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Er verdient sein Geld mit Spielen

Es ist ein Spiel, welches mich jedes mal aufs Neue einlädt, meinen Kopf anzustrengen. Jede Partie ist anders und hält neue Kombinationen bereit. Es ist ein fantastisches Spiel für die ganze Familie, selbst meine siebenjährige Tochter ist bereits in den Bann gezogen worden, wenngleich die Spielentwickler selbiges erst für „ab zehn Jahre” ausgewiesen haben.

Die Rede ist von Catan. Es ist ein echter Klassiker, denn es ist ein Brettspiel, welches Spielfreudige an einen echten Tisch bringt, um gemeinsam neudeutsch zu „zocken” oder auf altdeutsch zu „spielen”.

Ich hatte nun das Glück, es war mehr ein Zufall, dass ich einen Spieleautoren kennenlernen durfte, der an diesem Spiel seit vielen Jahren mitwirkt. Und er kommt aus Gera. Er ist sogar ein echter Gerscher.

Er heißt Martin Pflieger, Jahrgang 85, verheiratet, ein Kind.

Mit zehn Jahren, also vor 25 Jahren, wird er „catanisiert”. „1995 kamen die Siedler von Catan auf den Markt und ich war fortan begeistert. Jede Entwicklung, jeden Zusatz habe ich mir sofort gekauft und wollte ihn für mich erobern. So viel Genialität in einem Spiel. Ich war begeistert und bin es heute noch, dass ein Spiel all das kann”, bringt er seine Faszination zum Ausdruck. Ich kann diese Begeisterung nur teilen, allerdings wäre und würde ich nie auf die Idee kommen, auch Spiele entwickeln zu können. Aber Martin Pflieger kann es.

Während er anfangs – in Jugendjahren – nur davon träumte, ist es heute Realität.

Nach seinem Realschulabschluss hat er erst einmal keine Ahnung, was er machen wollte. Sein Traum Spieleentwickler zu werden war noch nicht greifbar, etwas Handwerkliches sollte es werden: Tischler. Doch damals zu seiner Zeit, war auch alles noch etwas schwieriger, Ausbildungsplätze waren Mangelware. Der Zufall brachte ihn zu einem hiesigen großen Produktionsbetrieb, dort absolvierte er eine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker. Eine Weile arbeitete er in diesem Beruf, wenngleich der solide Job doch auch etwas eintönig war.„Obwohl es ein sehr guter Arbeitgeber war, habe ich mich nach mehr Kreativität gesehnt”, erinnert er sich zurück. 2013 kündigt er, zuvor bildete er sich noch zum Maschinenbautechniker weiter. Er wechselte seinen Arbeitgeber, um in seiner neuen Position arbeiten zu können. „Doch die neue Anstellung brachte nicht die gewünschte Erwartung. Noch in der Probezeit lösten wir das Arbeitsverhältnis auf.” Das war ein herber Rückschlag, der die finanzielle Absicherung in der Familie herausforderte. Im Herbst 2016 dann ein erster Lichtblick. Wieder durch Zufall entdeckte er eine Ausschreibung für ein Redaktionsvolontariat im Kosmos Verlag. Ein Verlag für Bücher, Spiele und Experimentierkästen in Stuttgart. Gemeinsam mit Frau und Tochter entschloss er sich, eine Bewerbung abzusenden. Denn eine Zusage hätte bedeutet, mindestens zwei Jahre – die Zeit des Volontariats – zu pendeln bzw. vorzugsweise in Stuttgart zu leben.

Martin Pflieger hat seit 1995 nie aufgehört zu spielen oder über Spielideen nachzudenken. In seiner Freizeit kamen ihm die verschiedensten Spielideen in den Kopf. Viel Zeit verbringt er mit dem Ausprobieren von Spielen: Karten, Quiz, Konstruktion, Strategie, Interaktion. Heute stapeln sich rund 800 Spiele, davon allein 200 Variationen von Catan in seinen Regalen. Er ist ein wahrer Spielexperte, sowohl in der Theorie als auch in der Praxis. „2007 habe ich angefangen eigene Ideen zu entwickeln. Bin Mitglied in der Spieleautorenzunft geworden und habe mich immer mehr darüber informiert, was es braucht, Spieleentwickler zu werden. Es lief also immer parallel.”

Viele Ideen sind in seiner Schublade verschwunden bis ins Jahr 2011. Als das Känguruh von Marc-Uwe Kling auf die Bühne sprang, kam ihm eine Idee, die vielversprechend schien. Doch es sollten noch sechs lange Jahre vergehen, bis diese Idee tatsächlich in den Regalen einschlägiger Geschäfte stehen sollte. Game of Quotes ist seit 2017 auf dem Markt und ein Verkaufsmagnet.

Martin Pflieger wird angenommen. Er bekommt die Stelle als Volontär in der Spieleredaktion bei Kosmos in Stuttgart. In zwei Jahren lernt er die komplette Welt der Spiele kennen, von der Enstehung bis zur Vermarktung. „Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung in der Spielebranche, aber auch speziell als Catan-Kenner, erhielt ich die Stelle”, erzählt er.

Martin Pflieger wird zu einem gebrauchten Verlagsmitglied. 2018, das Volontariat steht kurz vor dem Ende, stand eine erneute Entscheidung im Familienrat an: Umzug nach Stuttgart, denn diese Anstellung erfordert regelmäßige Anwesenheit oder weiterhin Pendeln und nur ein Wochenendfamilienleben führen. Die Entscheidung fiel auf eine freie Mitarbeit von Gera aus. „Seit einem Jahr bin ich selbststän­dig, arbeite für Kosmos und auch für den Berliner Verlag Edition Spiel­wiese, aber auch für andere Kunden.”

Während er nun von Gera aus, als Spieleredakteur in seinem eigenen Büro namens „Studio Spielraum” für verschiedene Verlage selbstständig tätig ist und nebenbei auch weiterhin an neuen Spieleideen feilt, pendelte seine Frau für zwei Jahre von Gera nach Berlin, um sich beruflich weiterzubilden.

Das Spiel des Lebens hat Martin Pflieger verstanden: „Die große Kunst im Leben ist es, die Regeln zu verstehen, während man seinen Weg sucht. Wichtig dabei bleibt, sich nicht zu lange zu ärgern, wenn man mal verliert.“

( zoelsmann, 25.09.2020 )

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