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Unerschöpflicher Fundus

Selbst Lexika mit einem großen Namen können irren. So definiert das Brockhaus-Lexikon noch 1965 das Sammeln als „Krankhafte Neigung, Gegenstände ohne praktischen Bedarf anzuhäufen“. Heute haben die meisten gedruckten Lexika ausgedient, der Konkurrenz mit den elektronischen Medien können sie nicht mehr viel entgegensetzen. Und auch der alte Geheimrat Goethe hat mit seiner Feststellung „Sammler sind glückliche Menschen“ Recht behalten.

Sammeln kann mehr sein als das Anhäufen bestimmter Gegenstände, vielmehr schafft es einen Fundus von authentischen Belegen aus vielen Wissensgebieten, der wiederum die Grundlage für neue Forschungen ist. Gedrucktes aller Art, Urkunden, handschriftliche Aufzeichnungen, Fotos, Filme, Zeitungen und Tondokumente sind seit Jahrzehnten und sogar Jahrhunderten ein archivierter Wissensschatz, der immer wieder Gegenstand neuester Forschungen sein kann.

Das Geraer Stadtarchiv erfüllt nicht nur die gesetzlichen Aufbewahrungspflichten sondern Jahr für Jahr kommen rund 1.000 Besucher und nutzen die sorgsam gepflegten Archivalien. Auf rund 2.800 laufenden Metern ist alles sortiert und thematisch geordnet. Seit Mitte April wurde das Archiv für Interessenten aus aller Welt geöffnet. „Rund 80 Prozent unserer Bestände sind jetzt im Internet recherchierbar,“ sagte Klaus Brodale, der Leiter des Stadtarchivs. 15 Jahre lang dauerte die Arbeit, die er gemeinsam mit Carla Römer durchgeführt hat. Blatt für Blatt, Bild für Bild und jede einzelne Zeitungsseite mussten in die Hand genommen und eingescant werden. Eine immense Arbeit!

Auf www.findbuch.net wird Archivnutzern in aller Welt ein gezielter Zugriff auf die im Archiv befindlichen Quellen ermöglicht. Über eine Textrecherche in den Verzeichnisangaben kann der Benutzer anhand von selbst definierten Suchbegriffen zu entsprechenden Ergebnissen gelangen. Dank einer Detailansicht aller für eine Fundstelle zugänglichen Daten kann er entscheiden, ob diese für seine Recharche relevant ist. Will er Unterlagen direkt vor Ort einsehen, muss er eine Bestellliste mit dem gewünschten Termin sowie seinen persönlichen Angaben direkt per E-Mai an das Archiv (stadtarchiv@gera.de) übermitteln. Rechercheergebnisse können zudem Ausgangspunkt für schriftliche Anfragen oder für Kopieraufträge sein.

Klaus Brodale verwies darauf, dass die Informationstiefe für Aktenbestände, Nachlässe und Sammlungen auf Grund der großen Umfänge an Einzeldokumenten lediglich bis zu den Aktentiteln und der Datierung reicht. Bei Bildsammlungen, Karten, Plänen und Rissen ist jedes Einzeldokument recherchierbar. Aus Gründen des Daten- und Persönlichkeitsschutzes konnte ein kleiner Teil der Bestände nicht in das elektronische Programm aufgenommen werden.

Erschlossen sind bisher 31 Bestände mit analogen bzw. digitalen Bilddokumenten mit einem Umfang von rund 95.000 Stück; etwa 500 Film- und Tondokumente; zehn Bestände mit Karten, Plänen und Rissen mit einem Umfang von ca. 15.000 Stück; rund 200 Originalurkunden von der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderte bis zur Gegenwart; 107 Aktenbestände mit Unterlagen der Stadtverwaltung, der Vororte und städtischen Einrichtungen sowie Unternehmen ab dem 16. Jahrhundert mit ca. 45.000 Verzeichnungseinheiten; 59 Nachlässe und Dokumentationen bedeutender Persönlichkeiten und Familien mit 6.800 Einheiten; 30 Aktenbestände von Vereinen, Organisationen und Unternehmen mit 1.400 Einheiten; eine zeitgeschichtliche Materialsammlung mit 8.600 Einheiten und Geraer Zeitungen von 1794 bis zur Gegenwart mit rund 40.000 erfassten Einzeldaten allein ab 1945.

Die Frage nach den interessantesten Stück aus der Sammlung bringt Klaus Brodale nicht in Verlegenheit. Zwei Beispiele hat er sofort parat: Die älteste Urkunde ist ein Pergament aus dem Jahre 1436 über eine Schuldverschreibung des Heinrich, Vogt von Gera; schließlich noch ein Exemplar der ersten Geraer Zeitung „Aufrichtige deutsche Volkszeitung“, die von 1775 bis 1799 wöchentlich mit zwei Bögen erschienen ist. Herausgeber war Christian Gottlieb Steinbeck. Er war auch ein erfolgreicher Autor populärwissenschaftlicher Kalender und Ratgeber. Sein Werk umfasst außerdem Sachbücher zur Brandbekämpfung, für die er sich interessierte, seit er als Jugendlicher 1780 Augenzeuge des großen Geraer Stadtbrands geworden war

Unser Stadtarchiv hat auch selbst eine lange Tradition. Seit vielen Jahren wird gesammelt, zum öffentlichen Archiv erweitert wurde es allerdings erst von Ernst Paul Kretschmer.

Der vom Thüringischen Landesarchiv Greiz im Jahre 1959 erworbene Nachlass ist im wesentlichen ein Niederschlag der sehr produktiven Tätigkeit Kretschmers auf dem Gebiet der Geraer Ortsgeschichte und der reußischen Heimatgeschichte. Er enthält großenteils druckfertige Ausarbeitungen, vermischt mit gesammeltem sonstigen Material, darunter einzelne Originalschriftstücke.

Umfangreiches Recherchematerial bieten die Nachlässe, Sammlungen und Dokumentationen, so u.a. von Dr. Otto Plarre, Clement Toepel, Werner Simsohn, Hans Leucht, Michael Beleites, Dr. Ulrike Lorenz, Max Heyer, Rudolf Behr, Erich Brendel. Georg Fiedler, Rudolf Hundt, Robert Eisel, Renate Stachorski, Prof. Heinrich Laber und Rudi Nöldner.

Jüngstes Kind im Archivbestand ist die private Sammlung von Ingrid Fischer zur Geschichte des Geraer Puppentheaters.

In den letzten Jahren hat das Interesse an der Ahnenforschung fast sprunghaft zugenommen. Einen Grund sieht Archiv-Leiter Klaus Brodale darin, dass die Standesamtsregister seit etwa zwei Jahren öffentlich zugänglich sind und das Internet weltweite Kontakte problemlos ermöglicht.

So hat sich eine Familie aus den USA gemeldet, die ihre familiären Wurzeln in Gera hat.

Gesucht wurde das Grab einer Urgroßmutter. „Wir konnten helfen, und die Familie ist über den großen Teich nach Gera gekommen und hat das Grab gefunden,“ berichtet Klaus Brodale. Man sieht: Die 200.000 sogenannten Verzeichniseinheiten geben viel her. Und jedes Jahr werden es mehr.

( Reinhard Schubert, 20.06.2013 )

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