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Der Meister - Aushängeschild des Handwerks

Dieser Handwerksbetrieb hat eine Besonderheit, denn es gibt ihn nur ein einziges Mal in Gera: den „Geigenbau Niedan“ in der Rudolf-Diener-Straße. Zudem kann er auf eine lange Familientradition zurückblicken. Der 48-jährige Thomas Niedan, Meister seines Faches seit 1995, führt ihn nunmehr in dritter Generation.

Großvater Erich war es, der 1936 „Geigenbau Niedan“ aus der Taufe hob. Er hatte das Geschäft von seinem Lehrmeister Robert Luer, der aus St. Petersburg stammte, übernommen. Ein Zufall brachte beide zusammen. Erich Niedans Geige ging bei einem Ausflug entzwei. Er fand nicht nur Hilfe beim Geigenbauer Luer, sondern ebenso Gefallen an der Tätigkeit des Meisters. „Großvater Erich wurde sein Lehrling, später sogar Teilhaber und vor fast 70 Jahren dann Nachfolger“, erzählt Thomas Niedan. Dessen Vater Rolf wiederum sei so begeistert von dem Beruf eines Geigenbauers gewesen, dass er auch Geigenbauer wurde und seinen Meister machte. Die Werkstatt führte er ab 1957 in der Johannisstraße, bevor er dann nach fast 20 Jahren in das Domizil in der Rudolf-Diener-Straße zog.

In all den Jahrzehnten brauchten sich die Niedan-Meister nicht um fehlende Kundschaft beklagen, die aus ganz Deutschland und vor allem aus Thüringen kommt.  Hauptgeschäft aber war und ist nicht der Neubau von Instrumenten. Obwohl unter den geschickten Händen von  Erich und Rolf Niedan so um die 80  Geigen fachmännisch gebaut wurden.  Und auch Thomas und sein 26-jähriger Sohn Mathias in vierter Generation, der drei Jahre bei seinem Opa lernte, bauten bereits erfolgreich Instrumente wie Geigen und sogar ein Cello.

Das Gros der Werkstattarbeit sind jedoch Reparaturen an sämtlichen Streich-, Zupf- und Saiteninstrumenten. Vor allem in den Sommerferien herrscht Andrang.  Da lassen Orchestermusiker, Musikschüler und private Musiker die Instrumente pflegen und auf neu polieren.

Es brauche schon eine Portion Musikalität, ein geschultes  Gehör und viel Fingerspitzengefühl, um den ureigenen Klang eines Instrumentes wieder herstellen zu können, betont Thomas Niedan. Das sei vom Anfang  bis zum letzten Griff alles mühevolle und geduldige Handarbeit. Nur ein paar Gerätschaften erleichtern den Geigenbauern die Arbeit. Die älteste Geige, mit der man jemals in der Werkstatt zu tun hatte und die  inzwischen verkauft wurde, stammte aus dem Jahre 1756 von Sebastian Rauch aus Breslau.

Thomas Niedan hat seinen Beruf nie bereut, von dem er als Kunsthandwerk spricht, und ist stolz auf die lange Familientradition. Musik und die Instrumente seien seine Welt. Wie es auch bei Großvater Erich und Vater Rolf nicht anders war. Letzterer führte 25 Jahre meisterhaft den Bogen als 2. Geiger im Orchester des Geraer Theaters. Thomas, der an der Geraer Musikschule Cello erlernte, spielt auch Bassgitarre und ist Mitglied bei der lustigen Musikantentruppe „Lanzleut“. Sein Sohn Mathias zeigt auf verschiedenen Gitarren sein Können. Alle gemeinsam vereint die schöne Erfahrung, bei ihrer Arbeit viele interessante und musikbegeisterte Menschen kennen zu lernen. Das kann Helga Niedan, die Mutter von Thomas, nur bestätigen. Seit über 60 Jahren mischt sie mit bei den Handwerksmeistern und ist bei vielen Handgriffen gefragt. Vor allem ist sie die Expertin beim Bespannen der Geigenbögen mit Rosshaar.

Nicht der Himmel, sondern die Werkstatt hängt bei Niedans voller Geigen. Diese bestehen aus Fichte, Ahorn und Ebenholz.  „Die Hölzer müssen langsam gewachsen sein“, erklärt Meister Niedan. Auch die Lacke sind nicht nur wichtig für das Aussehen, sondern für den Klang des Instrumentes.“

Ein Foto in der Werkstatt fällt besonders auf: Es zeigt die Geigerin Katrin Scholz - natürlich mit einer Niedan-Geige. Sie ist die Tochter des ehemaligen Geraer Konzertmeisters Voigt und gefragte Künstlerin in Berlin.

( Erika Baumann, 17.08.2015 )

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