Partner

gebr_frank.jpg
verlag_dr_frank_gmbh.jpg
onicom.de.jpg
gera.jpg
RPG_Logo_1.jpg


Hinweise

acrobat_reader.jpg

Button_E_paper.png

Schlagzeilen der Woche

zurück

Projekt "Sprungtuch" für Schulschwänzer

In Gera wurde ein für Thüringen und möglicherweise sogar bundesweit einmaliges Projekt gestartet. Es nennt sich "Sprungtuch" und will Schulschwänzern (zum Sprung) wieder auf den rechten (Schul-)Weg helfen. Träger ist der Verein "Schlupfwinkel & Sorgentelefon", der dafür drei Sozialarbeiter in die Spur schickt. Darüber informierte vor der Presse Geschäftsführer Uwe Werner gemeinsam mit Vertretern der Partnerinstitutionen.
Hintergrund für das ungewöhnliche Vorhaben ist die besorgniserregende Tatsache, dass seit längerem die Zahl der Schüler wächst, die die Schule schwänzen. Während noch der Altmeister der Pädagogik Johann Heinrich Pestalozzi davon sprach "Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir", ziehen es die Schulverweigerer vor, ihren Tagesablauf anderen Dingen als der Wissensaneignung zu widmen und berauben sich so selbst der Möglichkeit, im Leben voranzukommen.
Wie Schulamtsleiter Bernd Bergner berichtete, ergab eine keineswegs allumfassende, aber durchaus repräsentative Umfrage an Geras allgemeinbildenden Schulen, dass bei den 10.786 Schülern unterschiedlich viele Fehlstunden auftreten (Analysezeitraum letztes Schulhalbjahr): 344 Schüler blieben dem Unterricht eine Stunde bis einem Tag fern. 126 Jungen und Mädchen gaben sich selbst bis zu zehn Tagen Schulferien. 34 Schüler mieden bis zu 20 Tagen das Schulhaus. Und 47 Jugendliche genehmigten sich sogar einen "Urlaub" von über 20 Tagen. Am stärksten ist das Fernbleiben bei den älteren Schülern, also bei den oberen Jahrgangsstufen, anzutreffen. Die Ursachen für die Schulverweigerung sind außerordentlich vielschichtig und bislang kaum erforscht. Projektleiterin Gudrun Naujoks sieht in dem Vorhaben ein Hilfeangebot an die Schüler und die oftmals ratlosen Eltern. Vertrauensvolle Gespräche auf der Basis der Freiwilligkeit sollen Klarheit bringen über Motive der Schulschwänzer. Ziel seien individuelle Förderkonzepte. Dem dient auch die Kontakt- und Beratungsstelle im Büro des Schlupfwinkel-Vereins. Die Sozialarbeiter sehen aber ihre Aufgabe zugleich darin, die Verweigerer selbst dort aufzusuchen, wo sie die Disko, die Spielhalle oder den Jugendclub dem Klassenzimmer vorziehen.
Polizeioberrat Wolfgang Schneider sprach das Beispiel der Nürnberger Polizei an, die junge Leute, welche den Unterricht bummeln, aufgreift und bei den Eltern oder in der Schule abliefert. Diesen Weg wolle man in Gera nicht oder nur nach besonderer Prüfung gehen, weil auf diese Weise das soziale Problem nicht gelöst werde. Wirksam wolle und könne die Polizei nur dort werden, wo es einen Zusammenhang von Schulschwänzerei und Straffälligkeit gebe.
Gemeinsame Erkenntnis aller anwesenden Partner: Das Problem ist nur lösbar, wenn der Verein, das Schulamt, das Jugendamt, die Streetworker und weitere Institutionen konstruktiv partnerschaftlich zusammenarbeiten.

( NG/hb, 24.03.2001 )

zurück