Partner

gebr_frank.jpg
verlag_dr_frank_gmbh.jpg
onicom.de.jpg
gera.jpg
RPG_Logo_1.jpg


Hinweise

acrobat_reader.jpg

Button_E_paper.png

Schlagzeilen der Woche

zurück

Wenn es brennt, was dann?

Es ist in Gera nichts Neues, dass an allen Ecken und Enden gespart werden muss. Aktuell laufen die Diskussionen um den neuen Brandschutzbedarfsplan 2017 bis 2021 heiß. Auch im Brand- und Katastrophenschutz sollen Stellen eingespart, Personal abgebaut und Arbeitszeiten optimiert werden. „Wir müssen das Personal halten, da wir nur eine Mindestbesetzung aufweisen. Eine Unterschreitung dieser Funktionsstärken wäre nicht rechtskonform”, erklärt Axel Schuh, Fachdienstleiter Brand- und Katastrophenschutz.

Doch kurz ein Blick zurück: Ziel des Brandschutzbedarfsplans von 2011 bis 2016 war es, die Zahl der Mitarbeiter im Führungsdienst, in der Verwaltung, im Katastrophenschutz, dem vorbeugenden Gefahrenschutz sowie der Aus- und Fortbildung um zwei Stellen zu verringern, sowie das Personal im Brandschutzdienst von 78 auf 70 durch Erhöhung der Anwesenheitswochen von derzeit 37,9 auf 40 Wochen durch eine Absenkung von drei Funktionsstellen von freitags 19 Uhr bis sonntags 19 Uhr. Damit verringere sich der Gesamtpersonalbestand auch unter Einbeziehung der Stellen für die zentrale Leitstelle und die Aufgaben im Rettungsdienst auf 126.

Zeitgleich sah der Bedarfsplan 2011 bis 2016 vor, dass Leistungen der Berufsfeuerwehr (BF) von der Freiwilligen Feuerwehr (FF) übernommen werden sollten. „Man nennt es Rendevouz-Prinzip und dies sagt aus, dass die Freiwillige Feuerwehr den Sicherheitstrupp bereitstellen solle”, erklärt Axel Schuh und weist zeitgleich darauf hin, dass die FF den Sicherheitstrupp nicht gewährleisten kann, da dieser von Anfang an mit am Einsatzort vorgehalten werden muss.

Heute, 2016, zählen 130 Mitarbeiter in den Bereich Brand- und Katastrophenschutz. Im Jahr 2013 konnten zwei Stellen von den bereits 2011 geplanten abgebaut werden, 2014 wurden vier neue Planstellen notwendig, darunter auch Ausbilderstellen und der Fahrer der Oberbürgermeisterin, den der genannte Fachdienst 2600 stellt.

Zum Problem selbst: Mit dem aktuellen Personalstamm und den dadurch zu besetzenden Funktionen könne nicht mehr eingespart werden, um den Brand- und Katastrophenschutz sicherzustellen. „Die Alarm- und Ausrückeordnung sieht vor, dass innerhalb der ersten Hilfsfrist die Feuerwehr in 9,5 Minuten am Einsatzort sein muss. Dies schafft in der Regel nur die Berufsfeuerwehr. Innerhalb der zweiten Hilfsfrist von 14,5 Minuten muss eine Ergänzungsstaffel mit sechs Feuerwehrangehörigen vor Ort sein. Dies können die Freiwilligen Wehren leisten”, erklärt der Fachdienstleiter. Im noch vorliegenden amtierenden Bedarfsplan sah man vor, dass der Sicherheitstrupp der innerhalb der ersten 9,5 Minuten mit vor Ort sein muss, von den FF gestellt werde. „Das können wir nicht sicherstellen. Ein Sicherheitstrupp muss von Anfang an vor Ort sein. Solange der Sicherheitstrupp nicht verfügbar ist, darf theoretisch nicht agiert werden, so sehen es die Dienstvorschriften vor. Wir hatten relativ großes Glück, dass nie etwas passiert ist. Arbeitet die Berufsfeuerwehr ohne Sicherheitstrupp und es kommt jemand zu Schaden, dann haftet der Fachdienstleiter”, erklärt Dirk Kortus von der Freiwilligen Feuerwehr Mitte. „Den Sicherheitstrupp braucht es, wenn ich nur mit Atemschutz das Gebäude betreten kann”, fügt Axel Schuh hinzu. „Die Freiwillige Feuerwehr ist uns ein verlässlicher und essentieller Partner, doch können sie eben nicht die 9,5 Minuten halten. Daher muss die Berufsfeuerwehr die ersten zehn Funktionen in dieser Zeit sicherstellen können, bevor nach 14,5 Minuten die FF unterstützend zum Einsatz kommt. Natürlich gab und gibt es auch immer wieder Fälle, in welchen die FF früher als die Berufsfeuerwehr am Einsatzort ist, schon allein aufgrund der geografischen Lage. Für diese Fälle haben wir im neuen Konzept eine Regelung. Der Staffelführer, der zuerst am Einsatzort eintrifft, übernimmt zunächst die Einsatzleitung”, erklärt Schuh. Früher soll es vor allem in dem Bereich zahlreiche Unstimmigkeiten gegeben haben. „Früher gab es mitunter Phasen, bei denen wir alarmiert und dann mitten auf der Einsatzfahrt wieder abbestellt wurden”, erzählt Andreas Lippold, Wehrführer der FW Liebschwitz. „Gerade die Kameraden der Freiwilligen Wehren wollen nicht nur parat stehen, sondern auch tatsächlich im Einsatz sein”, so Lippold. „Zwei bis drei Jahre verbringen die Freiwilligen mit ihrer Ausbildung, bevor sie aktiv werden können. Es ist ihre Motivation, sich überhaupt in ihrer Freizeit dieser Aufgabe zu widmen”, fügt Dirk Kortus hinzu.

„Aus diesem Grund war es für mich auch selbstverständlich und notwendig, dass die Freiwilligen Feuerwehren im Erarbeiten des aktuellen Brandschutzbedarfsplan einbezogen werden”, erklärt Axel Schuh. Gerüchte, betreffend Querelen in den eigene Reihen, können von den Beteiligten der BF und FF nicht nachvollzogen werden. So wurden Stimmen laut, dass gerade die notwendigen Freiwilligen Feuerwehren an der Erarbeitung der Bedarfsplanung nicht beteiligt wurden. „Wir wollen an der Entwicklung beteiligt sein, da müssen wir wissen, wie wir eingeplant werden”, so Lippold. Thomas Geiger von der Freiwilligen Feuerwehr Aga bemerkt, dass gerade Aga viele Einsätze ohne Berufsfeuerwehr aufgrund der Geografie fährt. „Für die Erarbeitung war es wesentlich, dass wir uns beteiligen. Wir kennen die jeweiligen Ortslagen und Gefahrenzonen. Außerdem bin ich der Meinung, dass viele Köpfe auch viel bringen.” Insgesamt haben die Wehrleiter der elf Freiwilligen Feuerwehren gemeinsam mit Axel Schuh in sechs Monaten den Brandschutzbedarfsplan mit den zahlreichen Anlagen erarbeitet. Andreas Lippold, Dirk Kortus und Thomas Geiger dementieren die Gerüchte betreffend der Nichtbeteiligung. „Wir wollen, dass der Zank aufhört. Aus unseren eigenen Reihen kommt das nicht. Diese Gerüchte sind kontraproduktiv und der Sache nicht dienlich”, bringt es Kortus auf den Punkt.

Wesentliche Merkmale des Brandschutzbedarfsplanes sind die Risikobewertung, das Löschzugkonzept, die Alarm- und Ausrückeordnung und die Standardeinsatzregeln. Hier werden aufgrund der Hilfsfristen, der Risikoklassen und der Ausrückebereiche die benötigten Funktionen ermittelt. Die Funktionen, welche an 365 Tagen und 24 Stunden/Tag zu besetzen sind, bilden die Grundlage für den Personalbedarf. Um diesen zu ermitteln, sind die Anwesenheitswochen und damit die Krankenquote aufgrund des hohen Durchschnittsalters eine wesentliche Größe. Auch hier gibt es Abweichungen zur Planung 2011. „Aktuell benötigen wir 132,5 Planstellen, wir sehen aber mittelfristig einen geringfügig sinkenden Bedarf auf 130 Planstellen“, so Axel Schuh. „Wenn wir die angestrebten 40 Anwesenheitswochen erreichen sollen, dann müssen die pensionierten Kollegen konsequent und zeitnah ersetzt werden, um den Altersdurchschnitt zu senken. Dies hätte einen günstigen Einfluss auf die Krankenquote und damit wiederum auf die Anwesenheitswochen. Dabei sind Funktionen und Mitarbeiter nicht das Gleiche. Eine Funktion ist ein (Arbeits-)Platz welcher an 24 Stunden/Tag und 365 Tagen im Jahr besetzt werden muss, damit die Fahrzeuge einsatzbereit sind. Hierbei ergibt sich ein Faktor in Abhängigkeit der Anwesenheitswochen. Eine Funktion braucht 4,56 Planstellen (heißt Mitarbeiter) bei 40 Anwesenheitswochen. „Unsere Kollegen, die Einsätze fahren, absolvieren im Durchschnitt 48 Stunden pro Woche. Aufgrund Urlaub, Fortbildung und Krankheit ist ein Beamter rund 40 Wochen im Jahr für die Einsatztätigkeit verfügbar.”

Im neuen Brandschutzbedarfsplan beschreibt Axel Schuh einen notwendigen Mehrbedarf von drei Funktionen nachts und am Wochenende. „Zeitgleich haben wir aber auch drei Funktionen am Tag eingespart.” Neu im Bedarfsplan sind der Führungsassistent, der Sicherheitstruppmann und der Drehleiterführer. „Der Führungsassistent ist notwendig, um Kontakt vom Einsatzort zur Leitstelle zu halten. Der Sicherheitstruppmann sieht der Gesetzgeber vor, da ein Atemschutzeinsatz nur in Staffelstärke, also sechs Personen, durchzuführen ist. Dieser Sicherheitstruppmann hat bisher immer gefehlt. Bisher hatten wir nur einen Fahrer für das Drehleiterfahrzeug. Der Drehleiterführer ist notwendig, da ein solches Fahrzeug nur von zwei Personen bedient werden kann. Während der Kamerad unten die Drehleiter bedient, ist der zweite im Korb und hilft den Betroffenen bei der Rettung.”

Nicht außer Acht gelassen werden sollte, laut dem Fachdienstleiter, dass in den nächsten zehn Jahren 68 Pensionierungen anstehen, das ist mehr als die Hälfte des Gesamtpersonals und aktuell auch zehn Kollegen einsatzuntauglich sind, dass heißt sie sind dem Fachdienst zugeordnet, können aber nicht im Löschzug eingesetzt werden.  

( Fanny Zölsmann, 08.10.2016 )

zurück