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„Die inneren Werte stimmen überein“

„Man darf Menschen nicht wie ein Gemälde oder eine Statue nach dem ersten Eindruck beurteilen, sie haben ein Inneres, ein Herz, das ergründet sein will.“ Was Jean de la Bruyère damit sagen will, lässt sich auch irgendwie auf die Europaschule Ostschule übertragen. Hans-Jürgen Voit ist kein Schulleiter von Traurigkeit. Seine Stimme ist nicht zu überhören und doch spürt man darin etwas Wehmut, wenn er gegenüber Dr. Birgit Klaubert, Thüringer Ministerin für Bildung Jugend und Sport, eingestehen muss, dass der alljährliche „Tag der offenen Tür“ für seine Schule eher kontraproduktiv sei.

Warum das so ist, davon wollte sich die Ministerin selbst ein Bild machen. Vorgewarnt war sie schon, hat es sich doch bis ins Ministerium herumgesprochen, dass beide Ansätze die Schule in eine Gesamtschule umzuwandeln bisher ins Leere gelaufen sind. Am Konzept habe es nicht gelegen, meint Voit und schon gar nicht am Engagement der Lehrer, Schüler und Eltern. Wieder einmal scheitert es wie so oft am Geld. „Uns fehlen die finanziellen Mittel“, das ist ein Satz, den das Ostschulteam langsam nicht mehr hören kann. „Wir kommen uns vera… vor“, muss sich die Ministerin anhören. „Wir brauchen neue Fenster und eine neue Heizung“, fordern die Schülersprecher. So sind die Räume im Sommer überhitzt und im Winter ausgekühlt. So sei es sogar verboten, die Heizung zu regeln, erzählen die Schüler. Und wenn sie ein Fenster öffnen wollen, müssen sie aufpassen, dass ihnen das Fenster nicht entgegen fällt. Der Putz bröckelt von der Wand und auch über die fleckige Fassade macht man sich lustig, spricht von „Safari-Schule“. Genau genommen müsste sogar die Sporthalle gesperrt werden, erläutern die Schülersprecher Sina Öztürk, Eric Grebenstein und Lennert Däumer, die die Ministerin durch ihre Schule führen.

Auch ihnen fällt es nicht leicht, auf all die Missstände aufmerksam zu machen und doch, stehen sie zu ihrer Schule. Wie sie ihre Schule sehen, bringt Eric Grebenstein, stellvertretender Schülersprecher, mit den Worten auf den Punkt: „Die inneren Werte stimmen. Wir gehen gern hier her“. Und genau das war auch der Grund, warum Eric Grebenstein in Absprache mit dem Team der Schul- und Klassensprecher sich persönlich an die Ministerin gewandt und sie zum Besuch eingeladen hat.

Dem desolaten Zustand des Schulgebäudes entgegen steht das, was im Schulalltag an Positivem geleistet wird. „Wir können uns durchaus mit anderen Schulen messen“, so der Schulleiter und verweist dabei auf die zahlreichen Initiativen und Projekte, die die Schule weit über die Grenzen Geras, des Freistaates Thüringen und selbst über Deutschland hinaus bekannt gemacht haben.

„Europaschule“ – das klingt bestimmt gut, doch warum wird sie von der Politik so stiefmütterlich behandelt? Das ist nur ein Kritikpunkt den die Lehrer der Ministerin mit auf den Weg nach Erfurt geben. Wie schwer man sich mit Sanierungsarbeiten an der Schule getan hat und noch tut, darauf verweist Hans-Jürgen Voit, als er an die Sanierung des Schuldaches erinnert. „Es hat nicht ausgereicht, dass das Wasser vom Dach bis in der oberste Etage durchgelaufen ist. Erst als es von da aus in die 1. Etage lief, wurde gehandelt.“

Nicht nachvollziehbar für die Ministerin war, dass ein Schulhof mit Rollsplitt bedeckt ist. Es war nicht das erste Mal, dass die Schüler das Bildungsministerium auf den Plan gerufen haben. Vor über zwei Jahren hatten sie dem enormen Stundenausfall den Kampf angesagt. Was vorher durch Appelle der Schulleitung bei den Verantwortlichen ohne Reaktion blieb, zeigte nach der Schüler-Intervention plötzlich Wirkung.

Einmischen – steht in dem von den Schülern und der FAR Bildungsgesellschaft gestalteten Projektraum „Demokratiezentrum“ nicht einfach nur so an der Wand. Für die Schüler hat dieses Wort auch einen praktischen Wert und Schulleiter Voit ist stolz auf seine Schüler, die nicht nur reden sondern auch handeln.

Klaubert sicherte den Schülern, Lehrern und Eltern ihre Unterstützung zu, verwies aber auch darauf, dass die Schule als Immobilie in Verantwortung der Stadt liegt. Was die Lehrmittelsituation betrifft, sieht sie dringenden Handlungsbedarf.

( Reinhard Schulze, 25.04.2015 )

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