Partner

gebr_frank.jpg
verlag_dr_frank_gmbh.jpg
onicom.de.jpg
gera.jpg
RPG_Logo_1.jpg


Hinweise

acrobat_reader.jpg

Button_E_paper.png

Schlagzeilen der Woche

zurück

Dialog mit junger Generation fortsetzen

Rund 27.000 Besucher zählte bisher der im Herbst 1987 in Gera gegründete Verein „Begegnungsstätte Torhaus“. Das Gebäude der früheren Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit sollte ursprünglich abgerissen werden, Vereinsmitglieder und viele andere haben das verhindert, so dass im November 2005 schließlich am Amthordurchgang eine Ausstellung eröffnet werden konnte. Neben Rostock ist Gera der einzige Ort auf dem Gebiet der ehemaligen DDR, wo zumindest noch Teile der ehemaligen U-Haftanstalt erhalten geblieben sind. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Gedenkstätte haben ermittelt, dass zwischen 1952 und 1.082 mindestens 2.813 Männer und Frauen hier inhaftiert waren,

Bei einem Besuch des Torhauses hat sich der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, für die Anstrengungen des Bürgervereins bedankt, es sei wichtig, auch den Dialog mit der jungen Generation fortzusetzen. Dabei – so Jahn – gehe es nicht nur „um einen Blick zurück, sondern die Ausstellung ist ein aussagefähiger Spiegel der Demokratie.“ Die enge regionale Zusammenarbeit mit der Geraer Außenstelle würdigte Roland Jahn, weil von ihr Referenten benannt und Unterlagen bereitgestellt werden, die vor allem für die junge Generation wichtig seien. „Wir leisten Aufarbeitung in Bürgernähe und informieren, wie das System der Angst funktionierte, das die Stasi verbreit hat.“ 

Dazu gibt es immer noch viel zu tun. Allein in Gera wurden 1990 4200 laufende Meter Aktenmaterial, 1265.00 Karteikarten, 7500 Fotos, 16.000 Negative, 4000 Dias, 150 Videokassetten und Filme, 1.700 Mikrofilme sowie 13.700 Tonträger der Telefonüberwachung gefunden. Hinzu kommen 150.000 Umschläge der Postkotrolle, Infos über 500.000 registrierte Personen (der damalige Bezirk Gera hatte rund 750.000 Einwohner) und 450 Säcke mit zerrissenem Material. In den Umschlägen befanden sich Negative von Briefen, Fahndungsaufträge und vieles andere.

In der letzten Zeit hat die Zahl der Anträge auf Einsicht in die persönlichen Akten wieder zugenommen. Roland Jahn wertete das sowohl als Ausdruck des nicht nachlassenden Interesses, sondern auch als Wunsch mehr zu erfahren, das persönliche Lebensbild abzurunden. Schließlich habe es eine große Anzahl von „Angepassten“ gegeben. „Manchmal überrascht es mich, wenn ich für die Angepassten Verständnis zeige,“ so der heutige Bundesbesauftragte.

Und er weiß, worüber er spricht. Der Jenaer Roland Jahn war als Mitbegründer der oppositionellen Friedensgemeinschaft Jena selbst in den Jahren 1982/83 für sechs Monate in Gera wegen „öffentlicher Herabwürdigung der staatlichen Ordnung“ und „Missachtung staatlicher Symbole“ in Untersuchungshaft, wurde schließlich zu 22 Monaten Haft verurteilt, kam aber nach internationalen Protesten und Berichten in bundesdeutschen Medien wieder frei. Stasi-Minister Milke hatte 1983 persönlich seine Abschiebung in die Wege geleitet.

( Reinhard Schubert, 07.06.2012 )

zurück