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Seit 25 Jahren Domizil für Gewaltopfer

Am 1. März 1991 eröffnete der damalige Verein Hilfe für Frauen in Not e.V. das Frauenhaus in Gera. Insgesamt gab es zu dieser Zeit 27 derartige Häuser in Thüringen, doch die Zahl ist bis heute auf 13 geschrumpft. Dies liegt in keinem Fall daran, dass Gewalt gegen Frauen abgenommen hat, sondern wie so oft an den Kosten. So gibt es zwar eine Förderung vom Land, welche in Gera pro Jahr 51.900 Euro beträgt, aber diese Gelder sind meist an Vorgaben gebunden und reichen keinesfalls aus. So müssen die Kommunen einen großen Teil selbst tragen und hinzu kommt, dass sich viele Orte die Arbeit, die ein Frauenhaus mit sich bringt, gar nicht erst aufhalsen wollen. 365 Tage im Jahr und 24 Stunden am Tag ist das Geraer Domizil für Gewaltopfer erreichbar. „Wir sind froh, dass Gera trotz klammer Kassen an dem Haus und unserer Arbeit festhält. Es ist auch wichtig, denn die Zahlen zeigen, dass wir gebraucht werden. Leider wird das Thema aber noch immer totgeschwiegen und somit hört man auch wenig davon. Die Zahlen sind aber keinesfalls rückläufig. Leider!“, erklärt Uta Kühnhold, Leiterin des Frauenhauses. So betreute man im vergangenen Jahr 35 Frauen und 35 Kinder, im Jahr 2014 lagen die Zahlen wie 2015 und im Jahr 2013 lag man bei 45 Frauen und 37 Kindern, denen man Zuflucht und Hilfe im Haus gab.

Kühnhold selbst hat als Praktikantin im Haus angefangen und bewältigt den Alltag der Stelle jetzt gemeinsam mit Dorit Karbstein und Anja Präkelt. Eigentlich viel zu wenig Personal, denn die Aufgaben der drei Frauen beschränkt sich nicht nur auf das Zuflucht bieten, sondern beinhaltet auch die Beratung, Betreuung und Unterstützung der Frauen und Kinder, die ambulante Beratung, eine nachgehende Beratung, Präventionsarbeit, den 24-h-Notruf, Supervision, Fortbildungen und nicht zuletzt die Hausorganisation und Verwaltung. Eine Menge Arbeit doch alle drei sind mit Leib und Seele dabei. Zudem kann man auf ein gut ausgebautes Netzwerk in Gera zurückgreifen, so dass den Frauen bestmöglich geholfen werden kann. Wichtig ist dabei auch eine enge Zusammenarbeit und Kooperation mit medizinischen Einrichtungen. „Wenn etwas passiert gehen die Frauen in erster Linie zu einem Arzt oder werden von der Polizei in ein Krankenhaus gebracht um körperliche Blessuren verarzten zu lassen. Das Personal weiß aber oftmals nicht, wie man mit den geschädigten Frauen umgeht. Doch genau hier ist es wichtig, dass diese den Frauen Möglichkeiten aufzeigen, an wen sie sich wenden können“, erklärt Dorit Karbstein, Mitarbeiterin im Haus und Vorstand vom heutigen „Liberale e.V.“, dem Träger des Hauses. Mit dem SRH Waldklinikum hat man hier einen sehr guten Kooperationspartner gefunden, der mit dem Frauenhaus zusammen arbeitet, welches mit seinen zehn Plätzen nicht nur für Gera, sondern auch für den Saal-Holzland Kreis zuständig ist. „Die Opfer häuslicher Gewalt sehen sehr oft als erstes einen Arzt oder eine Schwester. In unserem Haus bieten wir daher seit drei Jahren einen Kurs an, in welchem das Personal den Umgang mit den Frauen lernt und ihnen aufzeigt, wo sie Hilfe und Unterstützung finden“, so Sigrid Pommer vom SRH Waldklinikum und ebenfalls Vorstand des „Liberale e.V.“.

Im März wird das Frauenhaus Gera 25 Jahre alt. Auch wenn man vielen Frauen weiterhelfen konnte und diese sich auch Jahre nach ihrem Neuanfang bei ihren Helfern melden, möchte man zu diesem Jubiläum keine Freudenparty veranstalten. Vielmehr hatte der Trägerverein den Wunsch eine Ausstellung zu zeigen, welche nun durch den Kooperationspartner, das SRH Waldklinikum möglich wird. So zeigt das Klinikum im Foyer des Hauptgebäudes bis zum 27. März die Ausstellung „Der Hälfte des Himmels und Du“. Die Ausstellung nähert sich dem Thema Frauen und Gewalt auf ungewohnte Weise. Mit liebevollem Blick porträtiert die Heidelberger Künstlerin, Annette Schiffmann 55 Frauen mit und ohne Gewalterfahrung zwischen 15 und 92 Jahren, aus allen Lebenslagen, Berufsfeldern und vielen Ländern. Gebürtige Deutsche und Migrantinnen, Ärztinnen, Kosmetikerinnen, Studentinnen, Ordensschwestern, Rentnerinnen sprechen über weibliche Lebensrealitäten in Deutschland, schlagen gemeinsam auch den Bogen über fast ein Jahrhundert Frauengeschichte und laden dazu ein, die Interviewfragen für sich selbst zu durchdenken. „Worauf sind Sie in Ihrem Leben stolz? Was ist das Schöne und das Unangenehme daran eine Frau zu sein?“ lauten die ersten drei der fünf Fragen. Nicht die Gewalt ist der Fokus der Portraits, sondern die Wertschätzung gegenüber den Erfahrungen und Geschichten der Frauen. 55 Frauenportraits und die Hör-Interviews auf Audioguides machen die Fülle, die Kraft, die Verletzlichkeit, die Wünsche und Forderungen von Frauen wahrnehmbar. Es ist der Kuratorin Annette Schiffmann gelungen, keine Opfer zu zeigen, sondern Frauen mit einem vollständigen Leben.

Das Frauenhaus Gera ist seit 1998 am selben Ort, aber eine komplette Geheimhaltung ist nicht möglich und wird schwerer. So kommt es auch vor das hochgefährdete Frauen, welche nicht nur von einem Täter bedroht wird, in eine andere Stadt kommt um ihre Sicherheit und den Neuanfang gewährleisten zu können. Daher sind Schutzhäuser und ein funktionierendes Netzwerk auch heute noch sehr wichtig. Die drei „Schutzengel“ in Gera wünschen sich daher für die Zukunft Finanzierungs- und Planungssicherheit, bessere Gesetze und ein offener Umgang mit dem Thema Gewalt gegen Frauen.

( Lars Werner, 05.03.2016 )

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