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Ausfall, Vertretung, Lehrermangel

Der neugegründete Schulelternbeirat, kurz Schub, organisierte am vergangenen Donnerstag eine Demonstration vor dem KuK. Grund für die Versammlung ist die Situation an den Geraer Schulen. Stundenausfall, fachfremde Vertretungsstunden, Lehrer Mangelware. Staatssekretärin für Bildung, Jugend und Sport, Gabi Ohler, stellte sich der aufgebrachten Elternschaft. Um die Sachlage verstehen zu können, haben wir noch einmal im Ministerium nachgehakt, was Gabi Ohler damit meinte, es sei kein Problem der aktuellen Legislatur. „Für uns ist zunächst wichtig, dass es in dieser Debatte nicht darum geht, Verantwortung wegzuschieben oder bei den Vorgängerregierungen nur Fehler zu verorten. Alle früheren Bildungsminister hatten gute Gründe für ihre jeweiligen Entscheidungen. Aus heutiger Sicht stellt es sich allerdings so dar, dass insbesondere in den 2000er Jahren zu wenige neue Lehrer eingestellt wurden. Das hat zu einem relativ hohen Altersdurchschnitt unserer Lehrerschaft geführt. Das Durchschnittsalter der Lehrer in Thüringen liegt im bald zu Ende gehenden Schuljahr bei 51,3 Jahren. Dieser Entwicklung können wir nur mit konsequenten Neueinstellungen begegnen. Bis 2019 werden wir in dieser Legislaturperiode, also in insgesamt fünf Jahren, über 3.000 Lehrer einstellen. Das sind mehr als in den 2000er Jahren in zwei Legislaturen zusammen. Um diese Einstellungen auch wirklich vornehmen zu können, haben wir in diesem Jahr beispielsweise die Wiedereinführung der Verbeamtung beschlossen, damit wir für junge Lehramtsabsolventen attraktiv bleiben.”

Warten können natürlich jene Schüler nicht, die derzeit die Schulbank drücken. Constanze Rogler, Elternsprecherin einer neunten Klasse an der Integrierten Gesamtschule kann dafür nur wenig Verständnis aufzeigen. „Das Problem der Ausfallstunden haben wir seit der fünften Klasse und es wurde von Jahr zu Jahr schlimmer. In der achten Klasse wurde z.B. kein Informatik unterrichtet, da der Lehrer langzeitkrank ist. In der neunten Klasse gab es im ersten Halbjahr keine einzige Physikstunde, ganz zu schweigen von fehlenden Mathe-, Englisch- oder Deutschstunden. Die Krönung folgte mit der Bekanntgabe des planmäßiges Ausfalls zu Beginn des Schuljahres”, zeigt sich die Mutter sichtlich aufgelöst zur ersten vom Schub organisierten Demonstration zur problematischen Sitation an Geraer Schulen.

Fakt ist, der Nachwuchs fehlt an allen Ecken und Kanten. „Junge Menschen suchen beim Berufsstart nach Perspektiven. Die Vorzüge der Verbeamtung spielen neben anderen Faktoren für viele Lehramtsanwärter nach wie vor eine übergeordnete Rolle. Darüber können wir nicht hinwegsehen. Darüber hinaus ist ein Bündel von Maßnahmen notwendig, mit dem wir den Lehrerberuf attraktiv gestalten. Dazu zählen beispielsweise die Erleichterung des Quereinstiegs in den Lehrerberuf, die Verstärkung der Studienberatung für Lehramtsstudiengänge und eine weitere Entbürokratisierung des Einstellungsverfahrens”, heißt es von Seiten der Staatssekretärin Ohler und weiter: „Die Bewerberlage für den Thüringer Schuldienst muss differenziert betrachtet werden. Insgesamt gab es bisher immer mehr Bewerber als Plätze. Es gibt allerdings relativ wenige Lehramtsanwärter in den Naturwissenschaften und im musischen Bereich. Außerdem bewerben sich mehr Absolventen in den größeren Städten als im ländlichen Raum. Typische ‚Mangelware‘ wäre beispielsweise ein Chemielehrer für eine Regelschule im Altenburger Land. Ein geeignetes Mittel, um auf diesen Mangel zu reagieren, sind Stellenwandlungen. Von den 500 Neueinstellungen, die wir im vergangenen Jahr realisiert haben, waren in 171 Fällen Stellenwandlungen nötig. Stellenwandlung bedeutet, dass beispielsweise anstatt eines Mathe- und Chemielehrers ein Mathe- und Englischlehrer eingestellt wird. Das heißt nicht, dass am Bedarf vorbei eingestellt wird. Der Bedarf wird gedeckt, an den Schulen muss nur jeweils die Unterrichtsplanung angepasst werden. Im genannten Beispiel würde das bedeuten, dass ein bereits an der Schule tätiger Lehrer für Englisch und Chemie, dann weniger Englisch unterrichten würde (weil das der neue Kollege übernehmen kann) und stattdessen mehr Chemieunterricht gibt.”

Nicht vorhersehbar bzw. planbar sei der im Laufe des Schuljahres immer wieder auftretende kurz-, mittel- und langfristige Ausfall wegen Krankheit, der wiederum mit dem hohen Altersdurchschnitt der Lehrerschaft zusammenhänge. So sind von den aktuell 854 in Gera beschäftigten Lehrern 45 langzeitkrank. In Thüringen sind es ingesamt 946, bei 19.068 besetzten Stellen.

Während Personal Landessache ist, stehen die Eltern ebenfalls Kopf gegenüber der Stadt aufgrund des bekannten desolaten baulichen Zustandes an fast allen Einrichtungen. Doch dazu mehr, ein anderes Mal.

Demonstration

kurz kommentiert

Keine Frage, eine adäquate, zukunftsfähige und vertrauensvolle Bildung kann nur mit gutem, motiviertem und gesundem Personal in gemütlicher, einwandfreier und sauberer Atmosphäre von statten gehen. Aber bitte Ärgern und Kritisieren sollte auf Niveau mit Anstand und Höflichkeit stattfinden. Schließlich sind wir doch das Vorbild für unsere Kinder: Ausreden lassen, Zuhören und schon gar nicht hinter des anderen Rücken tuscheln, sollte doch das Rüstzeug jedes Menschen sein, nicht? Schon gar nicht verstehe ich, wie sich Stadträte – angehörig der gleichen Regierungsparteien – aufführen, wie Ketzeriche, wenn die Staatssekretärin des Ministeriums anwesend ist. Selbige Stadträte, selbst nie oder nur grummelnd im Rathaussaal zu hören, die zudem anscheinend meinen, sie können sich als Helden der Pöbelei verdient machen, können nicht an einer ehrenhaften Zukunft für die Stadt interessiert sein.

( Fanny Zölsmann, 10.06.2017 )

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