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Fünf nach Zwölf?

„Beginnen wir mit dem Positiven“, so Michael Max. „Die Stadt Gera reicht Übungsleiterzuschüsse an die Vereine aus.“ Doch das Anliegen, warum der Stadtsportbund die Sportvereine zu einer Anhörung ins KuK am Dienstag gebeten hatte, wog viel schwerer, als dass die Aussage von Michael Max unter den über 80 anwesenden Vereinsvertretern eine Sturm der Begeisterung auslöste. Viel mehr Positives hatte der Fachdienstleiter Liegenschaften und Sport auch nicht zu verkünden.

Die im Haushaltssicherungskonzept vom 14. November 2013 festgeschriebenen Positionen – die Nichtverlängerung der zum 31. Dezember 2014 auslaufenden Nutzungsverträge zur Bewirtschaftung kommunaler Sportstätten, das Aufschlagen der Mehrwertsteuer (19 Prozent) bei Kostenbeteiligung der Vereine, die Änderung der Entgeltordnung für Bäder, erhöhte Entgeltsätze für Nutzung kommunaler Sportstätten, Erhöhung der anteiligen Kostenbeteiligungen bei Wettkämpfen ab 19 Jahre – stößt bei den Sportvereinen auf wenig Zustimmung. Denn die Umsetzung aller dieser Maßnahmen bedingt eine höhere finanzielle Belastung der Vereine, Erhöhungen der Mitgliedsbeiträge und stellt insbesondere bei den Sportvereinen, die die Sportstätten nun zu 100 Prozent eigenständige bewirtschaften sollen, die Existenz in Frage.

Ziel der Anhörung sollte es sein, die Situation zu analysieren, Konsequenzen der aktuell vorliegenden Szenarien aufzuzeigen und konstruktive Vorschläge zu besprechen. Doch eher feststellbar war ein teilweises Nichtwissen über dass, was die Sportvereine bewegt und ein „permanentes Schweigen“ nach gestellten Fragen von Vereinsvertretern. Thomas Odia, Präsident des RSV Blau-Weiß Gera, sprach von schlechter Kommunikation und registriert eine Tendenz, die sich nicht nach vorn sondern zurück entwickelt. So spüre man für den Sport in der Stadt keine Akzeptanz und dass ihm so langsam die Motivation fehle. „Es kann nicht nur gespart werden. Man muss auch investieren und wenn schon kein Geld da ist, dann sollte zu mindestens in die Motivation der zahlreichen Ehrenamtlichen investiert werden“, so der RSV Präsident, der an die Worte von Peter Gösel vor einem halben Jahr erinnerte, „In Gera ist es fünf nach Zwölf“, und fortgeführt, „müsste es ja jetzt halb Eins sein“.

Die Vereinsvertreter sparten nicht mit Kritik an der Verwaltung. So könne man sich nicht des Eindrucks verwehren, dass an den Wochenenden davon gesprochen werde, wie wichtig der Sport in der Stadt sei und dann von Montag bis Freitag in der Verwaltung überlegt werde, wie die Vereine zu schröpfen seien.

„Zuhören sei notwendig, um etwas zu verändern“, so Stadtrat Klaus Peter Creter, Vorsitzender des Ausschusses Bildung, Kultur und Sport. „Dass es in den Vereinen an Geld fehlt, habe ich zur Kenntnis genommen. So wie es war, wird es nicht weiter gehen. Wir sollten jetzt mit Kompetenz und Sachwissen entscheiden, wie wir die Probleme lösen“. Ihm zu Gute kann man halten, dass er erst seit der letzten Kommunalwahl den Vorsitz über einen Ausschuss übernommen hat, der zuständig für drei kritische Bereiche ist. Dennoch muss er den Vorwurf mitnehmen: „Zuhören ist wichtig. Aber warum jetzt erst, wenn die Messen gelesen sind“.

Wie problematisch die Situation des Geraer Vereinssports eingeschätzt wird und wie groß das Interesse daran ist, den Vereinen helfend zur Seite zu stehen, dafür sprach die Anwesenheit von Peter Gösel, Präsident des Landessportbundes Thüringen. Er verwies auf das Thüringer Fördergesetz, welches von vier Ministerien getragen wird und sieht selbiges in Gera ausgehebelt. „Was hier in Gera geschieht, gibt es nirgendwo in Thüringen. Die Sportvereine sind nicht Schuld an der Misere und die Stadt ist verdammt dazu verpflichtet, dass auch den Vereinen entsprechend zu honorieren“, deutliche Worte des LSB Präsident. Und weiter: „Eine freiwillige Leistung ist das Ehrenamt. Die Leistungen wie auch das Ehrenamt sind aber zu würdigen und zu unterstützen.“

Etwas entschärfen konnte dann Thomas Seidel die Situation. So sei eine Weiterbetreibung der bisher eigenbewirtschafteten Sportstätten mindestens bis zum 30. Juni gesichert. Eigenbewirtschaftete Sportstätten sowie Sportstätten, in denen Vereine in Eigenleistung aktiv sind, sollen von der Entgeltregelung Werbung befreit werden. Fein raus sind Vereine, die Sportstätten nutzen, die zur Übernahme von Pflichtaufgaben (Schulsport) verpflichtet sind. Dem entgegen gehalten wurde, dass das Thüringer Sportfördergesetz aber für alle Sportstätten gilt.

Stadtrat Andreas Kinder regte eine aktuelle Stunde zum Thema Vereinssport vor einer Stadtratssitzung an. Es mag in der Natur der Sache liegen, dass die wirkliche Kompetenz in Sachen Sport beim Stadtsportbund liegt. Eben diese sollte auch genutzt werden.

( Reinhard Schulze, 07.11.2014 )

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