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"Solange ich Ideen geschenkt bekomme, möchte ich weiterarbeiten"

Die Beifallsstürme nach Ihrer bezaubernden Weihnachtsshow "Brillanten im Glanze der Lichter" sind sicher allen, die am vergangenen Wochenende zu Gast im ausverkauften KuK waren, noch im Ohr. Eine Gala, die Sie mit Ihren Tänzerinnen und Tänzern seit Jahren in der Weihnachtszeit aufführen und die in Gera längst zur Tradition geworden ist. Wie lange wird eigentlich geprobt, bis eine solch eine perfekte Show steht? Die ersten überlegungen beginnen bereits ein Jahr vorher. Zuerst wähle ich die Musik aus, die zu meinen choreographischen Vorstellungen für die neue Show passt. Ich bin überzeugt, dass gute Musik die Seele formt, sie schön macht. Natürlich kann ich im Frühjahr bei den Proben zur Tanzschau im Dezember meine Tänzerinnen und Tänzer nicht mit Weihnachtsliedern motivieren - also entscheide ich mich für Musiken, die zwar andere Inhalte haben, aber dem Takt der weihnachtlichen Stücke entsprechen. Die Einstudierung der Weihnachtsgala zieht sich über ein ganzes Jahr hin, denn die Vorbereitung unserer Tänzerinnen und Tänzer auf die Thüringer Landesmeisterschaften in den Standardtänzen im Frühjahr und Latein im Herbst haben zumindest den gleichen Stellenwert. Ab Oktober beginnt dann die "heiße Phase" - mindestens drei Mal pro Woche und an vielen Wochenenden wird das Programm "Brillanten im Glanze der Lichter" einstudiert. Mehr als 80 Tänzerinnen und Tänzer, darunter sehr viele Kinder und Jugendliche, gehören zu den "Brillanten". Heißt das für Sie nicht auch manchmal, einen "Sack Flöhe zu hüten"?Wissen Sie, ohne Lust und Liebe , aber auch ohne Disziplin geht beim Tanzen gar nichts. Wenn sich Mädchen und Jungen im Verein anmelden, überlege ich: Kannst du mit diesem oder jenem auch arbeiten? Ich weiß, dass mir häufig der Ruf anhaftet, zu streng zu sein. Das mag manchmal sogar stimmen, aber wenn wir Erfolg haben wollen, müssen wir dafür hart arbeiten. Und dass trotzdem immer Zeit für Fröhlichkeit und gute Laune bleibt, können Ihnen meine Schützlinge bestimmt bestätigen. Gegenseitiges Vertrauen ist übrigens eine Maxime, die ich für unerlässlich in der gemeinsamen Arbeit halte. Ich denke, meine Tänzerinnen und Tänzer wissen, dass sie mir vertrauen können. Umgekehrt ist es ebenso. Vielleicht ein Beispiel: Der Tanz "future", den drei meiner Mädchen kreiert haben, gefiel mir so gut, dass ich ihn in die diesjährige Weihnachtsshow aufgenommen habe. Ihr pädagogisches Geschick einerseits, andererseits aber auch Ihr tänzerisches und choreographisches Können sind unbestritten wichtige Garanten für den Erfolg der "Brillanten". Viele jüngere Geraer wissen vielleicht nicht, dass Sie von 1963 bis 1979 Solotänzerin am Geraer Theater waren. Wie kam es dazu? Das ist ganz einfach und doch eine Karriere, die mir nicht in die Wiege gelegt wurde. Als ich im November 1935 in Berlin geboren wurde, war an eine Laufbahn auf der Bühne nicht zu denken. Und als ich als Kleinstkind aus dem Kinderwagen fiel und mir eine Wirbelsäulenverletzung zuzog, erst recht nicht. Bis zu meinem zwölften Lebensjahr lag ich im Gipsbett. Ein Arzt riet meinen Eltern, mich in einer Ballettgruppe anzumelden, um zu erreichen, "dass das Kind nicht ein Leben lang krumm bleibt". Als ich mich 1951 zu einem Probemonat bei der berühmten Palucca in Dresden anmeldete, diese meinen Ehrgeiz entdeckte und festlegte: "Die behalte ich!", war meine berufliche Entscheidung gefallen. Ich absolvierte mit der finanziellen Unterstützung der dortigen Lehrkräfte (!) - ein Stipendium blieb mir in den ersten zwei Jahren versagt, weil mein Vater kein Arbeiter, sondern Angestellter war - die weltbekannte Dresdener Ballettschule, bewarb mich danach, übrigens aus Liebe zu meinem Mann Wolfgang, an der Operette in Dresden, obwohl die Palucca für mich bereits ein anderes Engagement vorgesehen hatte, tanzte später an der Staatsoper Dresden, folgte dann meinem Mann, der von Kurt Masur ans Staatstheater Schwerin geholt worden war, und wurde zwei Jahre später am Nationaltheater Weimar engagiert.1963 unterzeichneten mein Mann als Sänger und ich als Tänzerin Arbeitsverträge an den Bühnen der Stadt Gera. Es folgte eine wunderschöne Zeit, an die ich sehr gerne zurückdenke... Als Sie 1979 Ihr Engagement am Theater beendeten, kam vom damaligen Rat des Bezirkes das Angebot, den Tanzkreis "Brillant" zu leiten. Eine ganz neue Herausforderung für Sie - oder? Ja und nein. Einerseits hatte ich einen großen Erfahrungsschatz als Tänzerin, andererseits fehlte mir die Ausbildung als Tanzlehrerin für Standard und Lateinamerikanische Tänze. Ich wollte mich der neuen Aufgabe mit ganzer Kraft stellen, denn Tanzen war und ist mein Leben. Und so fuhr ich drei Jahre lang Sonntag für Sonntag nach Halle und ließ mich zur Tanzlehrerin und Tanzsporttrainerin ausbilden. Dass sich alle Mühen gelohnt haben, zeigt wohl die Tatsache, dass es die "Brillanten" nun schon 22 Jahre gibt...... und wie lange noch unter Ihrer Leitung geben wird?Ich bin in gewisser Weise ein gläubiger Mensch und weiß, dass ich meine vielen Ideen eigentlich geschenkt bekomme. Und solange das so ist, möchte ich weitermachen. Zumal ich mit meinem Kollegen, dem Tanz- und Tanzsportlehrer Ingo Ronneberger, das große Los gezogen habe. Er und natürlich meine engagierten Tänzerinnen und Tänzer, viele Eltern und andere Menschen, die unsere Arbeit unterstützen, geben mir die Kraft und die Zuversicht, dass der Tanzkreis "Brillant" noch lange zum kulturellen Leben in Gera gehören wird.

( Das Gespräch führte Doris Heuschkel, 20.12.2002 )

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