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Funktioniert Hilfe und Integration

Seit 70 Jahren setzt sich UNICEF weltweit für die Rechte der Kinder ein. Doch nicht nur die internationale Arbeit in den einzelnen Ländern ist hierbei wichtig. So engagiert sich die Geraer Arbeitsgruppe, welche in diesem Jahr ihr 15jähriges feiert, nicht nur an den Leitprojekten von UNICEF weltweit, sondern ist auch in Gera und Umgebung tätig.

Neben den ehrenamtlichen Aktionen der Ortsgruppe, hat man 2016 gemeinsam mit dem Freundeskres für Flüchtlinge e.V. ein weiteres Projekt durchgeführt. So wurde eine Umfrage bei Migranten, Ärzten und sozialen Trägern gestartet, um herauszufinden wie beispielsweise die ehrenamtliche Arbeit bei den Geflüchteten ankommt, welche Barrieren es noch immer gibt und an welchen Punkten die Stellschrauben noch justiert werden müssen.

Karina Beckhaus, Leiterin der UNICEF- Arbeitsgruppe Gera, und Ines Bauer, stellvertretende Vorsitzende des Freundeskreises für Flüchtlinge, fanden es ein Jahr nach Ankunft zahlreicher Flüchtlinge an der Zeit, auch deren Sicht auf ihr neues Zuhause zu erfragen. „Stadtverwaltung, soziale Träger der Flüchtlingshilfe wie Diakonie, Volkssolidarität oder Caritas, Ärzte und viele unermüdliche Ehrenamtliche geben ihr Bestes, um Flüchtlingsfamilien hier eine sichere Bleibe und vor allem den Kindern Zukunftschancen zu geben. Doch wie kommt diese Hilfe an? Was ist verbesserungswürdig, was läuft vielleicht völlig ins Leere?“, beschreibt Beckhaus den Zweck der Umfrage. Während UNICEF neun Fragebögen an auskunftsbereite Kinderärzte sowie an Diakonie, Volkssolidarität und Caritas vergab, führten die Familienpaten des Freundeskreises mit 18 Flüchtlingsfamilien in Gera Interviews. „Etwa 33 Fragen zur eigenen Familie, zur Wohnsituation, zum Leben in Gera, zur Bildung der Kinder, zu Freizeitangeboten und gesundheitlicher Betreuung beantworteten die Flüchtlinge aus Syrien, Iran, Irak und Afghanistan mit ihren Geraer Paten. Eine zeitintensive, aber wichtige Arbeit, Flüchtlingen eine Stimme zu geben“, wertet Ines Bauer diese Aktion. Integration beruhe auf Gleichberechtigung der Partner, nur so könne Vertrauen zwischen den alt eingesessenen und neuen Geraer Bürgern entstehen. Die ersten Tendenzen bei der Auswertung zeigen, dass es in jedem Fall noch Barrieren gibt, die abgebaut werden müssen. Karina Beckhaus beschreibt zum Beispiel die komplizierte Situation der Ärzte: „Hier stellt die Sprachbarriere immer noch ein großes Hemmnis dar. Neben verstärkter Nutzung geeigneter Apps bräuchte es noch mehr Übersetzer, die ihre Begleitdienste zu Ärzten und Behörden anbieten.“ Ines Bauer konnte aus dem Rücklauf der Fragebögen meist Zufriedenheit der Migranten mit ihrer Aufnahme in Gera erkennen. Kritikpunkte sind jedoch die lange Wartezeit der Kinder auf Einschulung. Ungenügend bekannt sind auch die Freizeitangebote, wo Kinder und Jugendliche sehr schnell die Sprache erlernen könnten. Hier könnten Vereine und Jugendeinrichtungen ruhig noch aktiver werden und sich bekannter machen. Trotz der überwiegend positiven Akzeptanz der Geraer für ihre neuen Mitbürger seien auch unschöne Beispiele der Bedrohung bei der Befragung aufgetaucht. Einer schwangeren Muslimin mit Kopftuch wurde von einer Frau in der Straßenbahn ein Bein gestellt, so dass die junge Frau stürzte. Eine Afghanin habe ihr Kopftuch mit einer Mütze vertauscht, um Pöbeleien zu entgehen.

Am 10. Januar 2017 wird diese Befragung bei einer öffentlichen Veranstaltung um 17 Uhr in der Geraer Stadt- und Regionalbibliothek ausgewertet. „Eingeladen dazu sind schon jetzt Vertreter der Stadtverwaltung Gera, die sozialen Träger der Flüchtlingshilfe in Gera, Ärzte, Lehrer und viele Geraer, die weiter mithelfen wollen, dass unsere Stadt ein gutes Zuhause für Menschen in Not wird“, sagt Karina Beckhaus. Die Umfrageergebnisse sollen auch den Migrationsministerien in Land und Bund zur Verfügung gestellt werden. Aus welchen menschenunwürdigen Situationen Geflüchtete hier und anderswo in Europa ankommen, darüber berichtet Brigitte Schleipen, eine Berliner UNICEF-Mitarbeiterin, die Not und Elend in einem jordanischen Flüchtlingslager dokumentiert. „Am 11. Dezember feierte UNICEF seinen 70. Geburtstag und noch immer ist die UNICEF-Arbeit so wichtig wie am ersten Tag. Jedes Kind hat Hilfe und Hoffnung verdient, ob in Gera oder irgendwo sonst auf der Welt“, so Beckhaus.

( Lars Werner, 17.12.2016 )

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