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Leute, bitte, seid doch optimistischer!

Worin besteht der Unterschied zwischen einem Pessimisten und einem Optimisten?
Beispiel: Da hat sich einer einen Riss in seiner Hose zugezogen. Der Pessimist grämt sich über das entstandene unschöne Loch. Der Optimist dagegen freut sich über den so entstandenen frischen Luftzug.

Um diese entweder pessimistische oder aber optimistische Sichtweise der Dinge ging es dieser Tage, als der Präsident der Industrie- und Handelskammer Ostthüringen zu Gera (IHK) nach einer Vollversammlung die aktuelle wirtschaftliche Lage vor der Presse erläuterte. Dr. h. c. Lothar Späth bezog sich dabei auf eine Umfrage unter rund 1.000 Unternehmen.

Von der präsentierten Fülle an Zahlen und Fakten zur Entwicklung seit Jahresbeginn sei nur folgendes herausgegriffen: Die Industrie in unserer Region kommt weiter gut voran. Sie bleibt der Konjunkturmotor. Die Umsätze im verarbeitenden Gewerbe steigen erfreulich, im Export sogar fast traumhaft. Hingegen befindet sich das Baugewerbe auf einem erneuten Tiefpunkt. Auch Handel, Gastronomie, Dienstleistungen und Verkehrswesen stehen nicht gut da.
Lassen wir es damit bewenden. Späth knüpfte nämlich an die Konjunkturanalyse einen bedenkenswerten Gedankengang, ja er redete sich dabei fast in Rage. Seine Frage war: Müssen wir, egal wie die Situation Anlass zur Sorge gibt, nicht eine optimistische Grundhaltung an den Tag legen, stärker Schluss machen mit der pessimistischen Schwarzmalerei, mehr nach vorn blicken, die Ärmel hochkrempeln und nicht immer und ewig nur jammern und lethargisch verharren?
Späth sieht darin nicht zuletzt eine typisch deutsche Mentalitätsfrage. Der Weltreisende weiß, wovon er spricht. Nirgends werde so viel geklagt und bedauert wie hierzulande. Auch die hiesigen Medien würden zu oft Missstimmung verbreiten. Schlage er morgens in Jena seine Tageszeitung auf: Fast täglich grau oder schwarz gefärbte Berichte, kaum aber Positives von der Dynamik wirtschaftlichen Vorankommens in dieser High-Tech-Region.
Späth nennt als ein charakteristisches Beispiel für das Missverhältnis von Optimismus und Pessimismus, dass Gera einerseits etwa 20 Prozent Arbeitslose hat und andererseits zahlreiche Unternehmen über Fachkräftemangel, besonders im Metall- und Elektrobereich, klagen. Die Firmen brauchen hochqualifizierte Leute. Das sind aber die wenigsten der Jobsuchenden. Also muss in einer Großoffensive alles für ihre Qualifizierung getan und nicht nach Indern oder anderen Ausländern geschrien werden. Da hat Gera z. B. erfreulicherweise mit IHK-Unterstützung eine Berufsakademie zuwege gebracht. Das Vorhaben könnte jetzt in Gefahr geraten, weil es nicht gelingen will, eine Handvoll Professoren so gehaltlich zu locken, dass sie nach Gera kommen und bleiben.

Da in der Region der Fachleutebedarf bedenklich weiter anschwillt, wird die Kammer im Herbst eine spezielle Beratung zur Arbeitsplatzsituation durchführen. Und da die IHK nichts von Wehklagerei hält, will sie z. B. auch in diesem Jahr wieder in ihren Mitgliedsbetrieben drei Prozent mehr Ausbildungsplätze schaffen. Sie drängt die Firmen: Bildet Lehrlinge aus, sonst könnt ihr eines Tages euren Laden zumachen! Spätestens ab 2005 oder 2006 wird sich nämlich die Zahl der Schulabgänger halbieren. Ein gutes Lehrstellenangebot (hier drücken sich noch viele Unternehmen zu ihrem eigenen Schaden) ist wichtig, damit junge Geraer und Ostthüringer nicht vom Schulhaus direkt ins Arbeitsamt gehen müssen oder aber in die alten Bundesländer abwandern. Der Grundstein wird schon in der Schule gelegt. Deshalb will die Kammer über ihre Bildungsinitiative BIT 21 die Schulen mit Computern und Software ausstatten helfen. Ostthüringer Unternehmen haben bisher dafür schon 1,8 Millionen Mark gespendet. Bis Jahresende werden 2 Millionen ins Auge gefasst. Als sich Späth zum Thema Optimismus und Pessimismus erregt, kommen noch weitere Beispiele ins Spiel. So auch dies: Man kann tagelang darüber trauern, dass Vogel & Noot dicht gemacht haben. Man kann sich aber auch darüber freuen, dass Rittal für 90 Millionen Mark ein hochmodernes Werk in Gera-Tinz errichtet und damit voraussichtlich bis zu 300 Leuten Arbeit gibt.

Die Miesmacher und Schwarzseher sind überall anzutreffen. Da wollen der Geraer Verkehrsbetrieb und fähige Stadtplaner die Straßenbahn, das umweltfreundlichste, schnellste und kostengünstigste Nahverkehrsmittel modernisieren und ausbauen. Sofort bringen einige Leute tausend Wenn und Aber vor, statt mit allen Verantwortlichen intensiv zu überlegen, wie das Vorhaben finanziell machbar ist.
Da bekommt Gera die Chance, den diesjährigen Thüringentag zu veranstalten. Das ist endlich eine Möglichkeit, in das touristisch wenig gefragte Gera Besucher aus nah und fern zu locken. Sofort gibt es weltfremde Gewerkschafter, die gegen verlängerte Öffnungszeiten in Handel, Gastronomie und Dienstleistung zu Felde ziehen. Ja, sollen denn die Gäste ihre Stulle und die Flasche Bier mitbringen oder ab 18 Uhr wieder nach Hause gehen, weil die Fußsteige hochgeklappt werden?

Da soll kurz vor Gera an der Autobahn ein schmucker Parkplatz entstehen. Sofort witterten einige Rüdersdorfer Bürger irgendwelche Belästigungen, obwohl weit und breit kein Wohnhaus zu sehen ist. Der Parkplatz als erster guter Eindruck kurz vorm Fahrziel Gera wird nun vielleicht fernab unserer Stadt gebaut.

Es gibt eben Leute, die gegen alles und alle etwas haben. Sie wollen keine positiven Veränderungen. Hat einer eine Idee, haben sie sofort irgendwelche Bedenken. Der "stern" hatte recht, als er unlängst schrieb: Die Deutschen sind ein Volk von Bedenkenträgern, eben ewige Pessimisten. Hat da der IHK-Präsident nicht recht, wenn er rät, bei allen zweifellos unübersehbaren Problemen mit Optimismus zu sagen: Verdammt noch mal, wir packen es!

( Harald Baumann, 09.06.2001 )

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