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90 Jahre Suche nach „Geraer Fünf“

Seit 90 Jahren suchen Philatelisten nach Exemplaren einer Briefmarke, die als einzige in Gera „geboren“ wurde. Am 1. Dezember 1923 erschien ein Briefmarkensatz, der in Sammlerkreisen landläufig als „Korbdeckel-Satz“ bezeichnet wird. Zwar hatte die damalige Reichsdruckerei in Berlin das alleinige Recht zum Druck von Briefmarken, die galoppierende Inflation führte aber zu ständig neuen Wertangaben auf den Briefmarken: So kostete das Inlandsporto am 31. Oktober 1923 noch zehn Millionen Reichsmark, am 12. November des gleichen Jahres bereits zehn Milliarden. 
Durch diesen rapiden Verfall der Währung innerhalb von wenigen Tagen kam die Reichsdruckerei nicht mehr nach, mit dem Ende der Inflation kam die Rentenmark, aus einer Billion Mark wurde eine Rentenmark. Daraufhin wurden die Oberpostdirektionen beauftragt, in Berlin hergestellte Briefmarken-Bögen in lokaler Verantwortung vor Ort mit dem Eindruck des Wertes zu versehen. Einen derartigen Auftrag erhielt auch die Geraer Kunstanstalt für Lithographie und Druckerei in der Reichsstraße 36.
Viele Einzelheiten zu diesem ungewöhnlichen Vorgang sind im Dunkel der fast 100-jährigen Geschichte untergegangen, so die genaue Auflage der in Gera gedruckten „5-Pfennig-Marke“. Nicht sicher ist, ob hier auch weitere Werte eingedruckt worden sind. 
Allerdings stellte man sehr bald fest, dass eine Marke des Druckbogens im Feld 88 eine zerbröckelte Verdickung in der Ziffer Fünf aufwies. So betroffene Bogen mussten nach Vorschrift vernichtet werden. Man schien sich aber nicht an diese Vorgabe gehalten zu haben, denn ein Jahr später berichteten Geraer Sammler in der „Fachzeitschrift für Briefmarkenkunde“ über mehrere kleinere Bogenteile, mit solchen fehlerhaft gedruckten Marken. Seit dieser Zeit sucht der Verein für Briefmarkenkunde in Gera nach weiteren Spuren dieser Marke.
Während des 2. Weltkrieges und der unmittelbaren Folgezeit hatte man zwar ganz andere Sorgen, aber schon im Mai 1948 stellte man die „Geraer Fünf“ in den Mittelpunkt einer Briefmarkenausstellung zum Wiederaufbau des Museums und bildete sie auf einer Erinnerungskarte ab. „Etliche Aufrufe“, auch im Sammler-Express, die Dublettenbestände und die Massenware zu durchsuchen, um weitere Exemplare der ‚Geraer Fünf‘ zu finden, liefen seither ergebnislos“, erinnert sich Horst Schmidt, Ehrenvorsitzender des Vereins für Briefmarkenkunde zu Gera. 
Allerdings konnte auch die Analyse der „Philatelisten Zeitung“ vom November 1928 nicht widerlegt werden, nachdem etwa 50 Bögen nur in Sammlerhände gekommen sind und sich im Raum Gera befinden müssten. Horst Schmidt ist stolz darauf, das der Geraer Verein zur „GEBRIA 2003“ das erste Mal eine solche Plattenfehlermarke im Original ausgestellt und im Veranstaltungslogo gezeigt werden konnte. Doch damit haben sich die Sammler nicht zufrieden gegeben. Sie starteten 2011 einen Artikel in der Fachzeitschrift „philatelie“ sowie ein wenig später eine Kaufanzeige. Es meldeten sich daraufhin drei Sammler, die über die geprüfte und im Michel-Spezialkatalog aufgenommenen Marke verfügen. In der jüngsten Ausgabe der Verbandsnachrichten „Thüringen-Philatelie“ berichtet Horst Schmidt über weitere Bewegung bei den Forschungsergebnissen. Sie besagen, dass gegenwärtig zehn „Geraer Fünfer“ bekannt sind, darunter allerdings nur ein gestempeltes Exemplar.
„Wir freuen uns, dass wir trotz Krieg und Bombenschäden nach 90 Jahren noch 20 Prozent der 1928 geschätzten Anzahl nachweisen können. Wir sind aber auch heute noch an neuen Informationen über die einzige wirkliche Geraer Marke interessiert“, meinte der erfahrende Philatelist.


( Reinhard Schubert, 16.08.2013 )

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