Partner

gebr_frank.jpg
verlag_dr_frank_gmbh.jpg
onicom.de.jpg
gera.jpg
RPG_Logo_1.jpg


Hinweise

acrobat_reader.jpg

Button_E_paper.png

Schlagzeilen der Woche

zurück

Sie sind anders - sie sind besonders

Es gibt sie in jeder Facette, in jeder Branche und in jeder Beziehung - die Trends, um hipp, angesagt und „up to date” zu sein. Doch nicht immer ist man „in”, wenn man sprichwörtlich „mode” ist. 
Immer häufiger werden bei Kindern die Diagnosen ADS, ADHS und Autismus-Spektrum-Störungen gestellt. Noch vor einem guten Jahrzehnt kannten nur wenige Eltern und Pädagogen diese Schlagworte. Seit wenigen Jahren werden immer mehr Erzieher und Lehrer - nicht nur an Förderschulen - mit diesen Verhaltensveränderungen konfrontiert. „Dabei weisen viele betroffene Kinder eine kombinierte Störung oder zusätzliche Beeinträchtigung auf, weswegen es oft schwieriger ist, die Krankheiten differential-diagnostisch voneinander abzugrenzen”, heißt es in einem Online-Artikel. Doch was steckt hinter diesem Phänomen? Warum erhalten heutzutage immer mehr Kinder und Jugendliche eine solche Diagnose? Sind diese Verhaltensanomalien die Bürde unserer schnelllebigen, immer stets verfügbaren, unübersichtlichen, reizüberfluteten Gesellschaft? Kritiker leugnen die Existenz der Krankheiten ADS und ADHS und behaupten, dass es sich vielmehr um von der Pharmaindustrie erschaffene, neue Absatzmärkte handele. 
Betroffene hingegen kämpfen um die eigene Akzeptanz und Sensibilisierung in der Gesellschaft. Eine von ihnen ist Sonja Sellner. Sie ist Mutter zweier Söhne. Beide weisen u.a. Merkmale des Autismus auf. „Der Autismus ist als solcher sehr facettenreich. Meine Kinder weisen nur einige der Kriterien auf und fallen daher unter den atypischen Autismus”, klärt Sellner auf und mahnt die oftmals zu voreiligen Diagnosen vieler Ärzte und Fachkräfte, dass nicht jedes Kind gleich ist und anhand der Fachliteratur definiert werden kann. „Zu oft werden zu schnell Diagnosen gestellt und den Kindern Medikamente verabreicht, da oftmals die Ärzte, manchmal auch die betroffenen Eltern, die Untersuchungen umgehen wollen”, führt sie an. Doch völlig gleich, ob die betroffenen Familien eine Diagnose hätten oder nicht, stünde man allein auf weiter Flur. „Grundsätzlich ist es so: Hat man keine Diagnose und vermutet nur eine Verhaltensauffälligkeit, rennt man von Arzt zu Arzt. Erkennt dieser irgendwann die Symptome, gibt es kaum Therapiemöglichkeiten, um dem Kind und seinen Angehörigen die optimale Förderung bieten zu können”, spricht sie aus Erfahrung. 
Um sich unter Gleichgesinnten auszutauschen, Gehör zu finden, nicht allein zu sein und zusammen stark sein zu können, gründete sie gemeinsam mit anderen Eltern Anfang diesen Jahres den Verein „Besondere Kinder e.V.”, der aktuell zwölf Mitglieder zählt. „In unserem Verein sind nicht nur Eltern, deren Kinder ADS, ADHS und Autismus-Spektrum-Störungen aufweisen, sondern auch Entwicklungsstörungen, soziale und emotionale Störungen, Verhaltensstörungen, genetische Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen, auditive und visuelle Wahrnehmungsstörungen, KISS/KIDD Syndrom, Epilepsie, Hör- und Sprachprobleme, Schütteltrauma sowie Folgen von Kindesmisshandlungen. Unsere Kinder sind anders, sie sind besonders und sie brauchen individuelle Förderung”, lädt sie Eltern, Angehörige, Freunde und Interessierte zu den monatlichen Elternabenden (Freitag, 2. Mai, Heilpädagogische Praxis, Joliot-Curie-Straße 20) ein, um sich näher mit den Themen auseinandersetzen zu können.
Zu den Mitgründern gehört auch Tim Müller. Vor vier Jahren kam sein Sohn zur Welt. Er wäre eigentlich gar nicht hier, denn genetisch war alles in Ordnung, bis die eigene Mutter das vier Wochen alte Baby fast tot schüttelte. Heute leidet sein Sohn unter starken Hirnverletzungen und wird nie ein gesundes Leben führen können. 
So kann man sicher mit Gewissheit sagen, dass die Gesellschaft einen großen Teil daran beiträgt, dass der Einzelne stets und ständig funktionieren muss und ihm dabei oftmals die notwendige Ruhe fehlt, um mit Bedacht und Fürsorge zu handeln. Doch können wir sie auch für angeborene  Verhaltensanomalien in die Verantwortung ziehen?   
„Unser vordergründigstes Ziel ist es, die Gesellschaft für Kinder mit Handicap zu öffnen. Wir müssen toleranter werden, denn wir alle sind ein Teil des Ganzen und gehören dazu”, appelliert Müller zu ein bisschen mehr Achtung.
www.besondere-kinder-gera.de

( Fanny Zölsmann, 11.04.2014 )

zurück