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Gera bekennt sich zu seinem Theater

Gera (gw). Theater & Philharmonie Thüringen als Fünf-Sparten-Theater in hoher Qualität langfristig zu sichern, dieses Ziel bekräftigte OB Dr. Viola Hahn am Dienstagabend während der Podiumsdiskussion zur Thüringer Theaterlandschaft. Rund 270 Bürger nahmen an der zweieinhalbstündigen Veranstaltung, in der es um die künftigen Strukturen in der Thüringer Theater- und Orchesterlandschaft und deren Finanzierung ging, teil – Ausdruck des großen öffentlichen Interesses. Grundlage der Diskussion ist das Papier „Perspektive 2025“ aus der Thüringer Staatskanzlei.

Den Fragen des Publikums stellten sich Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff, Thüringer Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Staatskanzlei, die Vertreter der drei Gesellschafter von Theater & Philharmonie Thüringen - Geras OB Dr. Viola Hahn, Michaele Sojka, Landrätin des Landkreises Altenburger Land, und Michael Wolf, Oberbürgermeister der Stadt Altenburg – Kay Kuntze, Generalintendant und Künstlerischer Geschäftsführer, Volker Arnold, Kaufmännischer Geschäftsführer, Betriebsrat Andreas Böttger, Helga Klinger, Vorsitzende der Gesellschaft der Theater- und Konzertfreunde e.V., und Jutta Kloß, Vorsitzende des Vereins der Orchesterfreunde Gera e.V.

„Ich begrüße es, dass unser Theater auch in Zukunft ein Fünf-Sparten-Haus sein wird. Es darf aber kein Pseudo-Fünf-Sparten-Theater sein. Vielmehr muss die hohe Qualität gesichert werden“, betonte Oberbürgermeisterin Dr. Hahn. Sie dankte den Mitarbeitern für das außerordentliche Engagement und dem Publikum für seine Treue. Grundsätzlich begrüßte die Oberbürgermeisterin Pläne zu einer Kooperation mit der Philharmonie Jena – wobei es hier noch offene Fragen gibt.

Mit dem Haushaltkonsolidierungskonzept hat sich die Stadt Gera auch zu den Zuschüssen für Theater & Philharmonie Thüringen bekannt. Das Hauptaugenmerk lenkte Frau Dr. Hahn darauf, die Einnahmen des Theaters zu steigern. „Hier ist auszuloten, was machbar ist. Ich denke da auch an Veranstaltungen im Hofwiesenpark. Das Theater muss sich als Unternehmen betrachten“, betonte die Oberbürgermeisterin. Sie regte an, dass Firmen Theater- und Konzertkarten erwerben und als Geschenke weiterreichen. Ebenso könnten ganze Vorstellungen gebucht werden. Denkbar sei auch, Namensrechte beispielsweise am Foyer oder anderen Räumlichkeiten zu erwerben. „Wir veranstalten unseren Wirtschaftsempfang als Bekenntnis zu unserem Theater. Das kostet der Stadt keinen Cent Geld“, verwies die Oberbürgermeisterin auf ein erfolgreiches Kooperationsmodell. Beliebte Angebote wie der Theaterball bieten günstige Anknüpfungspunkte für erweiterte Vermarktungsmöglichkeiten.

Orchestervorstand Hendrik Schnö­ke warnte vor einem Stellenabbau im Philharmonischen Orchester. Damit seien nicht nur große Konzertaufführungen gefährdet, sondern auch das vielfältige Engagement im Bereich Kammeroper, Kinderoper und die bildungspolitischen Angebote für Kindergärten und Schulen stünden auf dem Spiel. „Das Papier aus der Landesregierung lässt die Fürsorge vermissen, die unser Theater verdient hat. Es stellt sich die Frage, ob unser Theater nicht auch das verdient hat, was Meiningen und Weimar zugestanden wird“, erklärte Schnöke. „Ich fände es nicht richtig, verschiedene Berufe am Theater gegeneinander auszuspielen“, erklärte Generalmusikdirektor Laurant Wagner und spielte darauf an, dass die Kürzungen ausschließlich das Philharmonische Orchester betreffen. Wenn Stellen nicht mit jungen Musikern nachbesetzt werden können, dann müsste man auch die Zahl der Musikstudenten in Weimar halbieren, nannte Wagner die „polemische, aber logische Konsequenz“. Er setzt Hoffnungen auf den Bund; dieser solle die Kultur vom aktuellen Wohlstand in Deutschland profitieren lassen. „Wir haben ein Finanzierungsproblem, aber keine Theaterkrise“, fasste Generalintendant Kuntze die Debatte zusammen. Aktuell sei bei den Vorstellungen aus der Landesregierung einiges positiv und einiges negativ zu bewerten. „Es gibt noch eine Menge Gestaltungsspielraum“, so Kay Kuntze.

Das treffende Schlusswort des Abends sollte einer jungen Mitarbeiterin des Theaters vorbehalten sein, die zu fortgeschrittener Stunde ans Saalmikrofon trat und leidenschaftlich eine Lanze für Theater & Philharmonie Thüringen und die Stadt Gera brach. Lisa Hammelmann stammt aus Halle und gestand ein, dass ihr Gera bis vor kurzem noch unbekannt war. Jetzt spricht die Schneiderin begeistert über die Stadt und das Theater. Ihr Appell: „Unser Theater muss nicht nur bewahrt, sondern beworben werden.“

Wie geht es nun weiter? Ende März sollen paraphierte Verträge für die Thüringer Theater und Orchester vorliegen, kündigte Minister Hoff an. In ihnen würden Inhalte, Finanzierungsanteile der Träger dargestellt und Maßnahmen, die im ersten Finanzierungszeitraum umgesetzt werden, dargestellt.

Aus dem Papier „Perspektive 2025“ der Thüringer Staatskanzlei: Mit der Fusion der Theater Gera und Altenburg wurde das wesentliche Kooperationspotenzial in der Region bereits vor 20 Jahren ausgeschöpft. Aus Sicht der Staatskanzlei bestehen insbesondere zwischen der Jenaer Philharmonie und der Theater & Philharmonie Thüringen GmbH in Altenburg-Gera Möglichkeiten der Zusammenarbeit, aus denen sich Spielräume im Hinblick auf die künftige Personalfluktuationsprognose ergeben. Unabhängig vom Diskussionsprozess über die Thüringer Theaterstrukturen ab 2017 haben die Gesellschafter des TPT bereits im vergangenen Jahr begonnen, die Strukturen in Altenburg-Gera zu überprüfen, um die Zukunft des fusionierten Theaters zu sichern. Ausgangspunkt war, dass die kommunalen Träger kaum Chancen sehen, ihre Zuschüsse in den kommenden Jahren zu erhöhen, andererseits aber das TPT als 5-Sparten-Haus fortgeführt werden soll. Dabei wurden die Kostenentwicklung für die Jahre 2016 bis 2025 bei unverändertem Personalbestand eingehend betrachtet und Überlegungen für Maßnahmen zur Stabilisierung der Personalkosten angestellt. Das TPT hat in den vergangenen Jahren durch gutes Wirtschaften zudem Rücklagen für Tarifverbesserungen gebildet, um wieder Anschluss an den Flächentarif zu gewinnen. Die daraus folgenden Überlegungen und Beschlüsse wurden in den entsprechenden Standortgesprächen zugrunde gelegt. Für die Region Ostthüringen sind aus Sicht der Staatskanzlei zwei Modelle denkbar:

Modell 1: Fortsetzung Status quo.

Modell 2: vertiefte Kooperation zwischen dem Orchester der TPT GmbH mit der Jenaer Philharmonie. Die Staatskanzlei präferiert Modell 2.

( Gera (gw), 12.12.2015 )

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