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Als Gera das Rennfieber packte

Vor 90 Jahren, genau am 8. Februar 1923, gründeten in Gera rund 25 Freunde des Motorsportes den „Motorradclub Gera und Umgebung“ in der Gaststätte „Zur Bürgererholung“, dem heutigen Comma. An dieses Ereignis erinnert die Interessengemeinschaft „Historische Mobile Gera“ mit einer Festveranstaltung gemeinsam mit der Kfz-Innung Ostthüringen am Freitag, 8. Februar, 19 Uhr, im Auto-Scholz-AVS. Weit über 50 Sportfreunde haben sich dafür bereits angemeldet.
Die Besucher erwarten u.a. eine Ausstellung historischer Motorräder sowie zwei Vorträge. So werden Wolfgang Jahn und Wolf Hartmann über den bisherigen Stand der Forschungsergebnisse über die Tätigkeit des Motorradklubs berichten. Im Staatsarchiv Greiz wurden schon Kopien der Gründungsurkunde gefunden, Belege gibt es auch über das 1. Geraer Rundenrennen mit Motorrädern am 24. August 1924, das unter der Schirmherrschaft des motorsportfreundlichen Fürsten Heinrich XXVII. Reuß stand. Einen Siegerpokal aus dieser Zeit konnten die Mitglieder der Interessengemeinschaft schon auftreiben, allerdings fehlt vom Hauptpreis, einer venezianischen Glasvase, bisher noch jede Spur. Wesentlich umfassender konnte allerdings das Leben von Walfried Müller erforscht werden, der sich für seine Teilnahme am Rennen sogar eine DKW-Maschine ausgeliehen hatte und noch ein „unbeschriebenes Blatt“ war. Später war er ein Spitzenfahrer seiner Zeit und hat allein für DKW 204 Rennsiege eingefahren. Der Geraer Schauspieler Wolfgang Jahn wird während der Festveranstaltung einige Seiten aus Müllers Erinnerungsbuch vorlesen, das ein beredtes Zeugnis seiner Zeit geworden ist.
Der Motorradclub hat viele Höhen und Tiefen erlebt. 1931 organisierte er das 1. Thüringer Grasbahnrennen. Es fand auf dem Gelände des alten Geraer Flugplatzes an der heutigen Siemensstraße statt. Also genau dort, wo heute das gastgebende Autohaus beheimatet ist. 1934 wurden die Mitglieder von den Nazis gedrängt, einer regimetreuen Vereinigung beizutreten, zahlreiche Motorsportler zogen sich auch ganz zurück, der Verein wurde aufgelöst.
Im zweiten Vortrag des Abends berichtet Mark Schaller über eine Reise, die ihn gemeinsam mit einigen Freunden über 12.000 Kilometer von Berlin über den Balkan und Syrien bis nach Ägypten führte. Natürlich mit Motorrädern! Damit wollten sie an die beiden Motorsportler Alfred Gaebelsmann und Walter Spohr erinnern, die sich 1929 mit ihren Fahrzeugen auf die Reise begeben hatten. Das war immer noch ein Abenteuer, allerdings hatte die Motorradtechnik schon eine erfolgreiche Entwicklung hinter sich. Auf dem Schleizer Dreieck wurden um 1925 schon Durchschnittsgeschwindigkeiten von über 70 km/h erreicht.
Zu den rund 20 Motorrädern, die zum Jubiläumsabend bewundert werden können, gehört auch eine legendäre „Weiße Mars“, die Mark Schaller mit nach Gera bringt, wenn es das Wetter erlaubt. Die Maschine wurde 1920 von Claus Franzenburger entworfen und von der Firma Mars in Nürnberg-Doos produziert. Der Zweizylinder-Boxermotor wurde exklusiv für Mars von der bekannten Firma Maybach in Friedrichshafen hergestellt. Die Maschine hatte einen Hubraum von 956 Kubikzentimeter und wurde mit einer Handkurbel gestartet. Heute ist die „Mars“ ein echtes Juwel.
Zur Festveranstaltung wird die Interessengemeinschaft die Ehrenmitgliedschaft an Ulrich Weise, dem langjährigen AVS-Geschäftsführer, verleihen. Zu Jahresbeginn ist er in den Ruhestand gegangen.

( Reinhard Schubert, 31.01.2013 )

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