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Das christliche Angebot der Botschaft ist Hoffnung

Weihnachten ist für Gabriele Schaller die anstrengendste Zeit im Jahr und zugleich die größte Herausforderung. Wenn die Kirchenglocken von St. Johannis am Heiligabend zur Christvesper läuten und die Menschen in das Gotteshaus strömen, weiß sie, dass viele von ihnen nur einmal im Jahr kommen. Diese Freude, die sie an diesem Tag verspüren, möchte sie ihnen für die kommende Zeit des Jahres mitgeben. Sie möchte den Gefühlen Raum geben, möchte, dass sie die Wärme spüren und die Menschlichkeit entdecken. Deswegen verwendet sie sehr viel Zeit auf das Ausarbeiten der Predigt für den Gottesdienst am Heiligen Abend. Die zierliche junge Frau ist seit November Superintendentin der evangelisch-lutherischen Kirche in Gera. Ihr Mann Andreas Schaller ist Pfarrer an der Kirche in Gera-Langenberg. Das Ehepaar mit den drei Kindern Marie-Catherine, Georg und Leopold kam aus Pößneck. Hier lebten beide neun Jahre. Für Gabriele war die Stadt nichts Fremdes, denn sie stammt von dort, doch ihr Weg hatte sie zunächst hinaus geführt. Sie studierte Theologie in Rostock und Naumburg und erhielt 1989 ihre erste Pfarrstelle in einer kleinen Dorfgemeinde im Kyffhäuserkreis in Thüringen. "Das war von Anfang an auch eine soziale Herausforderung für mich", erinnert sie sich heute, denn die Menschen, die hier vorwiegend im Kalibergbau tätig waren, seien nur schwer damit klar gekommen, dass es nach der Wende mit der Entwicklung so schnell abwärts gegangen ist. Keine Lösungen zu bieten, sondern mit aushalten müssen, sei für sie wichtig gewesen. Als zweite Station folgte ab 1993 Pößneck. "Hier war ein modernes Gemeindezentrum entstanden, aber niemand hatte sich beworben", lächelt die 38-Jährige. Warum, wisse sie auch nicht. Zum Glück für Andreas und Gabriele Schaller, denn sie erhielten die Stelle. "Mein Mann konnte sich in den schönen, gut geeigneten Räumen der Jugendarbeit widmen, aber wir erlebten auch in Pößneck die soziale Frustration", beschreibt die Pfarrerin die Zeit, denn auch in dieser Stadt, die einst viel Industrie hatte, sei viel weggebrochen. Die Landesgartenschau brachte dann jedoch ein Aufleben für die Stadt. "Als Ort der Ruhe und Besinnung konnten wir uns als Kirchgemeinde einbringen", freut sich Gabriele Schaller. "Ausstellungen, Konzerte, Andachten, Gespräche fanden statt. Straßen wurden gebaut, alte Fabrikgebäude aufpoliert, ein schöner Park geschaffen. Das gab den Menschen Hoffnung. So könnte es sein. "Dann nach neun Jahren wieder Aufbruch. Es sei üblich, nach zehn Jahren zu wechseln, begründet sie ihren Wunsch. Der damalige Superintendent Dr. Mikosch wollte das Paar nicht in Ostthüringen verlieren. Da bot sich Gera an. Außerdem wollte er in den Ruhestand treten und konnte sich so gleich seine Nachfolge sichern. Er bot Gabriele Schaller die Superintendentur an. "Wir haben schon überlegt", gibt die junge Frau mit Klarheit und zugleich Sanftmut im Blick zu. "Mein Mann, der die Pfarrstelle in Langenberg übernehmen sollte, machte mir Mut, das Amt zu übernehmen." Eine Frau in dieser leitenden Position in der evangelisch-lutherischen Kirche, das ist eher noch selten, hatten ihr Mann und die Männerwelt um sie herum nicht ihre Probleme damit? "Sie haben mich ja gewählt, und für meinen Mann bin ich an erster Stelle Ehefrau. Er hat das Vertrauen in mich gesetzt. Da wird es keine Amtsprobleme zwischen uns geben", ist sich die Superintendentin sicher.Für ihre Zeit in Gera hat sie sich vorgenommen, die Zusammenarbeit zwischen Kommune und Kirche zu fördern, die Kirche nach außen transparent zu machen und die Schwelle nach innen niedrig zu halten. In Gera sei noch mehr als in Pößneck die Industrie zusammengebrochen. Viele Menschen sind arbeitslos und verlassen die Stadt. "Das ist für uns eine vertraute Situation", bekennt sie. "Aber das christliche Angebot der Botschaft ist Hoffnung. Und die braucht diese Stadt". Zwischen zweimal Läuten der Kirchenglocken am Heiligen Abend ist das Pfarrerehepaar für seine Kinder da. "Es ist zu wenig Zeit. Ich weiß", bedauert sie als Mutter. Es werde viel von ihren Kindern verlangt, erst am zweiten Weihnachtsfeiertag kommt die Familie in Ruhe an den Tisch. Aber auf die Geschenke müssen die Kinder nicht bis dahin warten. Die gibt es auch wie in anderen Familie am 24. Dezember.

( Helga Schubert, 20.12.2002 )

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