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Wenn Gewalt den Alltag bestimmt

Wenn Streit, Drohungen, Angst und Schläge den Alltag bestimmen und Kinder und Jugendliche ihr Zuhause als unsicher empfinden, hinterlässt das Spuren in ihrer Entwicklung. Die „Streitparteien“ wollen das Geschehen zwar meist vom Nachwuchs fernhalten, aber merken nicht, dass ihre Kinder Augen und Ohren haben und sich somit inmitten des Geschehens befinden. Sie fühlen sich schuldig und wissen dadurch nicht wie sie sich verhalten sollen. Aus Angst vor einer Unterbringung im Heim und dem Zerfall der Familie, versuchen viele schützend einzugreifen und werden in die Spirale reingezogen, welche sie ungewollt für das spätere Leben prägt. Leistungsabfall, Krankheiten, geringes Selbstvertrauen, Misstrauen, Depressionen und Aggressives Verhalten sind die Folge. „Als Betroffene kommen Kinder und Jugendliche in der Krise selten in den Genuss von vorhandenen Hilfs- und Beratungsangebote, da diese sich bisher fast nur an die Elternteile richten. Die Eltern richten sich erst an die Kinder- und Jugendhilfe, wenn die Krise in der Familie abklingt, aber die Kinder jetzt auffällig werden“, erklärt Linda Petheö vom Schlupfwinkel und Sorgentelefon Gera.

Ein Angebot der Beratung, Information und zur Hilfe während des Miterlebens der Gewalt existiert für Kinder und Jugendliche somit nicht. Kein haltbarer Zustand weiß auch das Jugendamt der Stadt und so kam man bereits vor über zwei Jahren mit den Partnern in der Kinder- und Jugendhilfe ins Gespräch, um hier ein Angebot zu schaffen. Vorbilder hierfür gibt es in Thüringen nicht und so erarbeiteten Schlupfwinkel und Sorgentelefon Gera e.V., Kinder- und Jugendschutzbund und der Liberare e.V., welcher mit Interventionsstelle und Frauenhaus Beratungsmöglichkeiten bietet, in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt ein Konzept für das Modellprojekt „Sag´s weiter“.

Ziel des Angebots ist es, betroffene Kinder und Jugendliche die häusliche Gewalt erlebt haben, zu beraten, zu stabilisieren und über ihre Rechte zu informieren. Zudem bekommen sie die Möglichkeit ihre Sichtweise des Erlebten darzulegen und haben so die Chance, das Erlebte aufzuarbeiten. „Wenn bei häuslicher Gewalt die Polizei eingeschaltet wird und Kinder im Spiel sind, dann gibt die Polizei eine Meldung an das Jugendamt. Zudem können sich Betroffene bei der Interventionsstelle melden, welche mit ihren Angeboten weiterhilft. Über beide Stellen kommt die Meldung zu uns und wir können mit Kindern, Jugendlichen und den Erziehungsberechtigten ins Gespräch kommen“, so Linda Petheö, die Projektleiterin von „Sag´s weiter“. Unterstützt wird sie dabei von Katrin Nordhaus und Katrin Engel vom Liberare e.V. Das dreiköpfige Team betreut die Kinder und Jugendlichen, hört zu und ermittelt in Gesprächen den nötigen Hilfsbedarf, um diesen dann mit den zuständigen Behörden und Trägern von Angeboten abzusprechen. Die heutigen Anlaufstellen leisten dabei hervorragende Arbeit, jedoch zeigen Studien, dass allein in Thüringen jährlich ca. 1.000 Kinder und Jugendliche Hilfe benötigen, aber diese bisher nicht abgedeckt werden konnte. In Gera haben die Zahlen ergeben,dass jährlich rund 100 von häuslicher Gewalt Mitbetroffene unter 14 Jahren Hilfe benötigen. „Mit dem Projekt werden Kinder und Jugendliche wahrgenommen und wir hoffen, dass sie das geschaffene Angebot annehmen. Wir tragen die Verantwortung für die Jüngsten unserer Gesellschaft und müssen diese durch gegebene Gesetze und Angebote schützen“, erklären Birgit Klemm die Leiterin des Jugendamtes und Silvia Krause, die Geschäftsführerin des Schlupfwinkel und Sorgentelefon Gera e.V.

Gefördert wird das in Thüringen bisher einmalige Projekt vom Land. Bis Ende 2021 werden benötige Mittel bereitgestellt. Vor Ablauf werden weitere Gespräche geführt, denn Ziel ist es, das Projekt auf weitere Städte und Landkreise auszuweiten.

In einer Studie vom Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend wurden 10.264 Frauen zur Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit befragt. Das Ergebnis: jede zweite bis dritte Frau hat bereits körperliche Übergriffe in ihrem Erwachsenenleben erfahren und etwa jede siebte Frau hat sexuelle Gewalt durch bekannte oder unbekannte Personen erlebt. 60 Prozent der Frauen dieser Studie gaben an, dass Kinder mit im Haushalt leben. Über die Hälfte dieser Kinder hat diese Gewalt gehört, gesehen und damit miterlebt.

( Lars Werner, 22.10.2020 )

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