchergasse, das Posthumus-Denkmal oder auch die Bettelburg - Bauten, deren Abriss oftmals nicht wenig umstritten war. Pit Eremit hat sie mit seinen Zeichnungen der Nachwelt erhalten.

( Harald Baumann, 16.06.2001 )

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