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Kein ausreichender politischer Wille

Aktuell ist das Bauvorhaben „Teufelskurve”. Hier wird nicht nur die Lücke des neu entstandenen Radweges Richtung Dürenebersdorf und Weißig zum vorhandenen Radweg entlang der B2 geschlossen sondern auch zeitgleich die Verkehrsführung geändert. Einmal im Jahr lädt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Kreisverband Gera mit der Arbeitsgruppe Radverkehr der Stadtverwaltung zu einer Tour durch Gera ein. Hier werden aktuelle Bauvorhaben, Problemlagen und die Nutzbarkeit der Radwege ermittelt. Eingeladen waren auch Bürger und Kommunalpolitiker.

Neues Gera sprach mit Friedrich Franke, verkehrspolitischer Sprecher des Kreisverbandes und ADFC-Landesvorsitzender. Was ist denn auf Ihrer 15-Kilometer langen Radtour durch Gera herausgekommen?

Pauschal etwas schwierig zu beantworten. Wir haben Abschnitte besichtigt, auf denen in absehbarer Zeit bauliche Verbesserungen für den Radverkehr zu erwarten sind. So wird etwa eine Verbreiterung des Wegs am Elsterufer parallel zur Straße Am Gries in Untermhaus möglich sein. Der Kirchsteig zwischen Thieschitz und Rubitz wird befestigt ausgebaut werden als ein Abschnitt der Verbindung zwischen dem Elsterradweg und dem in Töppeln beginnenden Radweg in Richtung Hermsdorf. Andererseits stellten wir fest, dass in der letzten Zeit Radwege nicht unbedingt dort gebaut worden sind, wo Bedarf besteht sondern eher dort, wo die Stadt keine eigenen oder kaum eigene Geldmittel einsetzen musste. Fast fertig gestellt ist der Radweg von der Teufelskurve über Dürrenebersdorf nach Weißig, der aber in stadtauswärtiger Richtung für Radfahrer ohne Motorunterstützung kaum attraktiv ist. Zwischen Scheubengrobsdorf und Frankenthal dagegen wurde ein weitgehend durchgeplanter und sogar finanzierter Rad- und Fußweg nicht gebaut, weil die Stadt sich nicht gegen Grundstückseigentümer durchsetzte. Es ist in der Stadt Gera für die Förderung des Radverkehrs kein ausreichender politischer Wille vorhanden, was allerdings durchaus auch den Vorstellungen der Mehrheit der Bevölkerung entsprechen kann.

Wo gibt es Bedarf?

Mehrere Abschnitte, die nach dem Verkehrsentwicklungsplan der Stadt bis 2010 gebaut sein sollten, stehen nach wie vor aus. Teilweise sind sie durch Straßenbaumaßnahmen sogar unmöglich gemacht worden. Etwa eine Verbindung zwischen Bieblach-Ost und Trebnitz wird es langfristig ebenso wenig geben wie eine Verbesserung der Nutzbarkeit der Wiesestraße für Radfahrer, die in der beschlossenen Planung für deren Umbau nicht ansatzweise enthalten ist. Von den 15 Maßnahmen, die bis 2015 realisiert sein sollten, ist bis auf den Radweg nach Dürrenebersdorf und Weißig überhaupt nichts umgesetzt, z.B. Dornaer Straße, Gagarinstraße, von Pforten nach Zwötzen, Lückenschlüsse an der Reichsstraße oder in Lusan.Vielmehr sind Straßenabschnitte, für die man bei der Erstellung des Verkehrsentwicklungsplans noch davon ausging, es gebe bereits eine Lösung für den Radverkehr, wieder neu zum Problem geworden und nicht einmal in Programmen verankert - etwa die Berliner Straße stadteinwärts, wo die Gehwegbenutzung inzwischen ebenso verboten ist wie die Nutzung des Gleiskörpers durch Radfahrer, oder in der De-Smit-Straße, wo in Folge von Veränderungen des Straßenverkehrsrechts die Nutzung der in Fahrtrichtung links liegenden Seitenräume nicht mehr möglich ist. Im Bestand ausgewiesen sind auch Strecken, die für Radfahrer, die nicht zum Vergnügen unterwegs sind, nicht wirklich geeignet sind, weil etwa Schrittgeschwindigkeit vorgeschrieben ist, und es für normale Radfahrergeschwindigkeiten eben keinerlei geeignetes Angebot gibt.

Wo sieht der Radweg gut aus?

Der Radweg nach Weißig wird nach seiner Fertigstellung schon gut aussehen, ist bloß so steil, dass eben die Nutzbarkeit eingeschränkt sein wird. Recht gute Lösungen aus den letzten Jahren gibt es entlang der Thüringer Straße oder an de Ronneburger Straße bis zur Beerweinschenke.

Die Einschränkungen für den Radverkehr auf der Sorge wurden ja vorerst eingestellt. Wie bewerten Sie das?

Der ADFC erwartet praktisch keine Veränderung des Verkehrsgeschehens, da schon bisher das Verbot kaum beachtet wurde. In jedem Fall gilt in der Fußgängerzone auch bei Zulassung des Radverkehrs, dass alle Verkehrsteilnehmer ihre Geschwindigkeit an den Fußgängern auszurichten haben - also Schrittgeschwindigkeit. Das gilt übrigens auch für den Lieferverkehr, der sich daran auch nicht zu halten pflegt. Ich bin bisher in der Geraer Fußgängerzone noch nicht von einem Radfahrer, aber von einem rückwärtsfahrenden Lieferwagen angefahren worden. Es wäre auch etwas inkonsequent, die Kirchstraßen und den Markt zunehmend für den Autoverkehr und zum Parken zu öffnen, Radfahrern aber selbst heute noch die Sorge zu verbieten.

Wo steht Gera im Vergleich zu Fahrradstädten wie z.B. Halle?

Schlecht. Der Anteil des Fahrrads an den in der Stadt zurückgelegten Wegen hat sich seit 1990 zwar verdoppelt, verharrt aber seit einigen Jahren auf einem Niveau von vier bis fünf Prozent, das im Verhältnis zum bei etwa 10 Prozent liegenden Bundesdurchschnitt – und erst recht zu „Fahrradstädten“ – nur als erbärmlich bezeichnet werden kann. Aus Sicht des ADFC gilt durchaus die Aussage, dass Angebot auch Nachfrage schafft, d.h. das geeignete Verkehrswege für Radfahrer und ein Klima der Akzeptanz der Verkehrsteilnehmer untereinander auch mehr Menschen zum Umstieg auf das Fahrrad veranlassen können. Für beides fehlt es aber in Gera bisher am Willen, offenbar sowohl in der Kommunalpolitik wie in der Bevölkerung. Das Argument leerer Kassen gilt nur begrenzt. Der Stadtrat scheint nicht in der Lage zu sein zu erkennen, dass es z.B. im Sozialbereich zwar eine Menge Pflichtaufgaben gibt, diese es aber nur dem Grunde nach sind, während der Umfang und damit die Höhe der nötigen Mittel schon der Freiwilligkeit unterliegt. Der Verkehrsbereich hat in der Stadt offenbar die schwächere Lobby.

Interview: Fanny Zölsmann

( 23.07.2016 )

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