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Erdbeben – Gerüstet für den Ernstfall

Rund 150 ehrenamtliche THW-Mitglieder der Ortsverbände Gera, Leipzig, Altenburg, Grimma und Torgau trafen sich kürzlich in Gera um bei einer groß angelegten Einsatzübung ihr Wissen und Können in verschiedenen Szenarien unter Beweis zu stellen. Wie wichtig es ist, sich im Notfall auf andere Menschen zu verlassen, zeigt das Erdbeben in Nepal, das bisher zu über 8.000 Toten führte. „Bei unserer Übung dreht sich alles um das Schlagwort Erdbeben. Jedoch hat dies nichts mit der jetzigen Katastrophe zu tun, denn die Übung wurde schon vor Monaten geplant“, erklärt Magdalena Straßburger, die Geschäftsführerin des Bereichs Leipzig, zu dem die übenden Ortsverbände gehören. Doch genau dieser Fall zeigt, wie schnell einen die Realität einholen kann und man gut daran tut, die vielen freiwilligen Helfer auf einen solchen Ernstfall vorzubereiten. Diese setzen unter hohem persönlichen Einsatz alles daran, Personen zu retten und helfen zudem dabei, die Grundversorgung für die Menschen wiederherzustellen und zu gewährleisten.

Erstmals dabei war auch die 28-jährige Katarina Heiduczek aus Gera. „Ich bin seit 2013 beim THW Gera. Ich wohne in Lusan und war zwar nicht direkt vom Hochwasser 2012 betroffen, doch um uns herum hieß es Land unter und ich fühlte mich in dieser Situation ziemlich hilflos. Obwohl es für mich selbstverständlich ist zu helfen, wusste ich damals nicht, was ich tun könnte und das wollte ich so nicht noch einmal erleben und deshalb entschloss ich mich dazu im THW tätig zu werden“, erzählt die Studentin während einer Verschnaufpause zwischen den Einsätzen. Zwar hat sie die Ausbildung zur einsatzbefähigten Helferin hinter sich, aber auch wenn die 70 in Gera tätigen THW Helfer selbst immer wieder kleinere Übungen machen und sich ständig weiterbilden, ist diese alle zwei Jahre stattfindende Großübung für sie neu und spannend. Dabei wurden Heiduczek und auch die anderen Helfer mit Einsturzgefährdeten Gebäuden, austretenden Gasen, Bahn- und Pkw-Unfällen, eingeschlossenen und verletzten Personen, Vermissten und Chaos konfrontiert um das Vorgehen nach einem Erdbeben zu üben. „Das Ziel der Übung bestand unter anderem darin, das Zusammenwirken der Einsatzkräfte aus verschiedenen THW-Ortsverbänden zu überprüfen, sowie Möglichkeiten zur Verbesserung ihrer Fähigkeiten und Fertigkeiten aufzuzeigen“, erklärt Falk Dietrich vom Team Öffentlichkeitsarbeit, während aus einem Gebäude in Lusan überlebende Personen des Erdbebens gerettet werden. „Hier simulieren wir beispielsweise, dass die untere Etage völlig zerstört und teilweise verschüttet ist und die Einsatzkräfte somit nur durch die Fenster der zweiten Etage Zutritt zum Gebäude bekommen. In diesem wurden verletzte Personen entdeckt, die man jetzt zur weiteren Versorgung herausholt“, so Dietrich weiter. Doch nicht nur der Stadtteil Lusan gehörte an diesem Wochenende zum simulierten Einsatzgebiet des THW. Auch die Landesfeuerwehrschule in Bad Köstritz, der Bundeswehrübungsplatz in Crossen, das ehemalige Munitionsdepot in Langenberg und der Standort des Ortsverbandes in der Wiesestraße waren Schauplatz für die Übungen, welche bis in den Sonntag hinein liefen. Gewählt hat man das Szenario „Erdbeben“, weil hier jegliche Situation eintreten kann und somit alle Fachrichtungen des THW zum Einsatz kommen können. Dies zeigt auch die jetzige Situation in Nepal. Hier ist man für die Trinkwasseraufbereitung zuständig und damit diese am Ende funktioniert sind vorher viele Schritte nötig. So muss ein sicherer Standort gewählt werden und auch die Elektroversorgung sowie die entsprechende Versorgung muss gewährleistet sein, damit geholfen werden kann.

Das man das THW braucht, sieht nicht jeder so. Die dem Bund untergeordnete Behörde mit ihren derzeitig 80.000 Mitgliedern, die zu 99 Prozent ehrenamtlich tätig sind, hat auch auf Bundesebene immer wieder mit Kritikern zu kämpfen. Dies weiß auch der Bundestagsabgeordnete Albert Weiler, der die Übung besuchte, zu berichten. „Wenn nichts passiert, wird das Ganze in Frage gestellt. Deshalb ist es immer wieder ein Kampf die hierfür nötigen Bundesgelder zu bekommen. So ist es eine meiner Aufgaben die Politik, Unternehmen und die Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren, denn tritt ein Notfall ein, wie eben das Hochwasser in unserer Stadt, dann sollten wir froh sein, dass es eben diese Helfer und die nötige Technik gibt um den in Not geratenen zu helfen“, so Weiler im Gespräch. Auch Bürgermeister Kurt Dannenberg, wies auf die Wichtigkeit der Arbeit des THW hin, lobte das Engagement und hob die Möglichkeiten bei umfangreichen und lang anhaltenden Aufgaben hervor, das THW sei der „Marathonläufer“ bei Einsätzen.

Doch wie bei der Freiwilligen Feuerwehr hat auch das Technische Hilfswerk mit dem Nachwuchs zu kämpfen. Bereits ab dem sechsten Lebensjahr kann man in der Kidsgruppe des THW mitmachen, wobei hier noch keiner zum Einsatz kommt. Erst mit 17 Jahren beginnt die aktive Zeit, wenn man will bis ins hohe Alter. Natürlich dann nicht mehr im Einsatz, aber auch für Beratung, Verwaltung, Versorgung und viele andere Gebiete werden immer wieder Freiwillige gesucht. Doch für den ehrenamtlichen Dienst melden sich immer weniger Menschen. Dies liegt zum einen am demografischen Wandel, aber auch am jeweiligen Job. So erzählt man, dass so mancher Chef bei der Einstellung nicht gerne liest, wenn die Person im Lebenslauf das THW als aktives Mitglied angibt. Doch es gibt auch die andere Seite, wo der Chef es begrüßt, wenn er Angestellte zu seinen Mitarbeitern zählt, die dies auf sich nehmen. Bei denen, die das THW und Mitarbeit in diesem als nicht nötig ansehen und natürlich weil Katastrophen nichts Gutes mit sich bringen, hoffen wir mal, dass keine Fälle eintreten, bei denen das THW angefordert werden muss.

( Lars Werner, 16.05.2015 )

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