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Aus Community wird Verein

Deutschland gehört zu den erfolgreichsten Wirtschaftsstandorten auf dieser Welt. Doch wenn es um das Thema Internet geht, dreht sich die Karte und unser Land landet auf den hinteren Rängen. In vielen Gegenden ist es auch heute noch schier unmöglich einen Film via Internet anzuschauen, da die Ausstattung mit schnellen Internetleitungen meist mangelhaft ist. In den Metropolen geht es langsam voran, wobei auch hier kein flächendeckender schneller Zugang möglich ist. Auf dem Land ist die Situation noch schlimmer, so dass selbst Unternehmen Schwierigkeiten haben, über das Netz Geschäfte zu machen. Zwar will die Regierung bis 2018 flächendeckend schnelles Internet für alle, jedoch hinkt der Ausbau sehr stark und die Anbieter warten für den Ausbau auf Gelder, da man wohl selbst nicht dazu bereit ist, welches zu investieren.

So gibt es immer mehr private Initiativen, die zum einen den Ausbau selbst vorantreiben oder es ermöglichen wollen, dass das Internet für jeden zugänglich wird. Dazu gehört unter anderem auch das Freifunk Netzwerk, welches es mittlerweile in über 250 Städten gibt und wie der Name schon sagt, WLAN basierte Funknetze sind, die nicht von kommerziellen Anbietern, sondern von Privatpersonen, Vereinen oder ähnlichen Organisationen angeboten werden. Auch in Gera haben sich einige Personen gefunden, die in einer Community das Freifunk Netzwerk Gera-Greiz ins Leben gerufen haben. „In den letzten Monaten hat sich sehr viel getan, wir haben viel Zuspruch bekommen und auch zahlreiche Mitstreiter gewinnen können“, erzählt Lutz Rak, der Vorsitzende des neuen Vereins „Bürgernetz-Gera-Greiz e.V“, welcher aus der bestehenden Community hervor geht.

An den Aufgaben und der Philosophie hat sich bei den derzeitig zehn Mitgliedern jedoch nichts geändert. „In erster Linie wollen wir für jeden einen Internetzugang zur Verfügung stellen. Dabei geht es darum, dass zum einen sozial Schwache eine Möglichkeit bekommen sich in das Netzwerk einzuloggen und dies nutzen können ohne das Kosten entstehen. Zum anderen soll das WLAN basierende Netzwerk natürlich auch dazu dienen, dass man es nicht nur zu Hause nutzen kann, sondern auch unterwegs. Hierbei können nicht nur Privatpersonen mitwirken, sondern auch Firmen, Vereine und Organisationen. Umso mehr, umso besser. Denn dann wächst das Ganze und sehr schnell kann es dazu kommen, dass man über den Freifunk in Gera flächendeckend online sein kann“, erklärt Rak zu den Aufgaben, die sich der Verein für die Zukunft gestellt hat. Dabei ist zu beachten, dass alles ohne Mitstreiter, die ihren Anschluss in gewissem Maße zur Verfügung stellen, nicht möglich ist. Die Funktionsweise ist dabei ganz einfach. Jeder der einen „schnellen“ Internetanschluss besitzt, kann sich über den Verein einen Router besorgen, welchen er an seinen bestehenden anschließt und eine gewisse Bandbreite für das Freifunk Netzwerk freigibt. In einer Reichweite von ca. 150 Metern kann sich nun jeder anmelden, um online zu gehen. Machen hier genügend Personen mit ist eine lückenlose Abdeckung möglich, so dass auch derjenige das Freifunk-Netzwerk unterwegs nutzen kann, der seinen eigenen Anschluss zur Verfügung stellt. „Sicherheit ist dabei sehr wichtig und so greift der Router von Freifunk auch nicht auf das eigene Netzwerk zu und kann dies auch nicht ohne die nötigen Berechtigungen und Passwörter. Alles läuft dabei über die Freifunk-Server und diese sind mittlerweile als Provider (Anbieter) eingestuft, so dass man sich auch keine Gedanken dazu machen muss, wenn ein Nutzer beispielsweise illegal Musik über den Zugang herunterlädt“, erklärt Lutz Rak weiter. So greift hier nach Aussagen des Vereins die sogenannte „Störhaftung“ nicht, durch welche der Inhaber eines Anschlusses haftbar gemacht werden kann, wenn sein privater Zugang nicht gesichert ist, man von außen zugreifen kann und der fremde Nutzer illegale Geschäfte abwickelt.

Doch nicht nur der flächendeckende und für alle zugängliche Internetzugang gehört zur Philosophie der technikbegeisterten Gruppe. Mit dem Netzwerk macht man die Stadt attraktiver und kann bei guter Abdeckung weitere Dienste für die Nutzer bereitstellen. Gedacht hat man dabei an Informationen von der Stadt, die als Newsticker empfangen werden können, an Infos für Gäste der Stadt, die für bestimmte Orte Hintergrundinformationen wünschen, Bereitstellung von Material wie den Nachrichten des Bürgerfernsehens und auch die Ausgabe von bestimmten Werten.

Bisher gibt es in Gera 82 dieser sogenannten Knotenpunkte in die man sich einloggen kann, sobald man auf dem jeweiligen Endgerät das Freifunk-Netzwerk vorfindet. Um dies weiter bekannt zu machen und um den Ausbau voranzutreiben benötigt man jedoch Zeit, Partner und auch etwas Geld. Daher hat die damalige Community, die Stadt und der Bürgerhaushalt mit einem gemeinsamen Konzept an einer Ausschreibung des Thüringer Ministeriums für Wirtschaft, Wissenschaft und digitale Gesellschaft teilgenommen. Im Dezember erhielt das Gemeinschaftsprojekt den Zuschlag und Fördermittelbescheid, so dass für die kommenden drei Jahre 200.000 Euro für Öffentlichkeitsarbeit, Technik und weitere Ausgaben innerhalb des Projektes zur Verfügung stehen. „Es muss noch viel getan werden, um das Freifunk Netzwerk bei jedem bekannt zu machen und zu erklären. Hinzu kommt, dass auch Bereiche wie der Hofwiesenpark abgedeckt werden sollen. Da es hier aber nur am Rande einzelne Bewohner gibt, ist es nötig Technik anzuschaffen die Knotenpunkte verbindet, um die Erreichbarkeit zu vergrößern“, erklären die Vereinsmitglieder die gerade dabei sind über die anzuschaffende Technik zu diskutieren. Wer sich für die Arbeit des Vereines interessiert, mitmachen möchte oder seinen Anschluss in das Freifunk-Netzwerk einbinden möchte, kann sich unter www.freifunk-gera-greiz.de informieren.

( Lars Werner, 16.01.2016 )

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