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„Balu und Du” – Gemeinsam voneinander lernen

Bereits seit 2012 engagieren sich Studierende der Studienrichtungen Gesundheitspsychologie und Interdisziplinäre Frühförderung an der SRH Fachhochschule für Gesundheit Gera im bundesweit ehrenamtlichen Mentorenprojekt „Balu und Du“. Als Grundlage dient die Geschichte vom „Dschungelbuch“ von Rudyard Kipling. Hier nimmt der Bär Balu den Jungen Mogli unter seine Fittiche. „Dieses Projekt richtet sich an junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 30, die selbst noch keine Kinder haben und sich bereit erklären ein Jahr lang Verantwortung für ein Kind im Grundschulalter zu übernehmen. Nicht nur die Kinder wachsen an dieser Erfahrung. Gerade für die Studierenden, wobei auch Nichtstudierende teilnehmen könnten, ist dies eine Möglichkeit praktisch und in Eigenregie den Umgang mit Heranwachsenden zu schulen”, erklärt Dr. Diana Rösler, Studiengangsleiterin der Interdisziplinären Frühförderung und Projektkoordinatorin von „Balu und Du“ an der SRH Fachhochschule für Gesundheit Gera.

Vanessa Engler ist 20 Jahre alt und studiert seit zwei Jahren Gesundheitspsychologie in Gera. Sie hat soeben ihren Mogli verabschiedet, denn das Jahr ist rum und die regelmäßigen Treffen damit beendet. „Ich habe den Gedanken schön gefunden, da ich selbst keine Geschwister habe, einem Kind über ein Jahr lang Aufmerksamkeit zu schenken, es zu fördern, miteinander Zeit zu verbringen, sich auszutauschen und ja, man kann sagen, auch eine kleine Geschwisterliebe zu knüpfen”, resümiert sie dieses Jahr. Doch für sie ist nachdem Jahr trotzdem Schluss. „Nach den Ferien beginnt mein Praxissemester, daher werde ich nicht mehr so regelmäßig Zeit haben, wie im vergangenen Jahr”, erklärt sie. Für sie selbst war es Erfahrung und Herausforderung zugleich. „Anfangs war nicht klar, ob es ein Mädchen oder ein Junge wird, was das Kind für Interessen haben wird, ob es eine Beeinträchtigung aufweist oder wie sich überhaupt die Beziehung zwischen uns entwickeln wird”, erinnert sie sich an ihre Gedanken zu Beginn. Rückblickend weiß sie, dass sie vor allem durch ihren Mogli erfahren hat, dass sie sich eine Tätigkeit in der Kinder- und Jugendpsychiatrie vorstellen kann. Ihr Praxissemester absolviert sie daher in Stadtroda.

Es ist der neunjährige Ralf, der ein gutes Jahr mit Vanessa Zeit verbracht hat. Er ist der Drittgeborene von derzeit vier Geschwistern. Das fünfte Geschwisterkind ist unterwegs. Nach den Ferien wird er die vierte Klasse besuchen. „Wir haben in diesem Projekt die Möglichkeit gesehen, dass Ralf einmal in der Woche für ein paar Stunden raus aus der Familie kommt, im Mittelpunkt steht und es sich ausnahmslos um ihn und seine Interessen dreht. Natürlich haben wir auch gehofft, dass er etwas lernt, sich selbst beschäftigen zu können und etwas ruhiger wird”, erklärt Papa Klaus Klein. „Ich bin schon ein wenig traurig und finde es schade, dass es schon vorbei ist. Wir haben viel zusammen erlebt. Kino, Picknick, Schwimmen und vor allem Basteln, das liegt mir. Kunst mag ich. Mathe ist nicht mein Ding und auch an der Rechtschreibung muss ich noch arbeiten”, spricht Ralf über sich. „Ich habe ihn versucht zu fördern und zu fordern. Wir haben zwar keine Hausaufgaben zusammen gemacht, aber ich habe ihn oft machen lassen. Er sollte selbst die Antworten auf seine Fragen finden und ab und zu haben wir auch ein paar Matheaufgaben gelöst”, so Vanessa Engler.

„Unser Angebot richtet sich vorrangig an Kinder, deren Familienstrukturen und Situationen es oftmals nicht hergeben, ihnen ihre Wünsche und Forderungen vollends zu erfüllen”, erklärt Dr. Diana Rösler. Aktuell arbeiten sie mit der Otto-Dix-Grundschule zusammen und haben in der Förderschule Röpsen nun einen weiteren Partner gefunden. „Damit Balu und Mogli ihre Nachmittage, Ausflüge und Unternehmungen auch mit abwechslungsreichen Angeboten füllen können, steht dem Gespann monatlich ein kleines Budget von zehn Euro zur Verfügung. Den Rest legen die Studierenden bereitwillig oben drauf”, zeigt sich Rösler stolz über ihre Balus. Derzeit gibt es neun Gespanne, „einige von ihnen haben erst begonnen, andere haben um einen oder zwei Monate verlängert und der Rest sogar ein ganzes Jahr rangehangen”, sagt sie abschließend.

Das ehrenamtliche Mentorenprogramm „Balu und Du“ wurde 2002 gegründet und wird bundesweit in mehr als 60 Städten umgesetzt. Ziel ist es, Grundschülern neue Erfahrungen zu ermöglichen und außerschulische Lernanregungen zu geben. Mindestens ein Jahr lang werden sie von ihren Mentoren begleitet. In Thüringen nehmen sieben Städte an dem Programm teil. Die Finanzierung übernimmt das Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport. Träger ist der gemeinnützige Verein „Balu und Du e. V.“ mit Sitz in Osnabrück.

( Fanny Zölsmann, 22.08.2015 )

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