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Kunst im Kopf mit Akane Kimbara

Ihre Zeichenblätter sind kleinformatig, mit wenigen Strichen versehen und scheinen unvollständig zu sein. Sie geben dem Betrachter Rätsel auf. Wie gehe ich als Besucher der Ausstellung mit diesen Leichtigkeiten um, die einfach und filigran zu Papier gebracht wurden? Ich muss mir dazu etwas denken. Da schwebt z.B. ein von ihr als Pendel bezeichneter Eimer an einer Schnur schräg über das weiße Zeichenblatt. Sein dunkler Inhalt ergießt sich in den Raum. Wird hier die Schwerkraft außer Kraft gesetzt? Wer hat den Eimer bewegt? Ist er das Pendel der Zeit, die aus dem Ruder läuft, über den Rand schwappt? Sich Fragen dieser Art zu stellen, sind das Anliegen der Künstlerin. Und man sollte sich dazu natürlich auch gleich eine oder mehrere Antworten liefern, denn die Gedanken sind frei.

Der Besuch der Sonderausstellung, die noch bis zum 20. Mai in der Kunstsammlung zu sehen ist, braucht Zeit und die Bereitschaft zum Nachdenken. Akane Kimbara gibt mit den Zeichnungen Anstöße. Es kann Vergnügen bereiten, ihren Vogelschwarm zu beobachten, der aus einer imaginären, rechteckigen Öffnung fliegt. Sind es vielleicht die Origami-Kraniche im Hofwiesenpark, die aus dem Kunstpavillon in die Luft steigen? Alles ist möglich, wenn es nur der Fantasie des Besuchers entspringt.

Die Anregung gebende, junge Japanerin absolvierte in Tokio ein Kunststudium, kam 1998 nach Hamburg und schloss in der Hansestadt 2006 ein Hochschulstudium mit Diplom ab. Seitdem freischaffend in Berlin und Hamburg lebend, bewarb sie sich im vergangenen Jahr in Gera um das Kunstförderstipendium „Artist in Residence“, das sie für sich entschied. Es hatten sich 63 Kunstschaffende aus zahlreichen Ländern darum bemüht.

Die Wohnung und das Atelier von Akane Kimbara befanden sich auf dem Gelände der ehemaligen Filiale der Landeszentralbank, die mal ein Kunsthaus werden sollte. Nun war sie es sogar auf gewisse Weise für fünf Monate des vergangenen Jahres. Eigentlich für Akane kein schöner Anblick, vom Fenster aus Tag für Tag auf die trutzige Fassadenmauer des Tresorgebäudes zu schauen. Doch sie wurde von der neuen Umgebung inspiriert, so wie ein sich auf Kimbaras Zeichnungen einlassender Besucher. Mit der Umsetzung ihrer Gedanken ging die junge Frau in Gera einen gänzlich anderen Weg. Sie wechselte das Medium und das Format, nahm nicht Bleistift und Zeichenblock, sondern Videokamera und Beamer zur Hand. Dabei verließ Kimbara jedoch nicht die Statik des Zeichenblattes. Ihre Kamera verharrte auf einer Einstellung, fungierte quasi als Blatt.

Zur Belebung der Szenerie ließ die Künstlerin einen Profibergsteiger in ein paar Minuten die Fassade der Bankfiliale erklimmen, der dann vom Dach Papierflieger warf. Dieser Clip wird nun, ganz im Gegensatz zu ihren kleinen Blättern, im Großformat auf eine Wand der Kunstgalerie projiziert.

Und was könnte uns diese Videoinstallation mitteilen? Zum Beispiel, wie mühsam es sein kann, eine Idee zu entwickeln und zu verwirklichen. Oder wie erlebnisreich es sein kann, auch unvollständig scheinende Werke zu interpretieren. Viel Vergnügen mit Akane Kimbaras Kunst im Kopf.

( Dietmar Walther, 18.04.2013 )

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