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Erste Zwischenbilanz von „ISEK Gera 2030“ gezogen

Vor einem halben Jahr gab der Stadtrat grünes Licht für die Erarbeitung einer „Integrierten Stadtentwicklungskonzeption zur nachhaltigen Entwicklung der Stadt“ bis zum Jahre 2030, kurz „ISEK Gera 2030“. Ziel ist eine Konzeption für die wirtschaftliche Entwicklung und finanzielle Rahmenplanung im Kontext des Städtebaues sowie der Sozialplanung unter dem Blickwinkel der demografischen Veränderungen. Also gleichsam ein Dach auch für die bereits vorliegenden Teilkonzepte Flächennutzungsplan sowie Schulznetz- und Schulsanierungskonzeption, die natürlich auch einer ständigen Weiterentwicklung und Anpassung unterliegen. All das soll durch eine frühe Einbeziehung der Bürger erreicht werden. Die anspruchsvolle Fragestellung „Wie wollen wir 2030 in Gera leben?“ kann nur auf diesem Weg eine schlüssige Antwort finden.

Noch im Januar erklärten sich rund 90 Geraer zur Mitarbeit in den Arbeitsgruppen Gesamtstadt, Kommunale Sozialplanung, Kultur, Stadtzentrum und Wirtschaft bereit. Inzwischen hat sich ihre Zahl mehr als verdoppelt. Mitte der Woche trafen sie sich im „Comma“ zu einer Bestandsaufnahme und Konkretisierung des weiteren Vorgehens. Baudezernent Ramon Miller hatte die Moderation übernommen.

Die Planung über einen Zeitraum von nahezu zwei Jahrzehnten muss naturgemäß die demografische Entwicklung berücksichtigen, da sie u.a. Grundlage der finanziellen Schlüsselzuweisungen durch das Land sind. Und da gibt es faustdicke Überraschungen! Bisher schwebte immer das Damoklesschwert der kontinuierlichen Abnahme der Bevölkerungszahl über den Ostthüringer Oberzentrum. Die Zahl von nur noch 77.000 Einwohnern wurde genannt, damit wäre Gera etwa auf die Größe von Weimar zurückgefallen. Als „relativ sicher“ bezeichnete Kaniß nach neueren Berechnungen aber einen Mittelwert von 90.000 Einwohnern. Außerdem bleibt die Zahl der Senioren bis 2040 etwa konstant, bei Kindern und Jugendlichen hingegen ist mit einer drastischen Abnahme zu rechen.

Für die Stadtentwicklung erwartet man daraus konkrete Auswirkungen. Während sich die Einwohnerzahl in der Stadtmitte weitgehend stabilisieren wird, dürfte die Besiedelung des ländlichen Raumes erheblich reduziert werden. Planer können deshalb davon ausgehen, dass neben dem unmittelbaren Stadtzentrum auch die Stadtteile Langenberg, Bieblach, Tinz, Debschwitz, Zwötzen und Lusan eine positive Entwicklung nehmen, die restlichen aber nicht vernachlässigt werden dürfen.

Darauf zielen mehrere Arbeitsgruppen ab. Die Gruppe „Gesamtstadt“ z. B. formuliert ihr Anliegen so, „dass der kleiner gewordenen Stadt faktisch ein besseres ‚Kostüm geschneidert‘ werden müsse. Lebendige Stadtteile mit zentralen Punkten, auch wenn es manchmal nur die Gaststätte sein kann, müssten angestrebt werden. Die Thematik bezahlbarer Wohnraum und bezahlbare Infrastruktur wurde ebenfalls auf die Agenda gesetzt.“

Die Abklärung der kommenden Arbeitsinhalte in der AG Stadtzentrum war sachlich, aber auch impulsiv auf die weitere Ausgestaltung des engeren Zentrums ausgerichtet. Insbesondere der Einzelhandel und dabei der inhabergeführte solle im Mittelpunkt der Debatten stehen. Vor allem wünschen sich alle das Zentrum als „Gute Stube“ der Stadt mit viel mehr „Leben“, Experimenten und Flexibilität. Obere Sorge und Zschochernplatz sollen wieder lebendig werden. Notwendig erscheint auch vielen, sich beim Begriff „pulsierendes Leben“ im Zentrum genauer mit der dazugehörigen Definition zu beschäftigen. Die Teilnehmer der Gruppe wollen sich in den kommenden Monaten in jedem Fall auch als Ideengeber für mehr Neues im Zentrum verstehen.

Die AG Wirtschaft will sich aktiv für die Formulierung von Entwicklungszielen und die Branchenprofilierungen einsetzen. Sie entschied sich, die Frage der künftigen Fachkräfte in jedem Fall zu den prioritären Themen zu zählen. Schließlich sei und bleibe die Wirtschaft ein Schlüssel für die Gesamtentwicklung. Neben der Bestandspflege müsse man auch nach außen schauen und nach wie vor die Ansiedlung ortsfremder Wirtschaft nie aus dem Auge verlieren. Hierzu seien auch eine Erweiterung und Vertiefung des Stadtmarketings erforderlich. 

Die Thematik bezahlbarer Wohnraum und bezahlbare Infrastruktur wurde auf die Agenda gesetzt. Hohe Bedeutung soll die Barrierefreiheit bekommen. Beinahe selbstkritisch wurde von Teilnehmern betont, dass Gera nicht nur eine positive Außensicht benötigt, sondern angesichts der Erfolge in der Stadtentwicklung manchem Bürger auch eine bessere „Innensicht“ zu wünschen wäre.

Unverzichtbar sei ebenfalls ein wirkungsvolles Kulturmarketing, Das Theater sie der größte kulturelle Wert der Stadt Gera ein stelle mit seinen künstlerischen Inhalten und auch den Gebäuden ein Alleinstellungsmerkmal für die Stadt dar. Hier stehen grundlegende Entscheidungen für eine gesicherte Zukunft des Theaters in seiner heutigen und in Thüringen einmaligen Form noch aus.

Mit der jetzt abgeschlossenen ISEK-Etappe wurden eine erste Bestandsaufnahme gemacht, verbunden mit den Schwerpunkten der künftigen Arbeit. Sie werden in den kommenden Wochen und Monaten durch Einzelvorschläge ergänzt und erweitert. So wird man eine Antwort darauf finden müssen, wie es mit dem Kunsthaus weitergeht, ob und wie die anderen kulturellen Einrichtungen vernetzt werden sollen oder können. Immerhin 27 Stadtratsmitglieder sind direkt im Rahmen von ISEK tätig, so dass der ständige Kontakt zu den gewählten Volksvertretern ständig gesichert sein sollte. Die Arbeitsgruppen werden kontinuierlich weiter arbeiten und sollen im kommenden Jahr konkrete Vorschläge unterbreiten können. Die Mitarbeit möglichst vieler Geraer ist und bleibt gefragt.

( Reinhard Schubert, 20.07.2012 )

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