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Authentisch und persönlich

Eigentlich wollte Dieter Müller kein Buch veröffentlichen. Auch mit dem Schreiben hat es gedauert. Im Dezember 1989 organisierte er für Geras Partnerstadt Timisoara einen Hilfstransport mit Lebensmitteln und Verbandsmaterial. Die Fahrt wurde zum Abenteuer. Hautnah erlebte er den Umbruch eines Landes, das trotz Revolution noch unter der Allmacht der Securitate stand. Jahre später war dieses Erlebnis immer noch so prägend, dass es Auslöser für das eigene Schreiben wurde.

Nachzulesen ist die Timisoara-Geschichte in der Episode 35 des Buches „Angekommen“. Der Untertitel lautet: Erlebnisse, Erfahrungen, Erinnerungen. Dieses sehr authentisch, im Berichts- und Reportagestil geschriebene Buch hat der Geraer Verleger Erhard Lemm kürzlich herausgebracht. Für den Autor Dieter Müller ist es ein besonderes Debüt.

Am Anfang stand die Idee, das eigene Leben zu dokumentieren, besonders für die eigenen Nachkommen. Seit 2000 wuchs das Manuskript. Nach 15 Jahren waren es 500 einzeilig beschriebene DIN-A4 Seiten. Kürzen um über die Hälfte war angesagt. „Das hat mich 2015 länger beschäftigt“, sagt der Autor. Schließlich wurden daraus 248 Buchseiten, mit zahlreichen Fotos, verschiedenen Abbildungen und Briefen angefüllt.

„Angekommen“ ist nicht nur wie schon erwähnt ein authentisches Buch, sondern auch ein sehr persönliches. Am Anfang steht die Erfahrung eines Verlustes, die eigentlich der wesentliche Antrieb beim Schreiben war. Dieter Müller, am 8. Mai 1942 in Greiz geboren, erlebte ein Kriegskindheit. Seinen Vater hat er nie kennenlernen können. Der sah seinen Sohn nur kurz beim Heimaturlaub. Im August 1943 kam der Sanitätsunteroffizier Werner Müller in der Ukraine, in der Nähe von Krasny Lutsch, östlich von Donezk, ums Leben.

Diesem unbekannten Vater konnte sich der Sohn erst nach über 70 Jahren, 2014, im September, bei einem Besuch in Rostow am Don, Partnerstadt von Gera, nähern. Dieser Besuch war mit der Übergabe eines besonderen Geraer Gastgeschenkes, eines Kunstwerkes, verbunden. Nachlesen lässt sich diese Geschichte als Episode 75 am Ende des Buches. Dieter Müller verknüpft in den 76 Episoden Privates, Historisches und Politisches mit Fakten. Er berichtet ohne Pathos über seinen Lebensweg in der DDR, der typisch für dieses Land war: Lehrzeit, SED, NVA, Fernstudium, Dipl.-Wirtsch.-Ing., Dipl.-Ing. - und von da an in leitenden Funktionen beim Straßenbau in Gera und beim VEB SBTK. Nicht immer machte er sich da mit seinen Entscheidungen und Einstellungen Freunde, wie in der Episode 29, „Ob ich für den Frieden sei...?“ zu erfahren ist.

Er hat die meiste Zeit seines Lebens in der DDR gelebt und gehörte im Umbruch 1990 zu den wenigen Fachleuten, die vom Osten in den Westen gingen, um dort als Berater „den Unternehmern zu erklären, wie die Marktwirtschaft funktioniert“. Das gelang ihm erfolgreich.

„Angekommen“ erzählt auch Geschichten über Gera, aber auch Geschichten über das Reisen. Dieter Müller, heute 74, zog es stets in die Ferne, auf Trekkingtour bis in den Himalaja. Weitere Reiseziele waren Sinai, Cabo Verde und die Zugspitze. Als Rentner kann man ihn sich gar nicht vorstellen. Noch immer ist er voller Tatendrang, ein Thüringer, der auch in seinen Texten immer wieder an die einstige Bedeutung Geras als Industrie- und Wirtschaftsstandort erinnert. Grundlage für eine gute Zukunft meint er „sind tragfähige Geschäftsideen und mutige Existenzgründer“. In diesem Sinne liest sich „Angekommen“ als längst noch nicht fertige Bilanz eines aktiven, engagierten Lebens.

Dieter Müller präsentiert sein Buch „Angekommen: Erlebnisse, Erfahrungen, Erinnerungen“ am Dienstag, 7. Juni, 17 Uhr, in der Bibliothek am Puschkinplatz. 

( Annerose Kirchner, 28.05.2016 )

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