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Vitalresidenz Villa Voß - ein Kleinod

Die unmittelbar am Küchengarten gelegene Villa Voß ist nicht nur die älteste typische Fabrikanten-Villa in unserer Stadt, sondern gilt als Vorbild für die weiteren Villenbauten in Gera und weit darüber hinaus. Eine Entwicklung, die dann mit dem Van-de-Velde-Bau, Haus Schulenburg, zu Beginn des 20. Jahrhunderts endete. 
Als einziges noch erhaltenes Beispiel einer Neo-Renaissance-Villa im Geraer Raum hat sie eine reiche Geschichte. Diese reicht vom repräsentativen Wohnsitz des erfolgreichen Bauunternehmers Georg Voß, über die Fabrikantenfamilie Ruckdeschel bis zur Zentrale der Zivilverteidigung des VEB „Elektronik“ in den DDR-Jahren und war dann fast bis zur Abrissreife verkommen. Über 20 Jahre stand das Gebäude leer. Schließlich sollte sie Unterkunft für einen Kulturkindergarten mit über 150 Plätzen bieten. 
Daraus wurde nichts und so verkaufte die Kommune das Gebäude - oder was davon noch übrig geblieben war - für 23.000 Euro an zwei Privatinvestoren, die eine klare Zielstellung für den Bestand des Hauses hatten. „Einen Winter wie im Vorjahr würde die Villa nicht noch einmal überstehen“, meinte damals Geras Baudezernent Ramon Miller. Die Stadt sah auch eine weitere Bereicherung der Geraer Kulturmeile in der unmittelbaren Nachbarschaft von Theater und Küchengarten. 
Damit begann so etwas wie ein neues Leben des Hauses. Der junge  Berliner Architekt Ferdinand Luthmer - er hat sich u.a. später bei der Rekonstruktion des Frankfurter „Römers“ große Anerkennung erworben - ließ 1873 Mauerwerk, Raumstrukturen, Fassade und Innengestaltung der Geraer Villa nach den strengen Merkmalen und konkreten Vorbildern der italienischen Neo-Renaissance errichten: Hochherrschaftlich wurden die Räume rund um eine zentrale Halle mit Dachlaterne und einer imposanten Treppe gebaut. 
Repräsentative Räume im Erdgeschoss für das gesellschaftliche Leben und Wohnen im Obergeschoss. Die Idee des Bauherren und des Architekten: Italien - das Licht des Südens - nach Thüringen holen.
Als sich Bauleute vom Zustand des Hauses überzeugten, schüttelten die meistens nur mit dem Kopf, aber Christian Matern entwickelte ein vollkommen neues Nutzungskonzept für eine „Vitalresidenz“, das alle Auflagen des Denkmalschutzes, der komplizierten Bauphysik und des Städtebaus erfüllte und gleichzeitig einen hohen Standard für die 21 Wohnungen, darunter zehn Eigentumswohnungen, sichert. 
Seine Grundidee des Residenzwohnens umfasst neben attraktiven Wohnungen, die nach den Kriterien der Barrierefreiheit, des Niedrigenergiehausstandards und des gehobenen Ausbaustandards errichtet werden, auch das Angebot von möglichen Serviceleistungen wie Hausnotruf, Concierge oder ein Gästeapartment. 
Ergänzt werden diese durch im Haus befindliche Anbieter für Wellness, Kosmetik, Gesundheit und Gastronomie an einem der schönsten Orte Geras. „Teil unseres Konzeptes ist auch ein attraktives Restaurant, das die besondere Situation unmittelbar gegenüber dem Theater unterstreicht.“ 
In attraktiven Gasträumen mit ca. 340 Quadratmetern plus Nebenflächen und einer modern gestalteten und in den Theaterplatz integrierten Terrassenanlage werden sich die Besucher wohlfühlen. Öffentlich zugänglich ist auch der neue „Day-Spa/Wellness-Bereich“  in den Gewölben der Villa mit Kosmetik, Massagen, türkischem Bad und vielem anderen. „Und um Verwechslungen vorzubeugen“, so Christian Matern, „die Villa Voß ist keine betreute Seniorenwohnanlage.“ Christian Matern nennt als besondere Serviceleistung u.a. die Fußbodenheizung, großzügige Bäder, Belüftungssysteme für jede Wohnung, Dreischeibenverglasung, Fahrstuhl und große Terrassen/Balkone. Es werden Carports oder Plätze auf dem Parkdeck des zweiten Bauabschnittes  zur Verfügung stehen.
Projektplaner Matern, Denkmalschützer und Bauleute entdeckten fast täglich weitere Einzelheiten: Schmuckelemente, Stuckarbeiten und Marmorsäulen, die kassettenartigen Füllungen und geschweiften Sparrenköpfe der Dachtraufe in unterschiedlichen Farbtönen und weiße Ornamente, die im schönen Kontrast zur Natursteinfassade stehen. „Nach unseren Recherchen ist das einmalig in Thüringen“, schätzt der Gothaer Restaurator Stephan Keilwerth aus Gotha ein. 
Christian Matern versichert, dass jedes noch restaurierbare Bauteil wieder angebracht wurde. In über Zehn-jähriger Entwicklungsarbeit konnte er wichtige Bauteile wie die Haustür, Wandvertäfelungen u.a. sichern. Allerdings mussten auch zahlreiche architektonische Elemente nach Befund neu geschaffen oder ergänzt werden. 
Das alles hat viel Zeit benötigt und war natürlich kostspielig. Auf ca. 5,5 Millionen Euro dürfte sich die Gesamtbausumme belaufen. Bund und Land haben für das denkmalgeschützte Bauwerk erhebliche Fördermittel zur Verfügung gestellt. 
Im nächsten Jahr entsteht in der Ebelingstrasse der zweite Bauabschnitt mit 16 Wohnungen. 
Ein alter/neuer Park an der Stelle der ehemaligen „Tomate“, dem Verwaltungsgebäude von „Electronicon“, auf dem bald Zypressen und Rosen stehen werden, wird den italienischen Stil zur Freude der dann 70 bis 80 zukünftigen Bewohner und ihrer Gäste unterstreichen. 
Georg Voß hat mit viel Weitsicht für die Zukunft bauen lassen, die Bausubstanz war und ist hochwertig, die Fundamente sind z.B. so hoch, dass selbst beim diesjährigen Jahrhunderthochwasser kein Grundwasser eingedrungen ist. Zum diesjährigen Tag des offenen Denkmals am 8. September, ab 11 Uhr, kann die Vitalresidenz Voß besucht werden. 
Mit Worten lässt sich der Bau ohnehin kaum beschreiben, an diesem Tag kann sich aber jeder Gast von den Ideen der Besitzer, Planer und Architekten sowie der Arbeit der Bauleute überzeugen. Während der Bauarbeiten wurde niemand verletzt. „Das ist ein gutes Omen“, meint Christian Matern. Die feierliche Übergabe der Villa ist für November dieses Jahres geplant.

( Reinhard Schubert, 23.08.2013 )

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