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Bisher unbekannte Schätze gefunden

Das Geraer Stadtarchiv ist um einen Schatz reicher geworden: Auf rund vier laufenden Metern sind 205 Ordner, Mappen und Einzelstücke mit Manuskripten, Belegen, Korrespondenzen sowie gesammelten Originaldokumenten untergebracht. Sie wurden von Gerald Gerisch, dem Sohn des Geraer Schriftstellers und Journalisten Heinz Gerisch (geb. 13. Juni 1913 in Gera und am 3. April 1981 in seiner Heimatstadt gestorben) dem Stadtarchiv als eigenständigen Bestand übergeben. Es ist die bisher umfangreichste Übernahme des Geraer Archivs und Stadtarchivar Klaus Brodale schätzt die Dokumente als zum Teil einmalige und besonders wertvolle Bestände seines Archivs und als noble Entscheidung des Stifters. Seine Freude ist um so größer, da er Ende des Jahres aus seiner Funktion ausscheidet. Für den Archivar sind es Funde mit denen niemand gerechnet hat.

Heinz Gerisch hatte selbst den Wunsch geäußert, dass sein Lebenswerk dauerhaft gesichert und der Forschung zugängig gemacht werden soll. Sein Sohn hat diesem Wunsch in vollem Umfang entsprochen und alle Unterlagen in vier Etappen komplett dem Stadtarchiv übergeben. Nur die beiden Porträts seiner Mutter und seines Vaters möchte er noch bis zum nächsten Jahr in seinem Wohnzimmer behalten. Gemalt wurden sie übrigens von Paul Neidhardt und Alfred Uebel, zwei bekannten Geraer Maler. Stolz ist der Stadtarchiv-Leiter auf die ersten Funde in den Archivalien, die man ohne Übertreibung als sensationell bezeichnen kann: Heinz Gerisch hatte einen engen brieflichen Kontakt mit Dix. Einer der Belege ist die von Dix gefertigte Bleistiftzeichnung des Geologen Rudolf Hundt. Sie galt bisher als verschollen.

Die Sensation Nummer 2 steckte im letzten Teil des übergebenen Archivguts. „Obwohl hier eine Wertung nicht leicht fällt, dürfte doch die Überlieferung zum Rittergut Löbichau eine herausragende Bedeutung besitzen. Die Originalunterlagen aus dem 16. bis 19. Jahrhundert beinhalten zum Beispiel auch drei Lehnbriefe aus den Jahren 1661, 1714 und 1730. Aber auch Einzelstücke, wie die 1667 in Gera gedruckte und von Magister Johann Sebastian Mitternacht, einem Lehrer am Rutheneum, bei seinem Wechsel nach Neustadt/Orla verfasste so genannte Valet-Predigt oder Abschiedsrede, waren in den Beständen des Stadtarchivs nicht überliefert.” Somit konnte sich Klaus Brodale selbst ein schönes und bleibendes Abschiedsgeschenk beim Ausscheiden aus der Funktion als Leiter des Stadtarchiv bereiten; es schließt sich an die Vielzahl von Büchern an, die Brodale aus unterschiedlicher Sichtweise zur Geschichte Geras veröffentlicht hat.

Um Heinz Gerisch als heimatkundlichen Sammler und Autor zu verstehen und zu würdigen, bedarf es mehr als ihn nur als Schriftsteller und Journalist zu verstehen. Er war mit seiner Heimatstadt und Ostthüringen sehr eng verbunden und ein geschätzter Kenner der Geschichte, der Volkskunde, der Geologie und der Natur Ostthüringens und des gesamten Thüringer Waldes. Zahlreiche Bücher und Broschüren stammen aus seiner Feder. Akribisch hat er vor Ort recherchiert, um authentisch zu sein. Und das alles ohne Auto. Er hat wohl auch den Begriff „Thüringer Meer” für die Bleilochtalsperre erfunden, der heute zum Sprachschatz geworden ist. Aber vor allem war Heinz Gerisch Journalist. Er schrieb für die damals noch in Gera existierenden vier Tageszeitungen mit eigenem Lokalteil: Volkswacht, Thüringische Landeszeitung, Thüringer Neueste Nachrichten und Thüringer Tageblatt. Als Autor war er gleichfalls bei Berliner Zeitungen begehrt, so von der Wochenpost, der Nationalzeitung und der BZ am Abend. Und das alles ohne Fax, Telex oder gar Internet! Redakteure hat er manchmal lange bis zur Manuskriptabgabe warten lassen und so auf die Palme gebracht. Aber niemand konnte „Skribifax” böse sein. Unter diesem Pseudonym veröffentliche er humorvoll kritische Randbemerkungen in den TNN. Das hat ihm nicht nur Freunde eingebrockt.

Wenn man heute an Heinz Gerisch erinnert, dann kann und muss man ihm bestätigen, dass er sich um Gera verdient gemacht hat.

( Reinhard Schubert, 10.12.2016 )

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