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Unterwegs im Höhler-Labyrinth

Manfred Lemke macht schon etwas her in seinem historischen Bierbrauerkostüm aus dem Jahre 1487. Mit Mütze und weißem Vollbart ist er bekannt bei Jung und Alt als der Gersche Bierbrauer. Jetzt beendet er aus persönlichen Gründen seine Arbeit als Gästeführer. Insgesamt auf über 1700 Führungen blickt er dankbar zurück. Angefangen hat alles mit einer Stellenausschreibung. Er sollte sich im Stadtmuseum vorstellen, denn es wurden Führer für die Geraer Höhler gesucht. Sprachgewandt, wie er schon 2006 war, konnte er die Stelle für sich verbuchen. Schnell war er mit den Fakten aus Geras Unterwelt vertraut und hinterließ so manchen zufriedenen Besucher aus nah und fern. Mit einigen habe er sogar heute noch Kontakt, erinnert er sich. „Da ist etwa ein Professor aus Hamburg, der auf Studientour durch Thüringen unterwegs war und dem ich jede Frage beantworten konnte. Mindestens einmal im Jahr telefonieren wir miteinander“, sagt Manfred Lemke. Sein Interesse für Stadtgeschichte geht weit zurück. Schon als Geraer Bub kannte er die Straßen und Gassen der Stadt und wusste, wo Ruinen standen. In der Schule war deshalb Heimatkunde ein Lieblingsfach, wo er durchweg gute Noten mit nach Hause brachte.

Ausbildung zum Gästeführer

Bald wurden Geras Gästeführer auf den wortgewandten und sympathischen Höhlerführer aufmerksam. So trat Manfred Lemke dem Verein bei, absolvierte eine Ausbildung zum Gästeführer und war einer der ersten, die Führungen auf dem Gelände der Bundesgartenschau in Gera und Ronneburg anboten. Im Zuge der Buga2007 entstanden in Gera die Kostümführungen. Der Nachtwächter, der Kneiper Klaus, die Fettgusche und natürlich der Gersche Bierbrauer und viele mehr sind seitdem nicht mehr aus Gera wegzudenken. Amüsante Begebenheiten und Erlebnisse während seiner Führungen durch Gera und durch die Höhler hat Manfred Lemke im Buch „Der Gersche Bierbrauer erzählt“ festgehalten. Historisches, Anekdoten und Sprüche in „Gerscher Mundart“ sind darin zu finden. Zu seinen Aufgaben zählten nicht allein die Höhlerführungen, auch Fahrten mit der Historischen Straßenbahn und viele Bustouren gehörten dazu. Er ließ sich zu besonderen Anlässen, wie Hochzeiten, Geburtstagen oder Weihnachtsfeiern immer etwas Besonderes einfallen. Unvergesslich sind ihm die Höhlerbiennale und die Mitternachtsführungen zur Museumsnacht geblieben. Er erinnert sich an eine Begebenheit zu Mitternacht, als es ihm selbst die Sprache verschlagen habe, und das will schon was heißen. Zu seinem 65. Geburtstag, das war im Jahre 2014, überraschten ihn seine Vereinskolleginnen mit einem Ständchen und einem Blumengruß.

Viel Freude bereitet Manfred Lemke die Arbeit mit den Medien. Ob Tageszeitung, Illustrierte oder die unterschiedlichsten Fernsehstationen, der Gersche Bierbrauer hatte immer was zu erzählen. Nebenbei und darauf ist er sichtlich stolz hat er auch zum Bekanntheitsgrad seiner Heimatstadt Gera beigetragen.

Der Kerker im Rathaus

Auch die privaten und meist kostenlosen Führungen mit Kindern zählten für Manfred Lemke zu seinen schönsten Erlebnissen. Schmunzelnd wird da schnell mal die Eisentür zum Fettnäppchen am Geraer Rathaus der Eingang zum Kerker. „Wenn ich die dankbaren Augen der Kinder sehe und an jeder Hand drei Kinderhände spüre, so macht mich das glücklich“, erinnert er sich.

Eine ganz frühe sportliche Leidenschaft für Manfred Lemke war das Boxen. Als 18-jähriger verfolgte er unzählige Kämpfe in der Geraer Panndorfhalle und am Bildschirm. Er lernte den dreifachen Geraer Boxweltmeister Markus Beyer kennen, der bei ihm im Nachbarhaus wohnte. Die Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Ulli Wegner war deshalb für ihn ein ganz besonderer Tag. „Als Gast der Stadtverwaltung auf dem roten Teppich die ganzen Gäste mit zu begrüßen und vielen großen Boxern die Hand zu schütteln war für mich unvergesslich.“

Freundschaften mit Prominenten

Doch Manfred Lemke hat noch weitere Steckenpferde, die ihn bis heute faszinieren. Er liebt die darstellende, die musikalische und die schreibende Kunst. Das bezeugen viele persönliche Freundschaften, unter anderen mit Peter Sodann, mit dem Hamburger Sänger und Entertainer Peter Sebastian und auch mit Peter Wieland, der leider bereits verstorben ist. „Immer wenn ich Bodo Ramelow treffe, haben wir ein paar nette Worte füreinander. Warum auch nicht, haben wir doch in den 1990-er Jahren Tür an Tür bei der Gewerkschaft in Erfurt gearbeitet, Bodo Ramelow bei der HBV und ich bei der GHK“, freut sich Manfred Lemke. Aberteurer und Weltreisende haben ihn schon immer begeistert. Liebend gern geht er mit seiner Frau und einem Wohnmobil auf große Reise. Er erinnert sich an Globetrotter, wie Reinhold Messner und Mario Goldstein, mit dem er seit Jahren befreundet ist. Deren Lebensmotto „Freiträumer“ zu sein, kann er gut nachvollziehen. „Wenn ich mal wieder Zeit habe, und das habe ich jetzt vielleicht, werde ich meine privaten Reiseberichte vervollständigen“, wünscht sich Lemke. Erinnerungen auf den Spuren der Tour de France und Notizen von einer langen Reise durch Norwegen müssen noch bearbeitet werden.

Der Buchautor

Untätig wird Manfred Lemke nach seiner Zeit als Gästeführer jedoch nicht sein. In diesem Jahr veröffentlichte er seine Gerschen Lausbubengeschichten. Eine Fortsetzung mit dem Arbeitstitel „Ein Lausbube wird erwachsen“ ist in Arbeit. Und sogar für ein drittes Buch gibt es bereits Ideen. Manchmal münden seine Gedanken auch in Gedichte oder in satirische Geschichten, die er gern einmal live im Kabarett erleben würde.

Doch auf die Frage, ob das nun wirklich alles gewesen ist als Gästeführer, da hält es Manfred Lemke mit James Bond „Sag niemals nie“ und lacht verschmitzt dazu.

( Wolfgang Hesse, 24.12.2020 )

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