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Kultureller Kahlschlag?

Ein abgewetzter Koffer, darauf ein Schild "Ausreise" Ausrufezeichen, Fragezeichen. Der Geraer Photograph Ulrich Fischer stellte ihn provokativ auf den Tresen im Foyer des Kleinen Theaters im Zentrum. Hier hatten sich die Fördervereine für Kunst und Kultur, der Kinder- und Jugendeinrichtungen und freie Künstler zusammengefunden, um in einer Pressekonferenz nachhaltig ihren Unwillen und ihre Empörung über geplanten Schließungen mehrerer Kultureinrichtung zum Ausdruck zu bringen. Bereits am Abend zu-vor hatten die Verbände mobil gemacht, um sich in einer Presseerklärung zu artikulieren.
Dr. Gabriele Helfrich vom Vorstand des Vereins Freunde des Ferberschen Hauses machte darauf aufmerksam, dass die Stadt durch die drastischen Streichungen den kulturelle Tätigen, ob städtische Einrichtungen oder Vereinen, die von den Zuwendungen der Stadt abhängig sind, jegliche Art von Gestaltungsmöglichkeit nimmt. Damit schleiche sich die Stadt aus der Verantwortung gegenüber ihren Bürgern, die von ihrer Heimatstadt auch das Bemühen um ein niveauvolles, attraktives und vielseitiges kulturelles Angebot er-warten können. Geplant seien die Schließungen des Museums für Angewandte Kunst, der Freizeitclub, das Freizeitzentrum Nord, das Kultur- und Freizeitzentrum Jo Jo und vier Stadtteilbibliotheken. "Gegen das auch rechtlich bedenkliche Ansinnen dieser Schließungen erheben wir schärfsten Protest", sagte Frau Helfrich.
Alle Vereine sind sich einige, dass durch die Ansetzung des Rotstiftes und das Auseinanderklaffen von Anspruch und Wirklichkeit die Glaubwürdigkeit Geras in Frage stellt. Auf der einen Seite wolle man den Thüringentag und die Bundesgartenschau ausrichten, auf der anderen Seite hole man zum kulturellen Kahlschlag aus. Ein angemessener und auch notwendiger Beitrag der Künstler und Kulturorganisationen Geras sei dann wohl illusorisch, ist sich Dr. Helfrich sicher. Dabei verkenne man nicht die enormen finanziellen Belastungen, die der Stadt, wie allen Kommunen, durch die Aufgabenübertragung von Bund und Land erwachsen, wie auch aus dem Bevölkerungsschwund und den Ausfall von Gewerbesteuern er-wachsen. Dennoch "fordern wir von den Mitgliedern des Geraer Stadtrates die Ablehnung dieses Teils im Haushaltsplanentwurf 2001/2002" heißt es in der Presseerklärung, "und dessen Neuaufstellung dergestalt, dass eine konstruktive zukunftsorientierte Kulturarbeit wieder möglich ist". Das Gremium forderte eine konsequente Umsetzung des Stadtleitbildes. Dr. Helfrich schlug die Errichtung eines runden Tisches "Kultur" vor, an dem neben den Kulturinstitutionen, Vereinen und Fördervereinen, der Kulturamtsleiter, der Vorsitzende des Kultur-, Bildungs- und Sportausschusses, Künstler und Bürger gemeinsam mit Vertretern der Wirtschaft und Bildung nach Wegen für ein zukunftsorientierte Kulturkonzept suchen sollen.

( NG/hs, 17.02.2001 )

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