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Verdienste um den Thüringer Boxsport

Jürgen Knips glaubt fest daran, dass Sport Kinder und Jugendliche davor bewahren kann, auf die schiefe Bahn zu geraten. „Der Sport ist die beste Möglichkeit, jungen Menschen Grenzen zu setzen“, sagt der heute 74-Jährige. „Sport lehre, dass es Regeln gebe, die beachtet werden müssten, und stärke gleichzeitig das Selbstvertrauen. Das habe er am eigenen Leib erfahren.“

Sport war und ist noch heute sein Leben. „Wenn man solange dabei ist, da kommt man nicht mehr los“, sagt er, während er in einer Mappe mit Zeitungsartikeln, Bildern und Wettkampfergebnissen blättert. Begonnen hat er 1953 mit Fußball, bis er sich 1960 für den Boxsport entschied. Bis 1969 kämpfte er aktiv im Seilquadrat und bis heute ist er als Trainer, Ausbilder und Betreuer von jungen Boxtalenten tätig.

Für sein außerordentliches Engagement wurde Jürgen Knips am 21. März mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik geehrt, welches ihm, im Auftrag des Bundespräsidenten, Joachim Gauck, von Bodo Ramelow, Ministerpräsident des Freistaates Thüringen, überreicht wurde.

Geboren am 19. Januar 1942 in Kirchscheidungen, versuchte sich Jürgen Knips in Burgscheidungen und Laucha in der Kunst des Kickens mit dem Ball, was ihn aber nicht so recht ausfüllte. Beindruckt vom Können eines Cassius Marcellus Clay (seit 1964 Muhammad Ali), der bei den Olympischen Spielen in Rom 1960 Gold holte, stand für ihn fest, dass ist die Sportart für mich. „Was mich damals motivierte: Cassius Clay war gerade mal zwei Tage älter als ich.“ Es bedurfte erst eines Motorrades, um die zehn Kilometer bis in die Boxhalle der BSG Empor Naumburg zurückzulegen. Gegen Ende seiner Lehre zum Landmaschinen- und Traktorenschlosser war es dann soweit. „Meine RT habe ich schon lange nicht mehr, aber viele schöne Erinnerungen“, so erinnert er sich.

Auch während seines Armeedienstes bei der Volksmarine blieb er dem Boxsport treu. Anfangs bei der ASG Kühlungsborn, hier traf er auch auf Ulli Wegner, später dann gemeinsam mit ihm beim ASK Rostock. Zwischen ihm und Ulli Wegner entwickelte sich eine enge Freundschaft. Am Anfang noch als Weggefährten, doch selbst, als sich danach ihre Wege trennten, riss der Kontakt nicht ab. Es war aber nicht nur das gemeinsam fighten, das die Freundschaft zwischen Jürgen Knips und Ulli Wegner immer fester schmiedete. Gemeinsam absolvierten sie den Meisterlehrgang und boxten sich später erfolgreich beim Sportstudium an der Sportschule in Bad Blankenburg durch.

Auf der Suche nach „etwas Attraktiverem“, wie Jürgen Knips sagt, sei man dann 1963 von der Küste nach Erfurt gewechselt. „Während eines Turniers in Budapest, trafen wir auf Günter Malek, der für die BSG Wismut Gera boxte. Er erzählte uns, wie es in Gera so läuft und machte uns so den Wechsel schmackhaft. Erst wechselt Ulli und ich begann am 13. Juni 1966 mit dem Training bei Hans Spazierer. Es sollte eine tolle Zeit werden“, so Jürgen Knips, der noch heute mit Begeisterung vom Mannschaftssieg über die favorisierten Teams aus Berlin, Frankfurt und Schwerin in der Saison 1969/70 schwärmt. Schon ein Jahr zuvor hatte er damit begonnen, als Trainer sein Wissen an die jüngere Boxgeneration weiterzugeben, anfangs gemeinsam mit Fritz Triller.

Seine spätere Wirkungsstätte wurde die BSG Wismut Ronneburg, wo er gemeinsam mit Alfred Wöckel das Training leitete und ab 1983 war er als Trainer im Trainingszentrum Boxen Ronneburg tätig. Nach dem gesellschaftlichen Wandel arbeitete Jürgen Knips zeitweilig bei der Wismut. Über zahlreiche Fördermaßnahmen war es möglich, dass er bis zu seiner Pensionierung dem Boxsport erhalten blieb und noch heute schnürt er die Handschuhe und hält die Tatzen.

Vielen seiner Schützlinge hat er den Weg zum Leistungszentrum der SG Wismut Gera gebahnt und auch nach der Wende waren es seine Jungs, die Boxgeschichte mit geschrieben haben. Mit Marcel Beyer, Drittplatzierter bei der Juniorenweltmeisterschaft in Havanna, schaffte es sogar eines seiner Talente bis in das Profilager.

Jürgen Knips war es auch, der sich große Verdienste bei der Gründung und erfolgreichen Entwicklung des Thüringer Box-Verbandes e.V. erworben hat. „Es war keine einfache, aber eine sehr lehrreiche Zeit“, sagt er rückblickend. Als Jugendwart war er Mitglied in der Deutschen Amateur-Box-Jugend. Der damalige Vorsitzende Peter Kienast war es, der, entgegen so mancher Besserwisserei der „Wessis“, gerade das Engagement und den eingebrachten Ideenreichtum von Jürgen Knips sehr hoch schätzte. Punkten konnte Jürgen Knips immer durch seine Ruhe und Sachlichkeit, auch in Situationen in denen es hoch her ging. In Situationen, in denen so mancher gern die Boxhandschuhe herausgeholt hätte, sorgte er dafür, dass die Boxhandschuhe dem Kampf im Ring vorbehalten blieben. Er ist kein großer Redner, aber seine Worte haben immer Gewicht und auch heute ist sein Rat gefragt.

Sein Ehrenamt als Präsident des Thüringer Box-Verbandes, von 2003 bis 2007, krönt der Meistertitel des Erfurters Michael Etzold, der wesentlich mit dazu beitrug, dass der TRV, als einer der kleinsten Landesverbände bei den Juniorenmeisterschaften in Magdeburg 2006 der erfolgreichste Landesverband wurde.

Dem Gegner im Ring mit Respekt begegnen, ihm in die Augen blicken und so gezielt Treffer setzen, sieht Jürgen Knips als die Taktik des Boxens. Eine viel größere Herausforderung sei es aber für ihn immer gewesen, sich im Ring zu bewegen und sich dabei möglichst nicht treffen zu lassen. Nicht immer sei dieses Rezept bei ihm aufgegangen. Seine Stärke als Rechtsausleger sei der Leberhaken gewesen. „Da stöhnen heute noch welche“, sagt er mit einem Lächeln.

In zwei Jahren wird es ein halbes Jahrhundert sein, dass Jürgen Knips als Trainer am Ring steht. Er ist seit 2012 Ehrenpräsident im Thüringer Boxsport-Verband und ist weiterhin ehramtlich im Vereinsvorstand des ASC Ronneburg tätig.

( Reinhard Schulze, 09.04.2016 )

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