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„Ich bin in meine Heimat verliebt”

Ein junger Student, der zur Geschichte Geras forscht, waren meine zwei Ausgangsinformationen, die mein Interesse weckten, um jenen Menschen kennenlernen zu wollen.

Ferdinand Kämpfer heißt der junge Mann, der sein Abitur am Goethe-Gymnasium Rutheneum seit 1608 ablegte und nach Potsdam ging, um Geschichte, Politik und Soziologie zu studieren. Denn vor allem die preußische Geschichte habe es ihm neben jener seiner Heimat - die der Reußen – angetan. Anfang des Jahres kehrte er in die Heimat zurück, um in der Thüringischen Landeshauptstadt seinen Master in Geschichte abzulegen.

Seit 2016 weckten die alten Villen, die industriellen Brachflächen und fürstlichen Güter seiner Heimatstadt sein Interesse. Er wollte wissen und verstehen, wer hier einst lebte, arbeitete, regierte.

„Lange Zeit empfand ich Geschichte in der Schule als ziemlich langweilig. In der achten Klasse weckte meine Lehrerin mein Interesse und fortan wollte ich alles wissen. Aus einem Preußen-Buch wurden zehn und in der Seminarfacharbeit in der Sekundarstufe II behandelten wir das Thema Trinkwasser in Gera, zu welchem ich im abschließenden Kolloquium einen historischen Vortrag zum Trinkwasser in Gera hielt. Auf meinen Wegen in die Geschichte zurück, erfuhr ich, dass Gera einst reich war. Ich wollte mehr erfahren”, erinnert sich der 23-jährige Geschichtsstudent zurück, der seit vielen Jahren auf den Spuren wandelt: Woher wir kommen, um zu verstehen, wohin wir gehen.

Von seiner eigenen Lust gepackt, die eigene Heimat zu ergründen, lud der damals 18-Jährige im Juli 2016 Familie und Freunde, Geraer und Gäste ein, gemeinsam mit ihm auf historischen Wegen zu spazieren. Sein damaliger Mathenachhilfelehrer ist Geras Nachtwächter, Uwe Lehmann. Von ihm erfuhr er anfangs Unterstützung. „Rund 35 Gäste aller Generationen folgten mir. Der Stadtführung vorangegangen ist ein Vortrag im Hofgut zum Thema ‚Das alte Gera‘. Auch hier lauschten mir 26 Zuhörer. Zwei Gründe trieben mich an, zum einen, wollte ich mein Wissen kundtun und zum anderen, ein bisschen dazu beitragen, dass sich die Geraer noch mehr mit ihrer eigenen Stadt identifizieren.” Ein Engagement, das schon viele Geraer, die in ihre eigene Stadt verliebt sind, versucht haben.

Im gleichen Jahr begann er sein Bachelor-Studium in Potsdam. Er fing an, sein Wissen nicht nur in Form der geforderten Hausarbeiten aufzuschreiben. Im letzten Jahr entstand sein erstes Buch: „Die industrialisierte Stadt. Gera um 1900”. „Basierend auf einer Hausarbeit erweiterte ich das Manuskript und veröffentlichte mein erstes rund 130seitiges Buch. Die Stadt Gera verfügt dank ihrer stark wirtschaftlich geprägten Geschichte über sehr viele und sehr verschiedene imposante Bauwerke. Die Zeit prägte oftmals die Art und Weise der Bebauung und jene wiederum war oftmals für das soziale Verhalten der Bewohner ausschlaggebend. Gera war eine industrialisierte Stadt, die es verdient hat, von dieser Seite näher beleuchtet zu werden.

Von seinem Durst, Wissen zu mehren, und dem Drang Taten folgen zu lassen, schrieb er weitere Bücher. Seine bisherige Bilanz: Sechs.

Das jüngste, welches aus seiner Feder entsprang, erscheint in ein paar Tagen auf dem Markt und titelt „Berühmte Geraer. Verewigt in Straßennamen”.

Man könnte nun meinen, dass Ferdinand Kämpfer seine Heimat wie seine Westentasche kennt, doch wirft diese Aussage per se unweigerlich Zweifel auf. Denn auch wenn die Geschichte Vergangenheit ist, gelebt wurde und erforscht scheint, stirbt ein Teil jeder Wahrheit mit dem Abriss von Gebäuden, dem Sterben von Menschen, dem Vergessen der Zeit.

Es gibt viele Kuriositäten in der Geschichte Geras, auf die Ferdinand Kämpfer gestoßen ist und noch keine Antwort gefunden hat. Doch was nicht ist, kann noch folgen. Sein Drang, die Geschichte seiner eigenen Stadt zu verstehen, ist bis jetzt ungebrochen. Also, können wir uns sicher sein, dass wir von ihm lesen werden.

Zu seinen Geraer Veröffentlichungen

„Die industrialisierte Stadt. Gera um 1900”: Wenn in der breiten Öffentlichkeit der Name „Gera“ fällt, weiß in der Regel kaum jemand, welche Bedeutung diese Stadt einst für Deutschland hatte. Die Stadt war um 1900 eine der bedeutendsten Industriestädte Deutschlands. Neben zahlreichen Fabrikbauten wurde in Gera eine enorm hohe Anzahl an Villen errichtet. Das Buch befasst sich deshalb neben der Industriegeschichte mit dem Bereich Wohnen um 1900. Dabei werden Arbeitermietskasernen, Bürgerhäuser und Villen miteinander verglichen und analysiert, in welchen Bereichen der Stadt diese erbaut wurden und wieso. Außerdem wird der Frage nachgegangen, wie in der industrialisierten Stadt die verschiedenen Schichten miteinander lebten und welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede sie untereinander aufwiesen.

„Berühmte Geraer. Verewigt in Straßennamen”: Otto Dix kennen viele Menschen als einflussreichen Künstler des 20. Jahrhunderts. Wer aber kennt seinen Künstlerkollegen Professor Paul Neidhardt oder Dix‘ Schwager, den Künstler Alexander Wolfgang? Diese prägten die Stadt Gera genauso wie politische Persönlichkeiten, etwa Wilhelm Weber oder Curt Böhme, oder Naturforscher, wie Moritz Rudolph Ferber. Die Stadt Gera benannte etliche Straßen nach Berühmtheiten, die in Gera lebten und wirkten. Diese zahlreichen Prominenten werden in diesem Buch entsprechend der Stadtteile vorgestellt. Damit soll der historische Gedanke an die einst reiche Stadt mit ihren Prominenten aufrecht erhalten werden.

Diese zwei Bücher sind in den hiesigen Buchhandlungen erhältlich. Alle bisher veröffentlichten Werke finden Interessierte online.

( Fanny Zölsmann, 16.10.2020 )

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