Partner

gebr_frank.jpg
verlag_dr_frank_gmbh.jpg
onicom.de.jpg
gera.jpg
RPG_Logo_1.jpg


Hinweise

acrobat_reader.jpg

Button_E_paper.png

Schlagzeilen der Woche

zurück

Orchester Gera-Altenburg soll auf 57 Planstellen reduziert werden

Seit 2000 verzichtet das Orchester Gera/Altenburg auf Teiele des  Gehalts, sukzessive seien in den folgenden Jahren die Kürzungen angehoben und weitere Stellen abgebaut worden. „Heute teilen sich 76 Musiker 73 Planstellen und leben mit 12,5 Prozent Gehaltseinbußen”, bilanziert Hendrik Schnöke vom Orchestervorstand und betont, dass mit diesen Kürzungen alle fünf Sparten erhalten werden konnten.
Aktuell finden Gespräche in der Staatskanzlei hinter verschlossenen Türen statt. Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff brachte dafür sowohl die Träger als auch die Intendanten an einen Tisch, um über künftige Umstrukturierungen zu sprechen und Lösungen zu finden. „Ende 2016 laufen die Haustarife aus, damit entstehen Deckungslücken in Millionenhöhe, die – bei Fortsetzung von jetziger Finanzierung und Struktur – die Theater GmbH innerhalb weniger Jahre in die Insolvenz führen”, macht Theaterintendant Kay Kuntze die Notwendigkeit einer Umstrukturierung deutlich und führt aus, dass es drei Instrumente gäbe, die diesem Szenario entgegenwirken können. „Erhöhung der notwendigen Zuschüsse, neue Haustarifverträge und massiver Stellenabbau oder aber Mischformen aller drei Punkte.”
Noch schlummern die Eckpunkte in der Schublade, sollen aller Voraussicht nach Ende September/Anfang Oktober der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Gera/Altenburg sei, sollten die aktuell kursierenden Fakten umgesetzt werden, insofern betroffen, dass von den aktuell 73 Planstellen 16 in den nächsten zehn Jahren ersatzlos gestrichen würden.  Neben Gera/Altenburg wären auch Weimar, Eisenach und Gotha von Einschnitten betroffen. „Für uns würde das bedeuten, dass wir ab 1. Januar 2017 erneut von einem Verkleinerungsprozess betroffen sind. Wir kommen nicht zur Ruhe. Durch das politisch gewollte Abschmelzen der vergangenen Jahre verspüren wir starke Unwuchten im Orchester. Einige Instrumentengruppen sind unterbesetzt, danach richtet sich, was wir als Orchester spielen können. Wenn alles so kommt, wie die Regierung es derzeit plant, dann ist unser Orchester in 2027 nicht nur deutlich kleiner, sondern auch zehn Jahre älter, es wird kein Verjüngungsprozess stattfinden können. Der Wunsch, beide Häuser  – in Gera und Altenburg – parallel zu bespielen, wäre nicht mehr erfüllbar”, so Schnöke. 
Rund 100 Konzerte spielen die Musiker zurzeit im Jahr, davon die Hälfte im Kinder- und Schülerbereich. Zudem begleiten sie die anderen Sparten des Hauses. „Eine Reduzierung des Orchesters auf C-Niveau (57 Musiker) würde gegenüber der jetzigen Situation Verluste an Qualität und Quantität durch geringere Verfügbarkeit, Überalterung und damit verbunden ausbleibender Erneuerung bedeuten. Außerdem würde sich die Programmatik der Konzerte aber auch der anderen mit dem Orchester arbeitenden Sparten deutlich verändern. Die Theater-Standorte würden an Attraktivität verlieren und einer der schönsten Konzertsäle Deutschlands wäre mit einem 57er C-Orchester meines Erachtens nicht mehr angemessen zu bespielen”, bringt es Kay Kuntze noch einmal auf den Punkt.
Ein weiterer Eckpunkt im Strukturpapier Hoffs sieht vor, dass eine vermehrte Zusammenarbeit mit der Philharmonie Jena angestrebt werden könnte. Doch welche Zukunft gibt es für das Fünf-Sparten-Theater? „Die Geschichte des Theaters Altenburg/Gera ist eine Geschichte fortwährenden Abbaus. Seit der Fusion ist bereits über die Hälfte des Personals abgebaut und die verbleibende Hälfte mit immer neuen Haustarifen zu Gagenverzicht geführt worden. Ich denke es ist an der Zeit, dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, Voraussetzungen für eine langfristige Sicherung einer gesunden, finanzierbaren Struktur zu schaffen und dem Theater, seinen Mitarbeitern und der Region somit eine Perspektive zu geben”, hofft Theaterintendant Kuntze auf endlich Ruhe nach dem Sturm.
Auf Nachfrage nahm auch Oberbürgermeisterin Dr. Viola Hahn Stellung zu den aktuellen Gesprächen: „Das Theater ist die größte und bedeutendste Kultureinrichtung unserer Stadt. Darüber hinaus ist das Theater mit seinen Beschäftigten und den Produktionen auch ein Wirtschaftsfaktor für die Region. Mit der Theaterfusion waren Altenburg und Gera Vorreiter in Thüringen. Meine Erwartung an die anstehenden Verhandlungen ist, dass die seit der Fusion erzielten Einsparungen berücksichtigt werden. Diese Vorleistung, die seit den 1990er Jahren erbracht wird, ist beispielgebend in Thüringen. Das muss nach Ansicht der Stadt Gera in den aktuellen Finanzierungsverhandlungen honoriert werden. Ziel der anstehenden Verhandlungen zur künftigen Finanzierung der Theater- und Philharmonie Thüringen GmbH ist es deshalb, unser Theater in seiner Spartenvielfalt und Struktur zu erhalten.” 
Das Orchester Gera-Altenburg eröffnet die Saison der Philharmonischen Konzerte am 10. und 12. September, jeweils 19.30 Uhr. 

( Fanny Zölsmann, 05.09.2015 )

zurück