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Ziel: Gera zu einem wirtschaftlich starken, attraktiven Lebensumfeld entwickeln

Das rund 200seitige Mammutwerk ist fertig. Nach fast 20 Jahren gibt es eine Weiterführung des Geraer Sozialplanes, der nun die Jahre 2018 bis 2023 beschreibt.

2011 erbt  Sandra Wanzar mit ihrem Antritt zur Sozialdezernentin der Stadt Gera den Sozialplan 1999 und nennt ihn seither liebevoll „das gelbe Telefonbuch”. Es ist ein dicker Wälzer, weit mehr als 500 Seiten. „Unser Ansinnen war es, den neuen Sozialplan knapp zu halten”, nennt dies Sandra Wanzar die Kunst dahinter und sagt, „moderne Sozialplanung heißt prozesshaftes, tägliches Agieren im Netzwerk und in den Fachdiensten, um ein Ergebnis zu finden.” 

Doch was genau umfasst nun solch eine Sozialplanung? Sie hat das Ziel, die Lebensverhältnisse vor Ort zu verbessern und die Chancengerechtigkeit zu erhöhen. Sie zielt in ihrer gesellschaftlichen Funktion auf soziale Gerechtigkeit und den Abbau regionaler Ungleichheit. „Ich bin der festen Überzeugung, dass sozialpolitische Entscheidungen zunehmend mit einer ganzheitlichen Betrachtungsweise der Lebenslagen unserer Einwohner sozialräumlich orientiert einhergehen müssen, um den heutigen gesellschaftlichen Anforderungen bestmöglich gerecht werden zu können. Dazu zählt, Lebensräume so zu gestalten, dass ein Selbstbestimmtes Altern, von der Geburt bis zum Tod, und ein hoher Grad der gleichen Teilhabechancen für jeden Einwohner der Stadt Gera ermöglicht wird. Wir betrachten also nicht nur den Baukörper im Quartier, sondern prüfen inwiefern das Zusammenleben stattfindet und wichtige Funktionen wie Schulen, Einkaufsmöglichkeiten, Arztpraxen erreichbar sind”, fasst es die Sozialdezernentin zusammen, die gemeinsam mit zahlreichen  Mitarbeitern und Partnern den Sozialplan erarbeitet hat.

Grundlage und Ausgangspunkt dieser Sozialplanung, ist das ISEK Gera2030, in dem auch die Zielstellung für Gera im Allgemeinen formuliert ist: „Gera ist 2030 ein wirtschaftlich starkes Oberzentrum für Mitteldeutschland mit einem weltoffenen Gemeinwesen in einem nachhaltig attraktiven Lebensumfeld.” Der Sozialplan ist ein strategischer Meilenstein, der operative Bausteine enthält, um dieses langfristige Ziel zu erreichen.    

Zu diesen Bausteinen gehört unter anderem, die Erkenntnis und das gleichzeitige Bestreben, die aktuell herrschende Vereinslandschaft  zu erhalten. „Wenngleich dies nicht nur in unserer Macht liegt. Vereine können sich jederzeit gründen oder auflösen und viele stehen aktuell vor dem Problem des Nachwuchsmangels. Wir wollen bestmöglich diese Struktur erhalten, stärken und wenn machbar sogar fördern – aber immer unter dem Damoklesschwert, dass wir eine haushaltskonsolidierende Kommune sind”, betont die Chefin des Sozialen. 

Neben dem mannigfaltigen Angebot an Vereinen, ist Gera auch gut vernetzt. Es gibt zahlreiche Initiativen, die sich individuellen Aufgaben stellen, z.B. Frühe Hilfen, Zusammenarbeit der Kitas mit den sozialen Fachschulen, Gesunde Kommune, Lokale Allianz für Menschen mit Demenz, Integration und Demokratie – um nur einige zu nennen. „Die Sozialplanung ist das Haus, in dem alle Einrichtungen, Initiativen, Organisationen ein Zimmer sind und nur wenn es ein Wohnzimmer, Kinderzimmer, Schlafzimmer, Bad und Küche gibt, ist das Haus komplett. Die jeweiligen Mitarbeiter, also die Eigentümer des Hauses, müssen erkennen und wissen, wo welches Zimmer liegt und welche Funktion es hat, erst dann kann sich auch der potentielle Mieter zurechtfinden”, bringt es Sandra Wanzar sinnbildlich auf den Punkt und will damit sagen, dass der einzelne Verwaltungsmensch, der oftmals in Säulen denkt, dies aufbrechen muss, um sich ganzheitlich den Aufgaben stellen zu können und dem Hilfesuchenden einen kompletten Lageplan an die Hand geben kann, um sein individuelles Bedürfnis klären zu können. Dafür dient die vorliegende Sozialplanung, die auch als Lexikon oder wie eingangs schon erwähnt als „Gelbe Seiten des Sozialen” verstanden werden kann.

Der dargelegte Ist-Zustand Geras gilt als Barometer, welcher turnusmäßig geeicht werden muss, damit das Gleichgewicht nicht kippt. 

„Es bedarf der regelmäßigen Umfragen unter den Einwohnern und Qualifizierungen innerhalb der Verwaltung, damit wir unser Ziel nicht aus den Augen verlieren. Dazu zählt u.a. das Siegel für eine familienfreundliche Kommune, welches wir mit Stolz seit drei Jahren tragen. Wenn wir die Rezertifizierung 2019 erfolgreich absoliveren, dann können wir uns auf Dauer als familienfreundliche Stadt ausweisen und damit werben. Hier zeigt sich übrigens, wie alles miteinander verzahnt ist und im ISEKGera2030 mündet, denn mit dem Siegel der Familienfreundlichkeit können wir auch unser Stadtmarketing schmücken.”

Um das gesellschaftliche Ziel, die soziale Gerechtigkeit und den Abbau regionaler Ungleichheit zu erreichen, beschreibt die Sozialplanung 2018-2023 diverse Handlungsfelder. Dabei handelt es sich um Ideen, Projekte, Aufgaben, die umgesetzt werden sollen, damit die Lebensverhältnisse vor Ort verbessert und die Chancengerechtigkeit erhöht werden kann. Die Handlungsfelder untergliedern sich in folgende sechs Punkte: 

Steuerung, Vernetzung und Nachhaltigkeit

Familien, Arbeitswelt und Betreuung

Bildung und Erziehung

Beratung, Unterstützung und Information

Wohnumfeld und Lebensqualität

Dialog der Generationen.

Zwei Beispiele aus den sechs Feldern herausgegriffen: Im Handlungsfeld 4 „Beratung, Unterstützung und Information” ist es laut Sozialplanung eine Maßnahme, die Stadtteilbüros in Bieblach und Lusan zu sichern, dafür ist die langfristige Zusammenarbeit mit Partnern zu prüfen und zu nutzen. Um den veränderten sozialen Bedingungen der Innenstadt gerecht zu werden, ist zu prüfen, ob ein Stadtteilbüro im Zentrum aufgebaut werden soll. 

Im Handlungsfeld 6 „Dialog der Generationen” gibt es unter anderem die Maßnahme eine Finanzierungsvereinbarung für mehrere Jahre abzuschließen, um das Familienzentrum, die Psychologischen Familienberatungsstellen, die Frauenkommunikationszentren und das Mehrgenerationenhaus Bieblach zu sichern. „Anhand dieser zwei Beispiele für Maßnahmen im Rahmen der Handlungfelder wird ersichtlich, dass es eine stetige, ständig am Ball bleibende und der immerwährenden Kontrolle unterliegenden Aufgabe ist, unser gesellschaftliches Ziel zu erreichen”, erklärt Sandra Wanzar und verdeutlicht damit, dass es einhergehend mit dieser Sozialplanung einen Koordinator braucht, der die Fäden in der Hand behält. „Künftig müssen wir Daten noch zielgenauer erheben und für die Steuerung sozialer Leistungen und Angebote nutzen. Da dies von den in der operativen Arbeit gebundenen Bereichen nur bedingt geleistet werden kann und die Steuerung eine gewisse Distanz zum Tagesgeschäft erfordert, soll die Stelle eines Planungskoordinators dauerhaft besetzt werden. Kernaufgaben sind dabei unter anderem die Überwachung und Unterstützung der Umsetzung der Maßnahmen des Sozialplans, die aktive Mitwirkung in Netzwerken und Begleitung von sozialen Projekten, die Durchführung von Sozialraumanalysen in Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren sowie die Organisation kontinuierlicher Bürgerbeteiligung”, so die Sozialdezernentin abschließend. 

Die Sozialplanung 2018-2023 ist auf der Homepage der Stadt Gera einsehbar.

( Fanny Zölsmann, 05.12.2018 )

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