Partner

gebr_frank.jpg
verlag_dr_frank_gmbh.jpg
onicom.de.jpg
gera.jpg
RPG_Logo_1.jpg


Hinweise

acrobat_reader.jpg

Button_E_paper.png

Schlagzeilen der Woche

zurück

Lasst die Farben sprechen, wo uns die Worte fehlen

Bildnerisches Gestalten ist eine Kommunikation ohne Worte. Pinselstriche, Bleistiftlinien, Farbflecke, Papierschnipsel und verschiedene Materialien setzen dabei Zeichen. Diese Zeichen wiederum bestehen aus Farben, Formen und Trägermaterial. Sie geben Auskunft über Gefühle und Themen der Menschen. Um diese Art der Kommunikation mit professioneller Hilfestellung zu unterstützen und zu fördern, hat die Kunstschule Gera eine Malwerkstatt ins Leben gerufen. Gefördert wurde das Projekt durch „Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz“ vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Das Ganze ist generationsübergreifend angelegt. Hier begegnen sich Kinder im Vorschulalter und Senioren, die von Demenz betroffen sind sowie deren betreuende Angehörige. „Nach zwei Jahren war die Förderung ausgelaufen und das Projekt drohte zu sterben“, erklärt Organisatorin Annett Pfeffer. Neben dem Mal- und Zeichenangebot wurden auch eine Bewegungs- und eine Musikwerkstatt angeboten. Ziel sei es, Kommunikationsmöglichkeiten außerhalb von Sprache zu schaffen und geistige Anregungen zu vermitteln.

Zumindest für eine kurze Zeit, sprich etwa ein Jahr, scheint das Projekt jetzt gerettet zu sein. Zahlreiche Unternehmer der Stadt Gera unterstützen mit einer Spende die Arbeit der Kunstschule zur Weiterführung der Malwerkstatt. Unterstützung bekommen die Organisatoren auch von der Kita Senfkorn und dem Diakonieverbund Gera e.V. „Wir leben in der Kita ein generationsübergreifendes Konzept. Es soll helfen, jung und alt, gesund und krank miteinander zu verbinden“, verrät Leiterin Antje Neugebauer. „Sechs Kinder der großen Gruppe konnten die letzten beiden Jahre am Projekt mit Senioren und Künstlern teilnehmen. Gern würden wir jedem Kind so etwas anbieten.“

Einer der Sponsoren, Roberto Tamaske von der Wirtschafts- und Unternehmerberatung, gibt jedoch zu bedenken, dass diese Spenden nur eine kurzfristige Lösung sein können. „Mittelfristig ist neben dem bürgerlichen Engagement die Politik gefordert, damit solche und ähnliche Projekte auf längere Zeitdauer finanziert werden können“, erklärt er. Peter Hanusch, Büro- und Objekteinrichtung, möchte ebenso mithelfen, das Projekt zu erhalten. „Meine Frau arbeitet im Joliot-Curie-Haus und hat mir von dem Angebot für Menschen mit Demenz erzählt. Ich finde gerade die Einbeziehung von Kindern als sehr wichtig.“

Das bestätigt auch der Geraer Maler und Grafiker Erik Buchholz, der gemeinsam mit Annett Pfeffer die Malwerkstatt leitet. „Ich finde es wichtig, ja lohnenswert, weil Jung und Alt etwas mitnehmen können. Ein kleiner Impuls zu Beginn der Malwerkstatt fördert das Erinnern, das Erzählen.“

Über Themen wie Weihnachten, Ostern, Fasching, Zirkus oder Tierpark sei man ins Gespräch gekommen und es habe sich ein Dialog mit den Kindern künstlerisch, wie auch verbal ergeben. Berührungsängste seien schnell verflogen. „Die unbändige Energie der Kinder hat ein Lächeln in die Gesichter der Senioren gezaubert“, sagt Erik Buchholz. „Unser Ansatz war und ist ein kommunikativer, kein therapeutischer“, ergänzt Annett Pfeffer und betont, dass die Workshops kostenfrei seien und pflegende Angehörige oder Menschen jeden Alters, die mit Demenz zu tun haben, herzlich willkommen sind. Die Spenden helfen, die begonnene Arbeit fortzusetzen. Annett Pfeffer freut sich, im Seniorenheim Franz Lenzner und im Joliot-Curie-Haus Raum für die Workshops gefunden zu haben. Hier gäbe es die nötige Barrierefreiheit im Gegensatz zur Kunstschule.

Mit den Spenden von etwa 1.000 Euro möchten die Organisatoren Material kaufen und die Malwerkstatt einmal im Monat anbieten. Bei aller Freude bleibt jedoch die Unsicherheit, ob das Projekt nach diesem Zeitraum fortgesetzt werden kann.

( Wolfgang Hesse, 24.09.2018 )

zurück