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Wohin geht die Reise mit der Innenstadt?

Das Horten ist in Ihrem Eigentum. Welche Ideen für die Aktivierung dieses Komplexes haben Sie?

Ideen und Ansätze gibt es viele. Es kommt auf die Reihenfolge, den Mix und die Rahmenbedingungen an. Eine durchaus realistische Variante kann sein, im Erdgeschoss des Kaufhauses einen Lebensmittelmarkt – ergänzt um Bio- und Feinkostsortimente – sowie ebenfalls im Erdgeschoss und in Teilen des 1. Obergeschosses einen größeren Anbieter aus dem Bereich Fashion unterzubringen. Idealerweise wird das 2. Obergeschoss des Kaufhauses städtisch bzw. durch eine öffentliche Einrichtung genutzt, um die Frequenz an diesem Standort zu erhöhen. Auch auf dem Zschochernplatz rege ich eine Neugestaltung an, um dort Anbieter zu platzieren. Mit zwei bis drei größeren Anbietern kann der Standort in sich funktionieren. Die kleineren Ladengeschäfte im Bereich Sorge einschließlich Gastronomie folgen in der Regel erst, nachdem die größeren Anbieter als „Pioniermieter“ feststehen. Bis auf das Kaufhaus sollen die Gebäude ab dem 1. bzw. 2. Obergeschoss wohnwirtschaftlich genutzt werden. Das Parken erfolgt auf einem Parkdeck im Innenhof des Areals. Und: Es soll eine schöner Platz werden, der Menschen anzieht und wo sich sowohl die Geraer als auch die Besucher von Gera wohl fühlen.

Wie wäre es mit einer Kleinteiligkeit im ehemaligen Horten Kaufhaus? Eine Art Basar, wie es dies in Metropolen wie Berlin und London gibt?

Das wurde schon mehrfach als Idee an uns herangetragen. Mir als Privatperson gefällt der Ansatz. Ich kenne solche historischen Markthallen aus vielen Städten in Frankreich oder aus Bilbao in Spanien. In Ihrer Frage ist aber auch schon ein Teil der Antwort enthalten: Gera ist nicht London und Gera hat auch keine gewachsenen Strukturen und Traditionen für ein solches Markthallen-Konzept. Solche kleinteiligen Einheiten funktionieren an dem Standort nur in Ergänzung zu großflächigen Angeboten bekannter Marken, die die Kunden wieder neu an den Standort ziehen. Das war damals bei Herrn Tietz nicht anders als heute. Allerdings haben wir heute mit dem Internethandel ganz andere Herausforderungen und die Kunden ganz andere Anforderungen. Wenn es uns aber gelingt, auf dem Platz vor dem KuK etwas wirklich Einmaliges zu schaffen, so dass Besucher und Touristen zahlreich nach Gera kommen, dann hätte ein solches Markthallen-Konzept im Horten eher eine Chance.

Wie weit sind mögliche Investitionen und Gespräche mit Investoren vorangeschritten?

Dazu darf ich zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussage treffen. Wir arbeiten täglich daran, denn eine solche Liegenschaft kostet jeden Tag Geld – auch wenn sie leer steht.Maßgeblich für einen Eröffnungstermin sind auch die Entwicklungen des öffentlichen Bauraums im Bereich Sorge – Zschochern - Steinweg sowie das Engagement und ein Gesamtentwicklungskonzept der Stadt Gera für diesen Bereich. Jeder Interessent und Investor fragt zuerst: „Was passiert hier im Umfeld?“ Darauf kann ich heute leider keine schlüssige Antwort geben. Vom Kaufhaus selbst sind alle ausnahmslos begeistert.

Wie ist der aktuelle Stand der Dinge zur Rudolf-Diener-Straße 4?

Nach meinem Kenntnisstand wurde die Entscheidung des Stadtrates dazu vertagt. Das von uns an der Stelle vorgeschlagene Parkhaus ist nach unserem Dafürhalten eine einmalige Chance, die Amthor-Passage und die untere Sorge zu unterstützen und zu revitalisieren. Unser Projektangebot eines Komfortparkhauses kann ich hier nur noch einmal wiederholen. Letztendlich müssen die Stadt und der Stadtrat entscheiden, was der Entwicklung der Innenstadt nützt und was eher nicht.

War Ihnen bewusst, als Sie das Horten gekauft hatten, dass es noch ein paar Jahre leer stehen wird?

Ganz ehrlich? Ich bin zum Zeitpunkt des Erwerbs 2012 / 2013 fest davon ausgegangen, dass sich mit dem Wechsel an der Stadtspitze im Bereich der oberen Sorge einschließlich Zschochern und Steinweg mit einer gemeinsamen Initiative von Kommune, allen Eigentümern und weiteren Investoren grundlegend etwas bewegt. Das war schließlich 2012 ein zentrales Wahlversprechen von Frau Dr. Hahn. Eine solche Initiative hätte in den letzten Jahren automatisch dazu führen müssen, dass alle Entscheidungen der Stadt dahingehend bewertet werden, wie sie die gewünschte Revitalisierung der oberen Sorge beeinflussen.

An den Standort des Kaufhauses Tietz selbst glaube ich nach wie vor. Dass Projektentwicklungen in solchen Größenordnungen auch ihre Zeit benötigen, war mir bewusst und sollte auch allen Bürgerinnen und Bürgern bewusst sein. Wir entwickeln schließlich nicht bereits seit der Eröffnung des Elster Forums in 2003 – dem Beginn des Leerstandes des Kaufhauses Tietz – sondern erst seit 2013 / 2014, als wir das zum damaligen Zeitpunkt bereits seit zehn Jahre leer stehende Objekt übernommen haben.

Inwiefern Sehen Sie die Notwendigkeit der Belebung der Sorge für eine attraktive Innenstadt?

Gegenfrage: Was verstehen Sie unter Geras Innenstadt? In den sozialen Medien habe ich mal einen Kommentar gelesen, der sinngemäß anmerkt, dass die Entwicklungspläne von Geras Neuer Mitte dazu führen, dass Geras neue Stadtmitte dann der Springbrunnen in den Gera-Arcaden wird. Es ist also ohne weiteres möglich – wenn man sich die Pläne von Geras Neuer Mitte mit kleinteiligen Wohn- und Geschäftshäuser betrachtet – ohne die Sorge eine zumindest kurz- und mittelfristig attraktive Innenstadt unterhalb der Sorge zu etablieren. Eine Belebung der Sorge ist in dem Szenario für eine attraktive Innenstadt nicht mehr zwingend erforderlich. Das ist traurig aber die Realität. Funktionierende Städte - wo es auch Menschen von auswärts hinzieht - putzen ihre ehrwürdigen Innenstädte sowie Plätze heraus und bauen die „neuen Mitten“ der 70er und 80er Jahren in Teilen zurück, um wieder Grünflächen und Entspannungsbereiche zum Verweilen ins Zentrum zu bringen.

Mit welchen Mitteln müsste die Sorge belebt werden?

Was die Sorge benötigt, ist Kundenfrequenz z.B. durch städtische Angebote, ein attraktiver öffentlicher Bauraum mit Grün, Wasser und Aufenthaltsqualität, mehr Attraktivität zur Freizeitgestaltung sowie eine klare Strategie der Stadt zur alten Mitte oder besser dem historischen Stadtzentrum, auf die sich alle Akteure beziehen können und die auch in jeder einzelnen Entscheidung der Stadt umgesetzt wird.

Als in Gera lebender und wirkender Unternehmer: Wie bewerten Sie Geras Lebensqualität in Hinblick auf andere Städte in gleicher Größe? Wie hat sich Gera in den letzten 25 Jahren entwickelt?

Die Wohn- und Lebensqualität in Gera selbst sind in einigen Bereichen gut, aber in anderen Bereichen deutlich ausbaubar. Ich nenne hier nur die Stichworte Aufenthaltsqualität in unserer historischen Stadtmitte, Familieneinkauf sowie Angebotsbreite an Marken und Einkaufsformen, um thematisch bei der Sorge und dem Kaufhaus zu bleiben. Wir sind leider schon lange keine Einkaufsstadt mehr, für die die Leute auch mal 50 Kilometer und mehr an Anfahrtsweg in Kauf nehmen und dann automatisch auch die Angebote aus den Bereichen Gastronomie, Kultur und Freizeit nutzen. Das ist auch das, was andere Städte in den letzten 25 Jahren mutiger und besser gemacht haben. Gera hat sich hier seit der Eröffnung der Gera-Arcaden im Vergleich zu anderen Kommunen sogar zurückentwickelt. Wenn sich jeder Leser selbst die beiden Fragen beantwortet, was er erstens nicht in Gera einkauft und zweitens alternativ in welcher Stadt, wenn nicht sogar im Internet, haben Sie bereits erste Orientierungspunkte, was in Gera anders werden müsste. Unternehmer und Investoren entscheiden beispielsweise bei Betriebsansiedlungen wesentlich danach, ob sie selbst gerne in dieser Stadt leben würden, in der sie investieren. Mit der Ansiedlung des weltweit zweitgrößten Möbelhändlers als ersten Standort in Mitteldeutschland, dem XXXLutz, haben wir eine reelle Chance, dass wieder ein Stück weit umzukehren. Diese Chance sollten wir nutzen sowie strategisch visionär in Gera auch mal wirklich etwas anders machen als in den letzten 25 Jahren.

Fanny Zölsmann

( vorstufe, 07.04.2018 )

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