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"Ich werde die meisten Konzerte selbst dirigieren"

Mit welchen Gefühlen haben Sie die Nachricht von Ihrer Berufung zum Generalmusikdirektor des Theaters Altenburg-Gera aufgenommen? Ich habe mich sehr gefreut. Das Orchester hat mich sogar angerufen - das fand ich ausgesprochen nett. Das war für mich so ein Beweis des Vertrauens, eine gute Basis, gerade wenn man in so ein Amt eintritt - es ist meine erste Stelle als Generalmusikdirektor.

Nimmt man sich etwas vor bei Antritt als Generalmusikdirektor?
Man nimmt sich natürlich vor, all die Dinge besser zu machen, die man an anderen GMDs kritisiert. Ich bin jetzt seit zehn Jahren in diesem Beruf und habe in den letzten fünf Jahren viel als Gast gearbeitet in Deutschland, in Europa und in Amerika. Die für Deutschland typische Situation, dass der Chef den Großteil der Konzerte und Opern dirigiert, aber eigentlich wenig da ist und sich um vieles nicht kümmert - das hat man schon als warnendes Beispiel vor Augen. Aber Scherz beiseite - für sich selbst nimmt man sich vor, vor allem eine große Identität zu schaffen, eine Handschrift entwickeln, möglichst einen Geist und eine ganz bestimmte Musizierfreude zu wecken. Ich glaube, es ist wichtig, dass eine individuelle Zusammenarbeit entsteht mit dem Orchester, dem Chor und den Solisten. Wie das in der Geschichte z. B. Wilhelm Furtwängler in Berlin oder Bruno Walter in Leipzig gelungen ist - das sind schon große Vorbilder.

Sie werden den Großteil der Konzerte selbst dirigieren...
Ja, von neun Philharmonischen Konzerten sechs und auch Beethovens 9. Sinfonie zum Jahreswechsel. Ich werde auch Mozarts "Don Giovanni" und Korngolds "Die tote Stadt" leiten. Ich glaube, es ist sehr wichtig, dass man gerade im Anfangsstadium viel zusammen musiziert. Das erwartet das Orchester auch von mir.
Wie sieht das Konzertprogramm der kommenden Saison aus?
Ich möchte zuerst einmal sehr viel in der romantischen, der klassischen und modernen Literatur mit dem Orchester arbeiten. Da haben wir als wirkliche Herausforderung für das Orchester "Alpensinfonie" von Strauss, "La mer" von Debussy, "Verklärte Nacht" von Schönberg, Uraufführungen von Geißler und Witschurke und vieles mehr ins Programm aufgenommen. Wir wollen natürlich auch die Größe des Orchesters nutzen und daran festhalten.

Erstmalig wird es eine Geraer Orchesterwerkstatt geben?
Ich habe immer viel Moderne dirigiert und das soll auch so bleiben. Es ist immer so, daß die moderne Musik das Gehör schärft, die Phantasie anregt und die Flexibilität schult.

Neu sind auch philharmonische Matinees. Wollen Sie mit dem Publikum ins Gespräch kommen?
Unbedingt. Es ist geplant, daß ich zu jedem Konzert dem Publikum eine Einführung gebe. Das wird keine trockene musikologische Vorlesung sein, sondern soll einfach den Kontakt zum Publikum schaffen. Ich möchte wirklich einen herzlichen, aufgeschlossenen, ungezwungenen Kontakt zu den Menschen entwickeln. Es soll auch ein Wunschkonzert geben. Die Wünsche nehme ich dann vielleicht an einem Vormittag in einer Buchhandlung entgegen.

Sie wollen auch mit dem "Deutschen Musikrat" zusammen arbeiten?
Ja. In Altenburg ist das Dirigentenforum seit vielen Jahren traditionell vertreten gewesen. Das soll fortgesetzt werden. Ich möchte auch eine Frau als Gastdirigent verpflichten - eine Frau setzt andere Prioritäten. Für mich zählen die überholten Vorstellungen, dass Dirigent ein Männerberuf sei, überhaupt nicht.

Ist es richtig, dass Ihre Mutter hier Kostümbildnerin war?
Sie hat in Gera 1986 als Gast Schrekers Oper "Der ferne Klang" ausgestattet. Ich weiß nicht, warum ich als damals 15-jähriger das nicht gesehen habe - schade.

Als Konzert-Solistin erscheint der Name Kerstin Feltz im Programm...
Das ist meine Cousine. Dass sie hier spielt war aber schon vorher angedacht und geht nicht auf die Familienbande zurück. Natürlich schließe ich mich der Absicht gern an, denn sie ist eine internationa gefragte Solistin.

Sicher stehen in Ihrem Kalender auch Termine außerhalb Geras und Altenburgs?
Ja. Im Sommer gibt es eine kleine Tournee durch Hessen mit dem Jugensinfonieorchester des Bundeslandes anlässlich seines 25-jährigen Bestehens. Außerdem debütiere ich bei der Dresdener Philharmonie und dirigiere bei den Nürnberger Sinfonikern, anschließend die dritte Ballett-Premiere an der Münchener Staatsoper, das Rundfunksinfonieorchester Berlin und das Göttinger Sinfonieorchester.

( 09.06.2001 )

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