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Wundersame Welt der Marionetten

Wenn der Vorhang in dem eher nüchtern und zweckmäßig ausgestatteten Puppentheatersaal zum Stück „Das Märchen vom Zaren Saltan” aufgeht, gerät der Zuschauer ins Staunen. Wenn die Bühnendekoration bei großen Inszenierungen oftmals auf das Wesentliche beschränkt und karg ausgestattet ist (soll ja angeblich die Fantasie anregen), gibt es hier eine die gesamte Fläche einnehmende Kulisse. Und die ist wirklich fantastisch. Meereswellen schaukeln hin und her, Schiffe ziehen ihre Bahn, eine ganze Insel mit goldenen Zinnen und Palästen wächst empor, ein Schwan steigt aus der Schaumkrone, rechts und links der eigentlichen Spielfläche – die Bühne in der Bühne – ein begehbarer Aufbau mit mechanischem Kurbelrad, Glockenspiel und Podesten, die auch von den Spielern genutzt werden können. Das alles ist sichtbar, aber die eigentlichen Drahtzieher oder besser Fädenzieher agieren für den Zuschauer unsichtbar. 
Geschaffen und ausgedacht hat sich das alles Jan Hofmann. Und dass er bei der Inszenierung als erster genannt wird, hat einen guten Grund, denn mit diesem Meisterstück des Bühnenbilds, der Kostüme und der Marionetten verabschiedet er sich nach 38 Jahren vom Puppentheater Gera und geht in den Ruhestand.
Inszeniert und für die Bühne bearbeitet hat das Poem, das Alexander Puschkin in Versform vor etwa 200 Jahren geschrieben hat, Volkmar Funke. Für die drei Spieler Marcella von Jan, Lys Schubert und Lutz Großmann ist das Stück eine große Herausforderung, denn Marionetten zu führen, ist eine hohe Kunst im Puppentheater, nicht nur im Puppenbau, sondern auch in der Führung der Figuren. Die Bewegungen sollen so natürlich wie möglich sein und da ja ein Mensch nur zwei Hände hat, bedarf es mitunter mehrere Spieler, um eine Marionette zu führen. Um so großartiger meistern die drei Akteure die Technik und die stimmliche Gestaltung wie auch im sichtbaren Körpereinsatz zum Beispiel als Erzähler.
Die wundersame Welt der Marionetten wird auf hinreißende Art lebendig gemacht, großartig wenn der Zar den Kasatschok tanzt, Adler, Mücke und Wespe fliegen, das Spinnrad getreten wird. Passend die Musik, die eigens für das Stück von Schauspielkapellmeister Olav Kröger geschrieben und auf einer hölzernen Orgel eingespielt wurde. Alles in allem zeigt die Inszenierung, dass Puppentheater für Kinder zwar wunderschön und überaus empfehlenswert ist, aber viele Details sich auch dem Erwachsenen so richtig aufschließen und wenn es das „Nasdarowje” ist, mit dem sich Zar Saltan am Schluss verabschiedet. So wird das Stück auch in der Reihe Puppenkunst für Erwachsene am 20. Dezember, 19.30 Uhr, aufgeführt. 

( Helga Schubert, 05.12.2014 )

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