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Auf die leichte Schulter genommen?

Die steigenden Temperaturen bescherten ganz Europa sinkende Zahlen bei den Corona-Neuansteckungen. Wohl etwas blauäugig, vernachlässigten wir dadurch die aufgestellten Regeln. Nicht nur privat lockerten sich die Beschränkungen, auch die Politik nahm einen Großteil der verhängten Maßnahmen zurück. Zudem verpasste man es, in dieser Zeit einheitliche Regeln und Vorsorgemaßnahmen bei einem erneuten Anstieg der Corona-Ansteckungen, vorzubereiten. Im Gegenteil: Egal ob auf Bundes-, Landes- oder kommunaler Ebene, jeder strickte seine eigene Verordnung. Die „Quittung“ bekommen wir jetzt, denn der Wellenbrecher Shutdown bremst den Anstieg der Zahlen nicht, was einen erneuten Lockdown zur Folge hat.

Fast 1,4 Millionen Erkrankte gibt es seit Beginn der Pandemie in Deutschland und mehr 20.000 Tote sind an oder mit Corona gestorben. Auch in Gera steigen die Zahlen: fast 1.400 Personen Erkrankte und über 40 Verstorbene (Stand 15. Dezember).

Trotz dieser Zahlen gibt es Menschen die nicht an den Virus glauben und die Maßnahmen zur Eindämmung ablehnen. Hinzu kommt, dass bei dem Verordnungswirrwarr keiner mehr durchblickt, die Menschen verunsichert sind und sich eine gewisse Müdigkeit breit macht.

Doch Wissenschaft und Medizin sind sich einig, dass es gerade jetzt wichtig ist, die Regeln zu befolgen, da ein Anstieg der Erkrankungen und der Todesfälle sonst nicht aufzuhalten ist. Das Corona kein „Fake“ ist können Ärzte, die auf den extra eingerichteten Covid-Stationen arbeiten, bestätigen. Auch im Geraer Klinikum gab es diese im ersten Lockdown, welche im November ihre Arbeit erneut aufnehmen musste. Grund genug für Neues Gera, um sich mit einer Ärztin des Hauses (Name der Redaktion bekannt) zu unterhalten, wie die Arbeit in der Covid-Station abläuft und was die Krankheit mit den Betroffenen anrichtet.

Während der ersten Corona Welle wurde auch in Gera eine abgeschottete Station geschaffen. Sie waren von Beginn an vor Ort. Wann gab es die ersten Fälle und wie wurde hier gearbeitet?

Ich war von Mitte April bis Mitte Juni auf der eingerichteten Station. Die ersten Fälle gab es Mitte März und noch vor den Ferien wurde ein Plan erstellt, so dass Personal auf Abruf bereitsteht, sollten die Zahlen steigen. Der Anstieg kam schnell und so war ich nach den Osterferien vor Ort. Wir unterstützten als Fachärzte aus den verschiedensten Bereichen die Intensivmediziner in ihrer Arbeit. Patienten mit typischen Symptomen kamen auf die Verdachtsstation und bei einem positiven Test auf die dafür eingerichtete Covid-Station und bei schwerem Verlauf auf die Covid-Intensivstation. Abgeschottet vom regulären Betrieb arbeiteten hier Spezialisten aus allen Abteilungen zusammen.

Welche Maßnahmen wurden getroffen um das komplette Personal zu schützen?

Der Zeitaufwand und der benötigte Aufwand bei der Ausstattung des Personals ist enorm hoch. Wie in vielen Berufen schlüpften wir morgens alle in unsere normale Berufskleidung. An der Schleuse zur Station wurde zur OP-Kleidung gewechselt und bevor man die Patientenzimmer betrat musste man sehr gut überlegen, was benötigt wird, denn vor dem Betreten zog man Schutzkleidung, Handschuhe, Schutzbrille und FFP 3 Maske auf. Es war anstrengend, aber notwendig um sich und die Patienten zu schützen. Dadurch gibt es einen sehr großen Materialaufwand, aber entgegen aller Meldungen, hatte das Management die Versorgung mit Masken und Schutzkleidung sehr gut im Griff.

Wer war und sind die Patienten auf der Station?

In erster Linie ältere Menschen mit Vorerkrankung. Es erwischte aber auch jüngere Menschen ohne jegliche Vorerkrankungen. Das keiner davor sicher ist, zeigt bereits die Ansteckungsrate, denn trotz Sicherheitsvorkehrungen erkrankten auch Pflegepersonal, Reinigungskräfte und Ärzte.

Konnten Verwandte und Freunde die Patienten besuchen?

Nein. leider, denn völlig isoliert ist das Pflegepersonal oftmals das Sprachrohr zu den Familien und gleichzeitig Seelsorger für die Patienten. Das zehrt auf beiden Seiten an den Kräften. Ermöglicht wurde es nur, wenn es einem der erkrankten schlecht ging, die Behandlung nicht anschlug und wir am Punkt angekommen waren, an dem es zum Tod hätte führen können. Nichts wäre schlimmer als diese Person oder die Angehörigen jetzt allein zu lassen.

Wie gehen Pflegepersonal und Sie als Ärztin damit um?

Nicht nur diese Situation bringt eine hohe psychische Belastung mit sich. Da Pflegepersonal knapp ist, wurde natürlich in jedem Bereich des Hauses nachgefragt, wer auf der Station arbeiten will. Da kann man sich denken wie hoch die Resonanz ist. Auch wenn wir zweimal pro Woche oder bei auftretenden Symptomen getestet wurden, setzt man sich und im schlimmsten Fall auch seine Familie dem stetigen Risiko aus. Erkrankungen beim Personal gab es, aber das Klinikum hatte das Personalmanagement gut im Griff. Jedoch ist dies ein enormer Kraftakt und auch nach über einem halben Jahr mit Corona zeigt sich, dass die Politik in Sachen Pflegepersonalmangel nichts getan hat. Das Problem ist seit Jahren bekannt und fällt uns eines Tages auf die Füße.

Kann man Covid 19 mit einer Grippe vergleichen?

Nein, man kann es mit keiner anderen Krankheit vergleichen. Auch eine Grippe kann sehr schlecht verlaufen, aber Covid 19 ist viel aggressiver. Die letzten Monate haben gezeigt, dass wir den Virus noch immer nicht ausreichend kennen, denn es gibt immer wieder Berichte über Schädigungen, die wir bisher noch nicht kannten. Große Gefahr besteht, wenn es die Lunge angreift. Patienten sitzen vor einem und fühlen sich gut. Jedoch zeigen die Sauerstoffwerte etwas anderes. Meist geht es den Personen dann von Tag zu Tag schlechter und sie werden beatmet. Bei einzelnen Patienten waren wir mit der Sauerstoffversorgung am technischen Limit – der Hahn war voll aufgedreht.

Verstehen Sie die Skeptiker und Menschen, die den Virus für eine Verschwörung halten?

Ich habe kein Verständnis für Verschwörungstheoretiker, die eine Infektiologie (Diagnostik und Therapie von Infektionserkrankungen) noch nie von innen gesehen haben, geschweige denn wissen, was Infektionen und Viren auslösen können. Ich verstehe, dass die Menschen müde werden, da es jede Woche neue Regelungen gibt, die dann teilweise bereits von Landkreis zu Landkreis variieren. Die Gesellschaft fühlt sich perspektivlos und dauerhaft hält diese den gegenwärtigen Zustand nicht aus. Einheitliche Regelungen wären ein wichtiger Schritt und natürlich sollte sich auch jeder daranhalten. Das ist wichtig und man schützt sich und seine Mitmenschen. Auch wenn man den „Kanal“ mal voll hat, sollten die Menschen Vertrauen in Mediziner und Wissenschaftler haben.

Wie stehen Sie zur Impfung und was raten Sie unseren Lesern?

Seit Jahren gibt es die Grippeschutzimpfung und wer zur Risikogruppe gehört, dem kann ich diese nur empfehlen. Aus schulmedizinischer Sicht ist auch die Covid 19 Schutzimpfung richtig. Wir müssen aber abwarten ob dieser dauerhaft wirkt oder wie bei der jährlichen Grippeschutzimpfung eingesetzt werden muss.

Das Gespräch führte Lars Werner.

( 17.12.2020 )

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