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Spannungsfeld der Finanzen

Die Kultur zählt zu den sogenannten freiwilligen Leistungen, und die haben es nicht nur in Gera schwer. Die Landeshauptstadt Erfurt streicht, Medienberichten zufolge, in diesem Jahr in ihren Museen die Sonderausstellungen und damit einen wichtigen Grund, überhaupt ein Museum zu besuchen. Und in Weimar steht möglicherweise das Kunstfest vor dem Aus, weil die Stadt nicht weiß, wie sie den Zuschuss aufbringen soll. Ob Gera die Kultur kaputtspart, das wollte das „geraer wochenmagazin“ von den Stadtratsfraktionen und der Oberbürgermeisterin wissen.

Die Linksfraktion bemerkt dazu: Nachdem in den letzten Jahren nicht nur kurzzeitig die Schließung der städtischen Museen angeordnet wurde - deutschlandweit kommentiert mit Schlagzeilen wie „Gera spart sich die Museen“ - sondern auch immer wieder Kürzungen der Zuschüsse an Vereine und Organisatoren verschiedener Veranstaltungen erfolgten, stelle sich die Frage, ob die Kultur überhaupt noch kaputter gespart werden kann. Aktuell stehe die Halbierung des Zuschusses der Stadt Gera zur „Höhler-Biennale“ zur Diskussion, was die geringe Wertschätzung der Stadtspitze für das deutschlandweit anerkannte Installationskunstfestival ausdrücke. „Dabei wäre es gerade jetzt wichtig, mit positiven Signalen und einem starken Konzept wie der Höhler-Biennale positiv nach außen zu wirken“, erklärt Nina Wunderlich, die DIE LINKE im Kulturausschuss vertritt. „Leider wird stattdessen zum Beispiel durch die Abschaffung des Fachdienstes Kultur deutlich, dass für die Stadtspitze die Themen Kunst und Kultur überhaupt keine Rolle spielen!“

Die Kultur dürfe man nicht kaputtmachen, aber man müsse mit kommunalen Zuschüssen sparen. „Kultur ist ein wichtiger Standortfaktor für die Attraktivität des Oberzentrums Gera, dessen Qualität es zu erhalten gilt. Aber jeder Cent für die Kultur muss erst erarbeitet werden, bevor er ausgegeben wird“, so Kerstin Pudig, Fraktionsvorsitzende der Liberalen Allianz. Die vielfältigen städtischen und privaten Kulturangebote seien ein wesentlicher Imagefaktor, sie seien nicht nur Freizeitvergnügen, sondern auch Bildungsquelle und stellen so einen wichtigen Anreiz für Menschen dar, die wir als Neubürger gewinnen wollen.

Neben den städtischen Angeboten präsentieren sich viele Geraer Vereine und Initiativen mit ihren Kulturangeboten, denen es oft an der geringsten Unterstützung mangele. Aus Sicht der Fraktion Liberale Allianz könne nur ein Gesamtkonzept Grundlage für eine zukünftig abwechslungsreiche, interessante, effiziente Kultur- und Museumslandschaft in unserer Stadt sein, das auch die stadtbildprägenden Baudenkmale berücksichtigt. Es müsse Lösungen aufzeigen, das Kulturangebot attraktiv zu erhalten ohne die Stadt Gera finanziell immer stärker zu belasten.

„Hier muss die Diskussion um den sogenannten Kulturlastenausgleich zielführend beendet werden, indem zukünftig alle Landkreise an der Finanzierung der Theater und Museen gleichermaßen beteiligt werden“, sagt Prof. Dr. Thomas Weil, Vorsitzende des Ausschusses für Bildung, Kultur und Sport.

„Kultur ist mehr als Kunst“, erinnert Dr. Harald Frank an das Kommunalwahlprogramm 2009 der Geraer FDP. „Kultur ist auch Essen, Reden, Verhalten, Sprache, Tradition, Werte ...

Sprachkultur ist mehr als Sprechkunst. Eine Künstlerkolonie ist noch keine Kulturnation. Esskultur ist mehr als Kochkunst. Ein Überlebenskünstler ist nicht die Soziokultur“, reflektiert der heutige Fraktionsvorsitzende der Bürgerschaft Gera. Und fragt: Was meint „kaputtsparen“? Wie bei der Straßenunterhaltung, wenn unterlassene Reparaturen in den totalen Verfall oder die extrem teure Generalsanierung münden? Ist das Unwort „kaputtsparen“ die Floskel derer, die durch Streichen der Subventionen ihre Existenzgrundlage verlieren?

Oder ist „kaputtsparen“ das Beerdigen laufender „Institutionen“, wie die Gera-Information des Tourismus-Vereines? Kunst sei nicht nur ein Kostenfaktor, sondern zieht Menschen an, begeistert sie, schafft Atmosphäre, ist Leben. Gera als Stadt der Höhler braucht die Höhler-Biennale. „Wir schaffen das! Wenn wir sagen, was wir meinen“, betont Dr. Frank.

Tatsache ist: Die Stadt Gera stellt in diesem Jahr 12,7 Millionen Euro für die Kultur bereit. Das ist angesichts der Haushaltsituation eine beachtliche Größenordnung. Und das ist längst nicht alles. „Unsere Stadt verfügt über eine reiche Kulturlandschaft mit dem einzigen Fünf-Sparten-Theater in Thüringen, für das wir gerade in den Finanzverhandlungen mit dem Land kämpfen, über Museen, eine große Bibliothek, die Musikschule, wertvolle Bauarchitektur... Dass Bürger privates Geld und viel Idealismus für die Kultur aufbringen, zeugt von ihrer Verbundenheit mit unserer Stadt. Ich denke da beispielsweise an die Fete de la Musique, an das Engagement der Fördervereine der Museen oder an die druckfrische Kulturbroschüre, die das KulturnetzGera mit Unterstützung von Sponsoren herausgebracht hat“, betont Oberbürgermeisterin Dr. Viola Hahn. Gebot für die Stadtverwaltung sei, mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen das Beste zu erreichen. Wenn wesentliche Teile des Kulturbereiches seit Jahresbeginn unter dem Dach des neuen Fachdienstes Presse, Marketing, Kultur und Sport sind, dann geht es um Effizienzsteigerung – und nicht um das Türschild am Büro. „Dass grundsätzlich über die Kulturfinanzierung in Thüringen und Deutschland nachgedacht werden muss, zeigen Beispiele aus anderen Städten“, gibt Dr. Hahn zu bedenken.   

( Gera (gw), 04.06.2016 )

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