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„Nur wer sich ständig verändert, wird bleiben“

Wie oft musste die Redewendung von den „zwei Seiten einer Medaille“ wohl schon herhalten. Auf der Festveranstaltung „25 Jahre OTEGAU“ hat es keiner so angesprochen und doch wohl so gemeint, denn feiern lassen konnte sich eine Arbeitsförder- und Berufsbildungseinrichtung, die es, ginge es nach ihren Initiatoren, eigentlich schon gar nicht mehr geben sollte. Selbst die heutige Geschäftsführerin Roswitha Schmeller hat es sich nicht vorstellen können, dass sie einmal an das Rednerpult treten wird, um Rückschau auf ein Vierteljahrhundert OTEGAU Ostthüringer Entwicklungsgesellschaft mbH Arbeit und Umwelt zu halten.

Als arbeitsmarktpolitisches Dienstleistungsunternehmen, am 16. Mai 1991 im damaligen Bergarbeiterklubhaus an der Heinrichstraße in Gera gegründet, lag der Anspruch darauf, allen erwerbstätigen Menschen mit ihrer Hände Arbeit ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Ein Anspruch, der eher als eine heroische Herausforderung zu sehen war, angesichts von über 14.000 zu erwartenden Arbeitslosen im Sommer 1991.

Bereits im August 1991 konnten die ersten 19 Arbeitnehmer im Rahmen des Projekts „ABM für ABM“ ihre Tätigkeit aufnehmen. Es folgte der Aufbau von Außenstellen und im September begannen sieben Forschungsprojekte mit 82 Teilnehmern sowie erste ABM im Umweltschutz mit elf Teilnehmern. 1993 konnten dann die ersten ABM-Mitarbeiter in rein unbefristete Arbeitsverhältnisse überführt werden.

Nicht immer war man dem Anliegen der OTEGAU wohlgesinnt, erinnert sich Roswitha Schmeller, die 1992, nach dem Ausscheiden von Helga Färber, zur neuen Geschäftsführerin bestellt wurde.

Über zu wenig Arbeit konnten sich die OTEGAU-Mitarbeiter zu keiner Zeit beschweren und daran wird sich wohl auch künftig nichts ändern. Darin waren sich neben der Festrednerin auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow, Geras Oberbürgermeisterin, Dr. Viola Hahn und Kay Seines, Vorsitzender Geschäftsführer der Bundesagentur für Arbeit Sachsenanhalt – Thüringen, einig.

Was zeitlich begrenzt gedacht war, ist inzwischen zu einer Dauereinrichtung mit weiterführender Perspektive geworden. Über 20.000 Teilnehmer wurden seit dem Bestehen der OTEGAU 1991 in Maßnahmen beschäftigt. Ein Indiz für das erfolgreiche Bemühen und die Flexibilität der OTEGAU bei der Realisierung von bedarfsgerechten Projekten zur Verbesserung der Arbeitsmarktsituation und Berufsförderung von benachteiligten Zielgruppen. Mit durchschnittlich 500 bis 1.000 Projektteilnehmern jährlich kann sich die OTEGAU zu den größten und innovativsten Trägern der Arbeitsförderung und Berufsbildung in Thüringen zählen.

Dabei ging es der OTEGAU nicht nur um Entkernung und Rückbau verschiedener Bauwerke. So wurden beispielsweise vier veraltete Gehöfte umgebaut, die vom Unternehmen selbst oder als SOS-Kinderdorf genutzt werden. Als das Damoklesschwert der Schließung über dem Schullandheim „Junge Touristen“ in Gera-Lusan schwebte, war es die OTEGAU, die sich der Einrichtung „Bildungsarbeit am anderen Lernort“ als Betreiber annahm. 

Wie sich zeigen sollte, eine weitsichtige Entscheidung mit Nachhaltigkeit. 2013 mit dem Gütesiegel „Anerkanntes Schullandheim des Landes Thüringen“ geehrt, konnte das Prädikat in diesem Jahr verteidigt werden.

Für Geras Oberbürgermeisterin war und ist die OTEGAU stets ein Chancengeber. Baut sie doch mit ihrer arbeitsmarkt- und bildungspolitischen Arbeit Brücken, damit Menschen, die in Langzeitarbeitslosigkeit geraten sind, den Weg ins Arbeitsleben zurückfinden, so die Rathauschefin. „Wir wollen den Menschen helfen, auf dem Arbeitsmarkt eine klare Perspektive zu finden, was letztlich auch eine Entlastung der Sozialkassen bedeutet und schlussendlich auch die Stadt Gera entlastet. Es kann nicht das Interesse der Gesellschaft sein, das Menschen dauerhaft abhängig werden von Sozialleistungen des Staates und der Kommune. Das ist eine zutiefst humanitäre Aufgabe. Arbeit ist ein hohes Gut und darf durch nichts entwertet werden“, so Dr. Viola Hahn.

Garant für die positive Entwicklung der OTEGAU ist unter anderem eine erfolgreiche Kooperation mit Partnern der Ostthüringer Wirtschaft aus Handwerk, Gewerbe, Dienstleistung, Kultur und Bildung, Sozial- und Gesundheitswirtschaft, die Kooperation mit der Industrie- und Handelskammer zu Ostthüringen, der Handwerkskammer für Ostthüringen und der Landwirtschaftskammer sowie den Leistungsträgern, um gemeinsam mit der Agentur für Arbeit Altenburg-Gera und dem Jobcenter Gera optimale Integrationsmöglichkeiten für Arbeitslose aller Zielgruppe zu schaffen. „Wir können mit Stolz auf das blicken, was wir erreicht haben“, sagte Bodo Ramelow, der sich noch aus seiner Zeit als Gewerkschaftler erinnert einer der Paten bei der Gründung der OTEGAU gewesen zu sein. Für ihn war und ist die OTEGAU stets ein erfahrener Initiator von zweckdienlichen Zusammenschlüssen in Entwicklungspartnerschaften, von Akteuren verschiedener Träger, Unternehmen, Zielgruppen und arbeitsmarktpolitischen Institutionen, die sich mit einer gemeinsamen Strategie aktiv gegen Diskriminierungen und Ungleichheit auf dem Arbeitsmarkt engagieren.

Kaskade, Jet, Jana, Altin, Urig, Juwel, Faks, Navi – so kreativ man bei der OTEGAU für Namen von Projekten ist, so kreativ sei man auch darin, wie man mit effektiven Maßnahmen auf die sich stets ändernden Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt reagiert, sagte Bodo Ramelow, der der OTEGAU ins Stammbuch schreibt: „Nur wer sich ständig verändert, wird bleiben.“ Und das hat man bei der OTEGAU unter der Führung von Geschäftsführerin Roswitha Schmeller bisher bestens verstanden. Doch Führen ist nicht alles, so sieht es zumindest die Geschäftsführerin, die sich bei allen ehemaligen und jetzigen Mitarbeitern für ihr Engagement und ihre kreative Mitarbeit herzlich bedankte. Was sie all die Jahre stark gemacht, ja geeint hat, ist ein Leitspruch Sören Kierkegaards, den man sich seit der Gründung der OTEGAU zueigen gemacht hat: „Verstehen kann man das Leben nur rückwärts, Leben muss man es vorwärts.“ 

( Reinhard Schulze, 21.05.2016 )

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