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Brautradition im Steinweg

Im Steinweg wird wieder frisch gebrautes Bier gezapft. Der Zapfhahn und die neue Schaubrauerei für den Gerstensaft „Gersch“ ist vor einigen Tagen an den Start gegangen. Wie lang diese Tradition an eben dieser Stelle in der Altstadt zurück reicht, hat Klaus Brodale in einer Broschüre mit dem Titel „Geraer Brautraditionen“ zusammengetragen. Entstanden sind informative Seiten über „Ein neues und ein altes Brauhaus im Steinweg“. Ursprünglich wollte der ehemalige Stadtarchivar ein paar historische Daten für den Inhaber der Schaubrauerei im Steinweg 7, Kevin Pagenkopf, auf Papier bringen, um die Bedeutung der Neueröffnung in der Altstadt zu untersetzen. Doch Klaus Brodale stieß bei seinen Recherchen im Stadtarchiv auf viel Material, das ihm bewog, gemeinsam mit Verleger Frank Rüdiger eine 31seitige Broschüre herauszubringen. Hierin wird die neu aufgeblühte Tradition des Bierbrauens im Steinweg aufgegriffen, um weit in die Jahrhunderte der Bierproduktion Geras zurückzublicken. Das heutige Gebäude Steinweg 7 umfasste Mitte des 19. Jahrhundert zwei Bürgerhäuser, die Nummern 11 und 13. Schon lange davor hatten die Eigentümer dieses Gebäudekomplexes das Recht, eigenes Bier zu brauen. Unmittelbar neben dem kleinen Druckgang, der heute „Hinter die Mauer“ führt, befand sich eines von sechs großen Malz- und Brauhäuser der Altstadt Geras. Hier konnten die Bürger mit Braurecht ihr eigenes Bier nach ihren Rezepten brauen. Heute befindet sich in diesen Gebäuden die „MANGELwirtschaft“, der zentrale Bürgertreff der Stadt. Der Steinweg selbst stellte eine wichtige Verkehrsader und Handelsstraße aus der Stadt durch das Leumnitzer Tor in Richtung Norden und Osten dar. Das gute Wasser für die Bierproduktion wurde aus den östlich der Stadt gelegenen Quellen über hölzerne Röhren bis in die Stadt geleitet. „Neben dem Wiederbeleben der Brautradition in Geras Altstadt war auch die Tatsache, dass es über die Geschichte des Brauwesens und das Braurecht noch keine detaillierte Abhandlung gab, eines der Hauptbeweggründe, das einmal aufzuschreiben“, erklärt Klaus Brodale, der positiv überrascht war über die gute Quellenlage im Stadtarchiv zu diesem Thema. Das Brauhaus im Steinweg wird bereits im Jahre 1602 erstmals nachweislich erwähnt. Damals residierte im dortigen prachtvollen Wohngebäude der Magister Johann Volkmar, später Sekretär und Rat von Heinrich Posthumus Reuß. Das Malz- und Brauhaus befand sich hinter den Wohnhäusern. Zu dieser Zeit gab es bis zu 358 Familien in der Altstadt, die das Braurecht besaßen. Das frisch gebraute Bier wurde in den Höhlern für eine längere Zeit aufbewahrt. Auch im Steinweg besaßen das Brauhaus und die Bürgerhäuser eigene Höhler. Im Rahmen einer baulichen Sanierung des Steinwegs in den 1980er Jahren wurde das gesamte Höhlersystem zugeschüttet und die alten Grundmauern der historischen Gebäude abgetragen. Allein das stattliche Gebäude Steinweg 15 mit der barocken Fassadengestaltung ist erhalten geblieben.

Von 1487 bis einschließlich 1872 galt das Recht zum individuellen Brauen und Schenken in Geras Altstadt. Die Bierproduktion wurde danach von zentralen Brauereien übernommen. Umso mehr freut sich Klaus Brodale, dass rund 150 Jahre danach, an gleicher Stelle, wieder ein Brauhaus entstanden ist. Doch nicht jedem hat damals das abgestandene Bier aus den Höhlern gemundet. Klaus Brodale fand folgenden Spottvers, frei nach Schiller: „Gefährlich ist‘s den Leu zu wecken, verderblich ist das Löwentier, jedoch der schrecklichste Schrecken ist das Ger‘sche Höhlerbier.“ Heute jedoch lässt sich das leckere Höhlerbier und auch das neue „Gersch“ mit vollen Zügen genießen.

Die Broschüre gibt es für eine Schutzgebühr von fünf Euro im Zapfhahn, in Brendels Buchhandlung und in der Gera-Information.

( Wolfgang Hesse, 11.08.2020 )

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